ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Prävention: Der Königsweg
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
. . . Die „verstörende Bestandsaufnahme“ von Frau Prof. Mühlhauser im DÄ ist nicht die erste Wortmeldung von ihr zu diesem Thema. Vor einigen Monaten behauptete sie im „Stern“, vieles der modernen Medizin sei auch nur eine Form von Schamanentum oder Voodoo . . . Sie suggeriert damit ein permanentes Unbehagen, erzeugt einen nachhaltigen Zweifel an der Medizin und schürt irrationales Denken. Ihre Kritik an der Früherkennung ist an vielen Stellen berechtigt und sinnvoll. Doch es irritiert zunehmend, dass diese Kritik mehr und mehr ihren konstruktiven Charakter einbüßt. Man hat den Eindruck, dass Frau Mühlhauser täglich stundenlange Expeditionen zu den Quellen des medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritts unternimmt und darauf hofft, dass sie in der überwältigenden Erkenntnisfülle endlich wieder ein schwarzes Schaf findet, das in ihre Herde passt. Wie drückte es einmal der Philosoph Ernst Bloch zutreffend aus: „Wenn man sich Quark auf die Brille schmiert, hält man die ganze Welt für Quark.“ Vor allen Dingen ist es bedenklich, wenn die Einwände und Argumente gegen die Früherkennung auf der Laienbühne aufgeführt werden. Das weitgehend unbedarfte und leider immer noch schlecht informierte Publikum wird hier von Frau Mühlhauser als Staffage für eine schlechte Inszenierung missbraucht. Der Spagat zwischen dem „informed consent“ und der weit verbreiteten Unkenntnis des Laien über die wissenschaftlichen Details der Früherkennung überfordert den Menschen. Schlimmer noch: Die endlose Kontroverse über den Sinn und Nutzen der Früherkennung in der allgemeinen Öffentlichkeit verwirrt, verstört und beschädigt das Vertrauen in die Empfehlungen der Medizin. Es ist eine schöne Illusion zu glauben, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung sich mit den komplizierten Fragen der Krebsmedizin und der Evidenz der einzelnen Früherkennungsuntersuchungen auseinandersetzen möchte. Wer die Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig verwirrt und verstört, fördert deren latente Neigung, der Krebsprävention gleichgültig und fatalistisch zu begegnen. „Das bringt ja eh alles nichts“, ist dann die Standardeinstellung. Zugegeben, hier handelt es sich um eine Gratwanderung zwischen dem Anspruch auf eine maximale und auch kritische Information und einer weit verbreiteten Gleichgültigkeit und Unkenntnis bei den Anspruchsberechtigten. Umso dringlicher ist es, eine systematische und umfangreiche Beratung über die Krebsfrüherkennung in der Arztpraxis anzubieten. Hier muss der Gemeinsame Bundes­aus­schuss unbedingt nachlegen. Ein fundiertes, substanzielles Arzt-Patienten-Gespräch über die primäre und sekundäre Krebsprävention ist der Königsweg für eine gelungene Krebsprävention. Die muss auch angemessen vergütet werden . . . Es ist geboten, den Menschen nach bestem Wissen und Gewissen auf der Grundlage des aktuellen Erkenntnisstandes und unter Maßgabe der medizinischen Evidenz eine Empfehlung zu geben. Diese kann nur lauten, die Möglichkeiten und Chancen der Krebsvermeidung und der Früherkennung zu nutzen. Der große Erfolg bei der Eindämmung des Zervixkarzinoms ist ein Beweis dafür, dass sich die Früherkennung lohnt. Durch die Einführung der Abstrichuntersuchung konnten die Inzidenz und Mortalität bei diesem Tumor in Deutschland um 70 bis 80 Prozent reduziert werden. Die Prävention von Krebs muss ausgebaut und gefördert werden, um die Krebssterblichkeit nachhaltig zu senken . . .
Literatur beim Verfasser
Dr. Volker Beck, Dipl.-Psych.,
Koordinator Prävention,
Deutsche Krebsgesellschaft, Steinlestraße 6,
60596 Frankfurt am Main
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige