ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Rotaviren: Impfempfehlung für alle Säuglinge

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Rotaviren: Impfempfehlung für alle Säuglinge

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2442

Zylka-Menhorn, Vera

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Rotaviren: Zehn Viruspartikel pro Milliliter genügen schon, um eine Infektion zu verursachen. RotaTeq® ist ein gebrauchsfertiger Schluckimpfstoff (oben) im 3-Dosen-Schema. Fotos: sanofi-pasteur-MSD
Rotaviren: Zehn Viruspartikel pro Milliliter genügen schon, um eine Infektion zu verursachen. RotaTeq® ist ein gebrauchsfertiger Schluckimpfstoff (oben) im 3-Dosen-Schema. Fotos: sanofi-pasteur-MSD
Rotaviren sind die weltweit häufigste Ursache schwerer Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Rotavirus-bedingte Brechdurchfälle betreffen meist Kinder zwischen dem sechsten und 24. Lebensmonat. Entsprechende Erkrankungen treten das ganze Jahr über auf, vorwiegend jedoch in der kalten Jahreszeit zwischen November bis April.
Im günstigsten Fall entwickeln die betroffenen Kinder nur eine milde Verlaufsform, viele leiden jedoch an schwerwiegenden Symptomen, beispielsweise Erbrechen, Fieber, starken Bauchschmerzen und schnellem Verlust von Körperflüssigkeit. Die Symptome bestehen für vier bis acht Tage. Schwere Verlaufsformen mit mehr als 20 Brechdurchfällen innerhalb von 24 Stunden erzwingen häufig eine Krankenhauseinweisung.
Der Verlauf einer Rotavirus-Gastroenteritis ist nicht prognostizierbar, zumal Infektionen mit mehreren Serotypen möglich sind. In Europa sind fünf Serotypen für mehr als 98 Prozent der Rotaviruserkrankungen verantwortlich. Bisher war man davon ausgegangen, dass der Rotavirus-Serotyp G1 dominiert. Neue epidemiologische Daten zeigen jedoch, dass in Deutschland G4, G1 und G3 (absteigende Häufigkeit) vorherrschen, während in Italien G9 dominiert (JID 2007; 195: 17–25). Zusätzlich konnte nachgewiesen werden, dass sich die Verteilung der einzelnen Serotypen innerhalb Europas im Lauf eines Jahres verändert.
Ein Kontakt mit Rotaviren lässt sich so gut wie nicht vermeiden. Die Erreger sind weit verbreitet und hoch kontagiös, sodass sich nahezu jedes Kind in den ersten zwei bis drei Lebensjahren mit Rotaviren infiziert. Das Virus wird über den Stuhl ausgeschieden und kann über eine Schmierinfektion mittels Hand-zu-Mund-Kontakt übertragen werden. Da Rotaviren über einen langen Zeitraum auf den Händen, harten Oberflächen sowie im Trinkwasser und in Schwimmbädern überleben können, ist auch eine Infektion über die Nahrung oder Wasser möglich. Zudem ist der Erreger gegen Seife und die meisten Desinfektionsmittel weitgehend resistent.
Da es verschiedene Rotavirus-Serotypen gibt, deren Auftreten örtlich und zeitlich variiert, kommt der Prävention durch eine umfassende Immunisierung ein besonderer Stellenwert zu. Daher wird die Schluckimpfung generell für alle Säuglinge sowohl von der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Infektionskrankheiten als auch von der
Europäischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung empfohlen.
Nach ihren Leitlinien, die bei der 25. Jahrestagung der European Society for Paediatric Infectious Diseases in Porto (Portugal) vorgestellt wurden, lässt sich die orale Impfung in alle europäischen Impfschemata für Kinder integrieren; in Deutschland zum Beispiel im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen U3 bis U5. Der Rotavirus-Impfstoff könne allein appliziert, aber auch mit anderen inaktivierten Vakzinen gespritzt werden, berichtete Prof. Ingomar Mutz (Graz). Für den pentavalenten Schluckimpfstoff RotaTeq® gibt es ein Schema mit drei Dosen, wobei die erste zwischen der sechsten und der zwölften Lebenswoche gegeben werden sollte. Der gesamte Impfzyklus sollte im Alter von sechs Monaten beendet sein.
Wie Dr. Nick Kitchin (London) berichtete, seien nach der Impfung die Raten der Hospitalisationen wegen schwerer Erkrankungen um 96 bis 100 Prozent zurückgegangen. Inzwischen sei belegt, dass die Schutzwirkung mindestens zwei Jahre anhalte. Die Rate unerwünschter Wirkungen sei in der REST-Studie (Rotavirus Efficacy and Safety Trial) nicht höher als bei Placebo, und es gebe bei der Impfung kein erhöhtes Risiko für Intussuszeption. zyl

RotaTeq®-Media-Workshop des Unternehmens sanofi-pasteur-MSD anlässlich der 25. Jahrestagung der European Society for Paediatric Infectious Diseases (ESPID) in Porto
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