ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Knieendoprothese: Speziell für Frauen

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Knieendoprothese: Speziell für Frauen

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2441

EB

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LNSLNS Drei von vier Patienten mit symptomatischer Kniegelenkarthrose sind weiblich – das Geschlechtsverhältnis bei der Implantation von Knieendoprothesen spiegelt diese Krankheitsprävalenz wider. Das Endoprothesendesign hingegen basiert bisher hauptsächlich auf Daten der männlichen Anatomie. Das Orthopädieunternehmen Zimmer, Wiesbaden (www.zimmergermany.de), hat gemeinsam mit einem internationalen Ärzteteam das „Gender Solutions High Flex Knie“ entwickelt. Die Knieendoprothese berücksichtigt mit ihrem Design die weibliche Anatomie und sorgt so für einen verbesserten Sitz.
Die Entwicklung des Implantats basiert auf wissenschaftlichen Studien zu den anatomischen Unterschieden des distalen Femurs von Frauen und Männern. Darüber hinaus wurde ein dreidimensionaler Knochenatlas erstellt, der die anatomischen Besonderheiten des weiblichen Knies erstmals gesondert aufzeigt. 800 Kniegelenke wurden hierfür bislang von Dr. Mohamed Mahfouz, Universität von Tennessee (USA), computertomografisch erfasst und ausgewertet.
Der Knochenatlas zeigt drei charakteristische, anatomische Besonderheiten des weiblichen Knies. Ein wichtiger Unterschied ist die häufig weniger ausgeprägte anteriore Kondyle bei Frauen. Wird hier ein konventionelles Implantat verwendet, ist es möglich, dass es zu dem auch als „Overstuffing“ bezeichneten Fremdkörpergefühl kommen kann. Entsprechend verfügt die neue Lösung über ein dünneres anteriores Femurschild.
Ein weiterer Aspekt ist die Patellaführung. Da Frauen in der Regel einen signifikant größeren Quadrizeps-winkel zwischen Tuberositas tibiae und Patella aufweisen, läuft die Patella-Führungslinie eher in Valgusform auf die Mittellinie der Kondylen zu, bedingt durch die bei Frauen vermehrt beobachtete Antetorsion des Schenkelhalses. Die neu entwickelte Femurkomponente berücksichtigt dies, indem das Gleitlager des Implantats gegenüber der Patella um drei Grad nach lateral verschoben wird.
Außerdem unterscheiden sich Männer und Frauen im Verhältnis zwischen transversalem und sagittalem Durchmesser der Femurkondylen. Die Femurkondylen bei Frauen sind im Mittel eher trapezförmig als rechteckig und bei gleicher anteroposteriorer Abmessung in der mediolateralen Ausdehnung schmaler. Versucht man, dies durch die Wahl einer kleineren Prothesenkomponente auszugleichen, wird auch der anterior-posteriore Durchmesser (A/P) geringer – was wiederum zu Kompromissen bei der Bandstabilität führen, den Gelenkspalt verschieben und so erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität des Kniegelenks haben kann. Die Gender-Solutions-High-Flex-Femurkomponente ist deshalb in der medial-lateralen Ausdehnung (M/L) schmaler. Damit können unter Umständen ein Überstehen der Prothese in der M/L- oder der A/P- Ebene und eventuelle Weichteilirritationen verhindert werden. EB
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Die drei Designmerkmale

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