ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Diabetisches Fusssyndrom: Urokinase verhindert Amputationen

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Diabetisches Fusssyndrom: Urokinase verhindert Amputationen

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2443

EB

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LNSLNS Niedrig dosierte Urokinase verbessert die Mikrozirkulation bei kritisch ischämischen Diabetikerfüßen, indem sie die Plasmaviskosität durch Senkung des Fibrinogenspiegels vermindert und kleine Thromben in der Mikrostrombahn auflöst. Mit diesem Wirkprinzip könnten ersten Studienergebnissen zufolge die Beine von amputationsgefährdeten Diabetikern gerettet werden, konstatierte Priv.-Doz Dr. Matthias Weck (Klinik Bavaria, Kreischa) in Hamburg.
Nach aktuellen Daten der AOK entwickeln von rund sechs Millionen Diabetikern etwa vier bis sieben Prozent ein diabetisches Fußsyndrom (DFS), das mehr als 25 000 Majoramputationen pro Jahr nach sich zieht. Oberstes Ziel der Behandlung ist die Vermeidung von Amputationen oberhalb des Sprunggelenks, die mit einer hohen Sterblichkeit und Reamputationsrate einhergehen.
Ein wesentliches Therapieprinzip ist dabei die operative und/oder interventionelle Revaskularisation. Seien chirurgische Maßnahmen jedoch ausgeschöpft, stellten medikamentöse Optionen zur Verbesserung der Mikrozirkulation, etwa die niedrig dosierte Urokinasetherapie (zum Beispiel Urokinase HS medac), möglicherweise eine letzte Alternative zur Majoramputation dar, sagte Weck. Eine Phase-II-Studie habe gezeigt, dass die Urokinasetherapie beinerhaltend und mortalitätssenkend wirke. Von 75 DFS-Patienten mit kritischer Extremitätenischämie und erhöhten Fibrinogenwerten (= 4 g/l) erlitten nach einer dreiwöchigen Urokinasetherapie lediglich 19 Prozent während der zwölfmonatigen Nachbeobachtungszeit eine Majoramputation, so Weck.
Die Patienten hatten im Durchschnitt 18-mal (ein- bis 21-mal) 500 000 oder eine Million IE Urokinase als tägliche 30-minütige Infusion erhalten. Das majoramputationsfreie Überleben lag nach zwölf Monaten bei 69, das Gesamtüberleben bei fast 85 Prozent. Die mediane Zeit bis zur ersten vollständigen Abheilung betrug 9,2 Monate. Die kumulative 12-Monatsinzidenz vollständig abgeheilter Läsionen betrug 82 Prozent. Ein Therapieversuch mit Urokinase könne somit auch im Endstadium der Gefäßerkrankung noch Erfolg versprechend sein, resümierte Weck.
Etwa die Hälfte der diabetischen Fußsyndrome seien angiopathischer/ neuropathischer Genese. Durch moderne Rekonstruktionsverfahren könnten vor allem im Unterschenkelbereich viele Gliedmaßen erhalten werden, betonte Prof. Martin Storck (Städtisches Klinikum Karlsruhe). Voraussetzung sei allerdings eine rechtzeitige und komplette Gefäßdiagnostik im Rahmen eines interdisziplinären Therapiekonzepts, idealerweise in einem Gefäßzentrum.
Neben rein perkutanen Verfahren, wie Ballonangioplastie, Stentangioplastie, Lysetherapie oder Urokinasetherapie, seien insbesondere bei längerstreckigen Verschlüssen Bypassverfahren indiziert, erläuterte Storck. Ein Erhalt der Extremität gelinge damit bei mehr als 60 Prozent der Fälle. EB

Satellitensymposium: Therapeutische Strategien zur Behandlung des diabetischen Fußsyndroms im Rahmen der 42. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) in Hamburg, Veranstalter: medac – Gesellschaft für klinische Spezialpräparate
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