ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Prävention: Wider den Präventionswahn
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Wie mutig, diesen Artikel im DÄ zu veröffentlichen, der das Unbehagen belegt, das medizinkritische Menschen gegen den Präventionswahn hegen. Heerscharen leidlich gesunder Menschen werden zu Patienten gemacht und in ihrem Gesundheitsbewusstsein zutiefst verunsichert. Dabei ist, wie wir wissen, die Angst vor Krankheit ein Risikofaktor für Krankheit, gut belegt bei Krebs, aber, im Sinn der „self fulfilling prophecy“ sicher auch bei vielen anderen Erkrankungen. Was uns gesund erhält, unsere Lebenskraft, wird durch das Vertrauen auf Gesundheit und den eigenen Körper gestärkt und durch Verunsicherung geschwächt. Dennoch regen sich kaum Stimmen gegen die zunehmende Medikalisierung unserer Gesellschaft, der kritische Journalismus ist schon lange verstummt. Die Medien veröffentlichen unkritisch, was die Agenturen der Lobbyisten zur Verfügung stellen, wie in diesem Sommer am Beispiel der „FSME-Bedrohung“. Geradezu militant tritt in Hessen das flächendeckende Mammografie-Screening auf; diejenigen, die sich dem Angebot entziehen, weil sie den Wert dieser Maßnahmen kritisch sehen, werden marginalisiert, demnächst wohl noch zur Kasse gebeten. Eine Schwangerschaft bei all den Vorsorgen und Bedrohungen psychisch gesund durchzustehen und dann eine positive Beziehung zu dem neuen Wesen aufzubauen, ist heute fast zur Ausnahme geworden . . . Die Ärzteschaft befleißigt sich natürlich, das Paradigma ihrer selbsternannten Deutungsmacht „Wer gesund ist, bestimmen wir“ zu fördern. Wie gut, dass sich dagegen manchmal leise Stimmchen erheben. Wie viel persönlicher, wichtiger und effektiver als die geballte Macht einer gesichtslosen apparativen Präventionsmedizin wären gelegentliche Gespräche zur seelischen und körperlichen Befindlichkeit. Hier kann sich der Arzt nicht hinter Labor- und Apparatemedizin verstecken und wird als Mensch gefordert.
Dr. Stephan Heinrich Nolte,
Dr. Anne Sparenborg-Nolte,
Alter Kirchhainer Weg 5, 35039 Marburg/Lahn
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