ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Wie offen kann die Psychiatrie sein? Zwangseinweisungen in zwei innerstädtischen Berliner Bezirken: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Wie offen kann die Psychiatrie sein? Zwangseinweisungen in zwei innerstädtischen Berliner Bezirken: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2432 / B-2151 / C-2083

Heinz, Andreas; Haebler, Dorothea von

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LNSLNS Herr Hess betont, dass jeder Freiheitsentzug beziehungsweise jede Zwangseinweisung in der Psychiatrie der richterlichen Genehmigung bedarf. Angesichts der in der Öffentlichkeit bestehenden Ängste und Vorurteile gegenüber der Psychiatrie ist diese Anmerkung zum einen wichtig, denn sie stellt klar, dass hier die medizinische wie juristische Seite regelhaft involviert wird, um im besten Interesse des Patienten eine angemessene Lösung zu finden. Zum anderen fragt Herr Hess nach dem genauen Prozedere der Zwangseinweisungen, deren Zahlen in unserem Artikel präsentiert werden. In Berlin wie in allen Bundesländern kann eine Zwangseinweisung einerseits nach dem Betreuungsgesetz erfolgen, andererseits nach dem Gesetz für psychisch Kranke. Letzteres sieht in Berlin vor, dass der Sozialpsychiatrische Dienst bei jedem Verfahren anwesend ist. Wir hatten diesen Punkt betont, weil er für die Frage der Verlässlichkeit unserer Daten zu Zwangseinweisungen relevant ist, denn nicht in allen Bundesländern ist der Sozialpsychiatrische Dienst in dieser Form regelmäßig an Zwangseinweisungen beteiligt.
Herr Hess fragt weiter, ob in diesen Zahlen auch die vorläufigen behördlichen Unterbringungen enthalten sind. Dies ist der Fall. Nicht enthalten ist eine polizeiliche Zuführung von Patienten, die nicht zur gesetzlichen Unterbringung führt. Unser Artikel erörterte allerdings nicht die rechtlichen Abläufe bei einer Zwangsunterbringung, vielmehr ging es uns um deren alltägliche Praxis und mögliche Veränderungen in den letzten Jahren. Die psychiatrische Praxis der Zwangsunterbringung scheint dabei eher von Zeitgeist und Haltung der jeweiligen Einrichtung bestimmt als von rechtlichen Bestimmungen, wie zum Beispiel die Öffnung der Akutstationen zeigt.
Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Andreas Heinz
Dr. med. Dorothea von Haebler
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Campus Mitte
Schumannstraße 20–21
10117 Berlin
E-Mail: dorothea.vonhaebler@charite.de

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