GELDANLAGE

Geklaut wird immer

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2444 / B-2160 / C-2092

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Manche Museen verhalten sich kaum anders als private Haushalte: Sie schlampen ein wenig, was den Schutz ihrer Preziosen angeht. Nach dem spektakulären Raub von Edvard Munchs „Der Schrei“ und der „Madonna“ aus der Osloer Nationalgalerie wurde ruchbar, dass diese weltberühmten Gemälde überhaupt nicht versichert waren, wohl, um Geld zu sparen.
Ein ähnliches Motiv, neben der Sorglosigkeit natürlich, dürften auch Leute wie du und ich haben, wenn sie ihre Kunstwerke weder schützen noch versichern, wiewohl im Schadensfall die Öffentlichkeit kaum davon Notiz nehmen dürfte, der Beklaute geht damit eh nicht hausieren, schon um keinen Spott aufkommen zu lassen und erst recht der nachbarlichen Schadenfreude zu entrinnen.
Wahr ist aber, dass wertvolle private Kunstwerke, seien es Gemälde oder Antiquitäten, in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus des langfingerischen Gewerbes geraten. In der deutschen Kriminalstatistik steht der Kunstraub mittlerweile bereits als Drittplatzierter auf dem Siegertreppchen, nur noch übertroffen vom Drogenhandel und Waffendelikten.
Das verwundert auch nicht allzu sehr, liegt doch gerade beim Klauen von Kunst die Aufklärungsquote bei 40 Prozent; verglichen damit ist es viel riskanter, eine Bank zu überfallen, hier werden von zehn Räubern mehr als sieben wieder eingefangen. Beutekunst aus privaten Haushalten lässt sich im Gegensatz zu musealer Kunst überdies ziemlich leicht weiterverkaufen, kurzum, das schmucke Einfamilienhaus und die elegante Eigentumswohnung sind ein ideales Arbeitsumfeld für die Branche.
Doch selbst, wer sich versichert glaubt, kann sich fatal irren. Millionenschwere Gemälde, die lieb gewonnene Briefmarkensammlung oder exquisite, mühsam zusammengetragene Antiquitäten: Die Hausratversicherung soll’s dann richten, wenn des Morgens plötzlich Lücken im Wohnumfeld entdeckt werden.
Von wegen. Die Assekuranz erstattet, wenn es hoch kommt, höchstens ein Fünftel der gesamten Versicherungssumme, Höherversicherungen sind nur gegen fette Extraprämien möglich. Liegt der Wert des Hausrats über 250 000 Euro, was zu überschreiten heutzutage nun wirklich keine Kunst mehr ist, verlangt die Versicherung darüber hinaus umfangreiche bauliche Absicherungsmaßnahmen.
Außerdem ist der Schutz der Hausratversicherung löchrig. Besonders riskant für den Hauseigentümer ist der sogenannte einfache Diebstahl. Gibt es keine Einbruchspuren, gibt es auch kein Geld. Beliebt sind außerdem Unterversicherungen mit der blöden Folge, dass es halt deutlich weniger Schadensersatz gibt.
Wer wirklich sicher gehen will, schließt eine „Kunstpolice“ ab. Allerdings gibt es wenig Anbieter (Axa Art, Hiscox). Am Ende kann sich die Police sehr lohnen, geklaut wird schließlich immer.
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