ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2007Bekanntmachungen: Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Abs. 2 SGB V zur zytologischen Untersuchung von Abstrichen der Cervix uteri (Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung Zervix-Zytologie)

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Bekanntmachungen: Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Abs. 2 SGB V zur zytologischen Untersuchung von Abstrichen der Cervix uteri (Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barung Zervix-Zytologie)

Dtsch Arztebl 2007; 104(36): A-2446 / B-2162 / C-2094

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LNSLNS Abschnitt A
Allgemeine Bestimmungen


§ 1
Ziel und Inhalt
(1) Diese Vereinbarung ist eine Maßnahme zur Qualitätssicherung, mit welcher die Qualität zytologischer Untersuchungen zur Früherkennung des Zervixkarzinoms gesichert werden soll. Die Vereinbarung regelt die fachlichen, räumlichen, apparativen und organisatorischen Voraussetzungen für die Ausführung und Abrechnung der präventiven zytologischen Untersuchungsleistung gemäß Abschnitt B.2. der Krebsfrüherkennungs-Richtlinien, der zytologischen Untersuchung im Rahmen der Empfängnisregelung und der kurativen zytologischen Untersuchung von Abstrichen der Cervix uteri in der vertragsärztlichen Versorgung (Leistungen nach den Nummern 01733, 01826 und 19311 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes [EBM]). Weiterhin regelt diese Vereinbarung die Durchführung der Präparatebefundung und deren Überprüfung sowie die Verpflichtung zur Erstellung von Statistikberichten.
(2) Bei der zytologischen Untersuchung von Abstrichen der Cervix uteri handelt es sich um eine ärztliche Leistung, die von einem nach den Vorgaben von § 3 qualifizierten Vertragsarzt erbracht wird (zytologieverantwortlicher Arzt). Teilschritte der jeweiligen zytologischen Leistung können nach den Vorgaben von § 6 und unter Anleitung und Aufsicht des zytologieverantwortlichen Arztes von ärztlichen oder nicht ärztlichen Präparatebefundern erbracht werden, die nach den Vorgaben von § 4 qualifiziert sind.


§ 2
Genehmigung
(1) Die Ausführung und Abrechnung der zytologischen Untersuchung von Abstrichen der Cervix uteri in der vertragsärztlichen Versorgung durch die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte ist erst nach Erteilung der Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung zulässig. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die nachstehenden fachlichen, räumlichen und apparativen Voraussetzungen nach den §§ 3, 4 und 5 im Einzelnen erfüllt sind.
(2) Die Erfüllung der in Absatz 1 genannten Voraussetzungen ist gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung nachzuweisen. Das Verfahren richtet sich nach Abschnitt D in Verbindung mit den Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für Verfahren zur Qualitätssicherung nach § 75 Abs. 7 SGB V.
(3) Die Genehmigung ist mit der Auflage zu erteilen, dass die in den §§ 5 bis 10 festgelegten Anforderungen dauerhaft erfüllt werden.

Abschnitt B
Genehmigungsvoraussetzungen


§ 3
Fachliche Befähigung des zytologieverantwortlichen Arztes
(1) Die fachliche Befähigung für die Ausführung und Abrechnung von zytologischen Untersuchungen von Abstrichen der Cervix uteri gilt als nachgewiesen, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt und durch Zeugnisse und Bescheinigungen nach § 13 Abs. 2 nachgewiesen werden:
1. Berechtigung zum Führen der Gebietsbezeichnung „Pathologie“ oder „Frauenheilkunde und Geburtshilfe“.
2. Nachweis einer mindestens halbjährigen ganztägigen Tätigkeit oder einer vom Umfang her vergleichbaren, maximal zweijährigen berufsbegleitenden Tätigkeit in der zytologischen Diagnostik in einem zytologischen Labor, das den Anforderungen nach Absatz 2 entspricht, mit der persönlichen Beurteilung von mindestens 5 000 Fällen aus der gynäkologischen Exfoliativ-Zytologie, in denen – ggf. unter Einbeziehung einer Lehrsammlung – mindestens 200 Fälle von Zervixkarzinomen oder deren Vorstadien enthalten sein müssen.
3. Erfolgreiche Teilnahme an der Präparateprüfung nach Anlage 1.
(2) Das zytologische Labor nach Absatz 1 Nr. 2 muss folgende Anforderungen erfüllen:
1. Im zytologischen Labor muss der anleitende Arzt die Voraussetzungen für die fachliche Befähigung zur zytologischen Untersuchung von Abstrichen der Cervix uteri erfüllen sowie mindestens zwei Jahre in der gynäkologisch-zytologischen Diagnostik tätig gewesen sein.
2. Die Einrichtung muss über eine Lehrsammlung mit mindestens 200 Präparaten verfügen, in der eine repräsentative Auswahl von Präparaten enthalten ist, die negative, unklare und positive Zellbilder beinhaltet.
3. In der Einrichtung müssen jährlich mindestens 12 000 Fälle beurteilt werden. Einrichtungen, die zytologische Präparate von gynäkologischen Fachabteilungen zur Beurteilung erhalten, sind geeignet, wenn sie mindestens 6 000 Fälle im Jahr befunden, die einen hohen Anteil histologisch abklärungsbedürftiger Befunde aufweisen.


§ 4
Fachliche Befähigung der Präparatebefunder
(1) Die im Zytologielabor unter Anleitung und Aufsicht des zytologieverantwortlichen Arztes tätigen Präparatebefunder müssen die folgenden Anforderungen an die fachliche Qualifikation erfüllen:
1. Erfolgreich abgeschlossene Ausbildung als „Zytologisch tätige Assistentin“ bzw. „Zytologisch tätiger Assistent“ (ZTA) an Fachschulen für ZTA (Zytologie-Schulen)
oder
erfolgreich abgeschlossene staatliche Prüfung als „Medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin“ bzw. „Medizinisch-technischer Laboratoriumsassistent“ (MTA-L) an einer staatlich anerkannten Lehreinrichtung mit einer anschließenden ganztägigen einjährigen praktischen Tätigkeit in einer Laboreinrichtung der Zervix-Zytologie. In dieser Zeit müssen mindestens 3 000 Fälle der gynäkologischen Exfoliativ-Zytologie selbstständig vorgemustert worden sein.
2. Die vorgelegten Zeugnisse müssen Angaben darüber enthalten, dass theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen in folgenden Bereichen erworben wurden:
– systematische Präparatevormusterung
– technische Beurteilung der Präparate auf ihre Brauchbarkeit zur ärztlichen Diagnostik
– Erkennung verschiedener Floren und Hinweiszeichen auf Krankheitserreger
– Erkennung der verschiedenen Zelltypen einschließlich der Erkennung von Endozervikalzellen.
(2) Der zytologieverantwortliche Arzt muss die Qualifikation der im Zytologie-Labor tätigen Präparatebefunder bei der Kassenärztlichen Vereinigung durch die Vorlage von Zeugnissen und/oder Bescheinigungen namentlich belegen.


§ 5
Räumliche und apparative Ausstattung der Zytologie-Einrichtung
(1) Die Zytologie-Einrichtung muss über einen zytologischen Arbeitsplatz mit folgender Mindestausstattung verfügen:
– Annahmebereich
– Färberaum oder -bereich
– Mikroskopierraum oder -bereich
– Archivbereich
– Lagerbereich !
(2) Der Färberaum oder -bereich muss vom übrigen Laborbereich räumlich getrennt sein, die geltenden Vorschriften zum Umgang mit Gefahrenstoffen bzw. Arbeitsschutzvorschriften sind einzuhalten. Zum Mikroskopierraum oder -bereich gehört ein binokulares Mikroskop mit einer Mindestausstattung mit 10×- und 40×-Objektiven sowie den entsprechenden 10×- und 12×-Okularen. Zum Zwecke der internen Fortbildung muss ein Diskussionsmikroskop oder eine vergleichbare Einrichtung im Labor vorhanden sein.


Abschnitt C
Durchführung von zytologischen Untersuchungen


§ 6
Präparatebefundung
(1) Die Präparatebefundung erfolgt in den Räumen der zytologischen Einrichtung an einem zytologischen Arbeitsplatz. Die Präparatebefundung kann vom zytologieverantwortlichen Arzt auch an Präparatebefunder delegiert werden, wenn dies mit den medizinischen Erfordernissen zu vereinbaren und die fachliche Überwachung aller Arbeitsvorgänge durch den zytologieverantwortlichen Arzt gewährleistet ist. Dies setzt grundsätzlich die Anwesenheit dieses Arztes am Ort der Leistungserbringung voraus. Damit vereinbar ist bestenfalls eine kurzfristige, vorübergehende Abwesenheit, bei der der Arzt in angemessener Zeit persönlich in der Einrichtung erreichbar ist.
(2) Am Mikroskop arbeitende (Präparate-)Befunder dürfen durchschnittlich pro Arbeitsstunde nicht mehr als zehn Präparate befunden. Der Nachweis über die Anzahl der als Präparatebefunder tätigen Mitarbeiter ist durch die Vorlage entsprechender Aufstellungen mit Angabe der Arbeitszeit der jeweiligen Präparatebefunder gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung zu führen und von dieser mit der jährlich befundeten Präparateanzahl abzugleichen.
(3) Die Präparate sind wie folgt aufzubereiten:
– Fehlerfreie Identifizierung, Registrierung und Zuordnung von Patientendaten und Abstrichmaterial
– Präparatefärbung nach Papanicolaou
– Eindecken der Präparate mit einem das ganze Präparat bedeckenden Deckglas oder mit entsprechendem Eindeckmedium.
(4) Die Präparatebefundung erfolgt nach der Münchner Nomenklatur II
(5) Folgende Präparate sind in jedem Fall vom zytologieverantwortlichen Arzt zu begutachten:
– Auffällige Präparate (Befunde ab Gruppe III nach Münchner Nomenklatur II)
– Präparate mit bedingt ausreichender bzw. nicht ausreichender Abstrichqualität gemäß Münchner Nomenklatur II
– Erster negativer Abstrich nach auffälligem zytologischem oder histologischem Vorbefund
– bei klinisch suspektem Portiobefund.
(6) Zytologische Präparate sind zehn Jahre lang zugreifbar aufzubewahren. Auffällige Präparate (ab Gruppe III nach Münchner Nomenklatur II) sind von den anderen Präparaten getrennt zu archivieren.

§ 7
Überprüfung der Präparatequalität und der ärztlichen Dokumentation
(1) Die Überprüfung der Präparatequalität und der ärztlichen Dokumentation bezieht sich auf die Beurteilung der Qualität des Zellmaterials (gemäß Münchner Nomenklatur II), der Färbung und der Eindeckung sowie auf die Nachvollziehbarkeit der Befundung/Dokumentation (z. B. korrekte Angaben zur Präsenz endozervikaler Zellen). Die Durchführung der stichprobenartigen Überprüfung erfolgt durch die Qualitätssicherungs-Kommission nach § 11.
(2) Die Kassenärztliche Vereinigung fordert vom zytologieverantwortlichen Arzt in einem 24-monatigen Abstand jeweils zwölf Präparate mit der dazugehörenden Dokumentation und Befundung an. Die Auswahl der Fälle erfolgt nach dem Zufallsprinzip durch die Kassenärztliche Vereinigung unter Angabe des Namens der Patientin und des Tages, an dem die zytologische Untersuchung durchgeführt wurde. Um eine gleichmäßige Qualität überprüfen zu können, sollen die Fälle aus vier verschiedenen Quartalen aus den letzten 24 Monaten stammen.
(3) Die eingereichten Präparate sind auf eine ausreichende technische Präparatequalität (ohne diagnostikrelevante Mängel), zutreffende und vollständige Beurteilung des Präparats sowie auf eine vollständige Dokumentation zu überprüfen. Die bei der Überprüfung festgestellten Mängel sind zu dokumentieren.
(4) Die Überprüfung gilt als nicht bestanden, wenn eines oder mehrere der in Absatz 3 genannten Kriterien nicht erfüllt sind.
(5) Das Ergebnis der Überprüfung wird dem zytologieverantwortlichen Arzt durch die Kassenärztliche Vereinigung innerhalb von vier Wochen mitgeteilt. Der Arzt soll über bestehende Mängel informiert und gegebenenfalls eingehend beraten werden, wie diese behoben werden können.
(6) Wurde die Überprüfung gemäß Absatz 4 nicht bestanden, muss der zytologieverantwortliche Arzt innerhalb von zwölf Monaten an einer erneuten Überprüfung teilnehmen. Werden die Anforderungen auch dann nicht erfüllt, hat der Arzt die Möglichkeit, innerhalb von drei Monaten an einem Kolloquium bei der Kassenärztlichen Vereinigung teilzunehmen. Das Kolloquium kann auch mit einer Praxisbegehung verbunden werden, bei der die Qualitätssicherungs-Kommission Einsicht in die archivierten Präparate und/oder in die Dokumentation verlangen kann. Hat der Arzt an dem Kolloquium nicht teilgenommen oder war die Teilnahme an dem Kolloquium nicht erfolgreich, ist die Genehmigung zur Durchführung und Abrechnung der zytologischen Untersuchung von Abstrichmaterial aus dem weiblichen Genitale in der vertragsärztlichen Versorgung zu widerrufen.
(7) Der Antrag auf Wiedererteilung der Genehmigung kann frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Widerruf der Genehmigung gestellt werden. Die Wiedererteilung der Genehmigung richtet sich nach den §§ 3 bis 5.


§ 8
Jahresstatistik
(1) Der zytologieverantwortliche Arzt hat eine Jahresstatistik gemäß Anlage 2 zu erstellen, die folgende Angaben enthält:
– Gesamtzahl der in der Einrichtung untersuchten Präparate der Zervix-Zytologie des Berichtsjahrs
– Anzahl der nicht verwertbaren Präparate
– Anzahl der untersuchten Frauen
– Anzahl der Ausgangsbefunde (ein Befund pro untersuchter Frau des Berichtsjahrs), geordnet nach Befundgruppen der Münchner Nomenklatur II
– Ergebnisse der histologischen Abklärungsuntersuchungen, die bis zum 30. Juni des Folgejahres erfolgt sind, bezogen auf den maßgeblichen zytologischen Vorbefund
– ggf. Praxisbesonderheiten, die die Befundgruppenverteilung beeinflussen können (z. B. hoher Anteil kurativer Abstriche).
(2) Die Datenübertragung der Jahresstatistik erfolgt in elektronischer Form und ist jeweils bis zum 31. Juli des Folgejahres bei der Kassenärztlichen Vereinigung einzureichen und von dieser auf Vollständigkeit zu überprüfen.
(3) Die Jahresstatistiken sind von der Kassenärztlichen Vereinigung im Sinne einer Gesamtstatistik jährlich insgesamt darzustellen und den Ärzten in anonymisierter Form zur Verfügung zu stellen („Benchmark-Berichte“).
(4) Die einzelnen Jahresstatistiken sind von der Qualitätssicherungs-Kommission gemäß § 11 zu beurteilen. Die Qualitätssicherungs-Kommission legt einheitliche Kriterien zur Beurteilung der vorgelegten Jahresstatistiken nieder. Stellt die Kommission Auffälligkeiten fest, gibt die Kassenärztliche Vereinigung der betroffenen Zytologie-Einrichtung zunächst Gelegenheit zu einer schriftlichen Stellungnahme. Können die festgestellten Auffälligkeiten durch diese Stellungnahme nicht ausreichend begründet werden, muss der zytologieverantwortliche Arzt an einem Kolloquium bei der Kassenärztlichen Vereinigung teilnehmen. Hat der Arzt an dem Kolloquium nicht teilgenommen oder war die Teilnahme an dem Kolloquium nicht erfolgreich, kann die Genehmigung zur Durchführung und Abrechnung der betreffenden Leistungen mit bestimmten Auflagen versehen oder widerrufen werden.


§ 9
Fortbildung
(1) Der zytologieverantwortliche Arzt muss gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung eine themenbezogene Fortbildung von 40 Stunden Dauer jeweils innerhalb von zwei Kalenderjahren nachweisen. Die Teilnahme an von der Kassenärztlichen Vereinigung anerkannten Qualitätszirkeln oder an klinisch pathologischen Konferenzen wird in diesem Zusammenhang anerkannt.
(2) Der zytologieverantwortliche Arzt muss gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung für die Präparatebefunder, die unter seiner Anleitung und Aufsicht tätig sind, eine themenbezogene Fortbildung von jeweils 40 Stunden Dauer innerhalb von zwei Kalenderjahren nachweisen, wovon 20 Stunden auch durch eine einrichtungsinterne Fortbildung abgegolten werden können.


§ 10
Interne Praxisorganisation
(1) Auffällige Befunde müssen in dokumentierten Fallbesprechungen diskutiert werden. Problemfallbesprechungen sind regelmäßig durchzuführen.
(2) Zur Nachmusterung einer Zufallsauswahl von mindestens 5 % aller negativ (Gruppe I/II) befundeten Präparate (bzw. alternativ Vormusterung von mindestens fünf Prozent aller unbefundeten Präparate) ist ein einrichtungsinternes Schema zu etablieren und zu dokumentieren.
(3) Für kontrollbedürftige zytologische und histologische Befunde ist ein „Recall-System“ einzurichten.
(4) Anhand der Jahresstatistik gemäß § 8 Abs. 1 ist eine Zusammenführung und Korrelation zytologischer und histologischer Befundergebnisse vorzunehmen. Zytologisch/histologisch diskrepante Fälle sind nachzumustern.
(5) Bei allen Befunden mit einer Empfehlung zur histologischen Klärung ist durch den zytologieverantwortlichen Arzt eine gezielte Nachmusterung mit Dokumentation aller Vorbefunde der letzten drei Jahre vorzunehmen.

Abschnitt D
Verfahren


§ 11
Qualitätssicherungs-Kommission
(1) Für die Durchführung dieser Vereinbarung und zur Prüfung der in dieser Vereinbarung genannten Anforderungen richtet die Kassenärztliche Vereinigung eine Qualitätssicherungs-Kommission ein. Mehrere Kassenärztliche Vereinigungen können gemeinsam eine Kommission einrichten. Mindestens ein Kommissionsmitglied muss über die fachliche Qualifikation gemäß § 3 verfügen. In der Kommission sollen mindestens ein Gynäkologe und ein Pathologe vertreten sein. Die Landesverbände der Krankenkassen und die Verbände der Ersatzkassen auf Landesebene können für die Dauer der Amtsperiode der Qualitätssicherungs-Kommission insgesamt bis zu zwei ständige ärztliche Vertreter mit beratendem Status und ohne Stimmrecht benennen. Diese müssen über eine fachliche Qualifikation gemäß § 3 Absatz 1 Nr. 1 verfügen. Die Kommissionsmitglieder und die Vertreter der Krankenkassen sollen über Kenntnisse oder Erfahrungen im Bereich der Qualitätssicherung bei zytologischen Untersuchungen von Abstrichen der Cervix uteri verfügen.
(2) Die Kassenärztliche Vereinigung kann von der Zytologie-Einrichtung den Nachweis der in den §§ 4 bis 9 genannten Voraussetzungen verlangen. Sie kann zur Durchführung ihrer Aufgaben die Kommission beauftragen, die Ausstattung der Einrichtung zu überprüfen. Eine Genehmigung nach § 2 wird nur erteilt, wenn der Vertragsarzt in seinem Antrag sein Einverständnis zur Durchführung einer solchen Überprüfung erklärt.


§ 12
Auswertung der Qualitätssicherungsmaßnahmen
Damit die Vertragspartner entscheiden können, ob und in welcher Form die Qualitätssicherungsmaßnahmen nach dieser Vereinbarung fortgeführt werden sollen, erfolgt – nach gemeinsam festzulegendem Vorgehen – jährlich eine statistische Auswertung und Ergebnisanalyse, insbesondere zur Überprüfung der Präparatequalität und der ärztlichen Dokumentation sowie der Jahresstatistik. !

§ 13
Genehmigungsverfahren
(1) Anträge auf Genehmigung sind an die Kassenärztliche Vereinigung zu richten.
(2) Dem Antrag auf die Genehmigung sind insbesondere beizufügen:
1. Urkunde über die Berechtigung zum Führen der Facharztbezeichnung
2. Tätigkeitsnachweis gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 2.
(3) Über die Anträge und über den Widerruf oder die Rücknahme einer erteilten Genehmigung entscheidet die Kassenärztliche Vereinigung. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn
1. aus den vorgelegten Zeugnissen und Bescheinigungen hervorgeht, dass die in Abschnitt B genannten fachlichen, räumlichen und apparativen Voraussetzungen erfüllt sind sowie
2. der Arzt sich verpflichtet hat, die jeweiligen Anforderungen an die Leistungserbringung zu erfüllen.
(4) Bestehen trotz der vorgelegten Zeugnisse und Bescheinigungen begründete Zweifel an der fachlichen Befähigung von Ärzten nach § 3, so kann die Kassenärztliche Vereinigung die Genehmigung von der erfolgreichen Teilnahme an einem Kolloquium abhängig machen. Das Gleiche gilt, wenn der antragstellende Arzt im Vergleich zu dieser Vereinbarung eine abweichende, aber gleichwertige Befähigung nachweist. Die nachzuweisende persönliche Beurteilung von mindestens 5 000 Fällen der gynäkologischen Exfoliativ-Zytologie kann durch ein Kolloquium nicht ersetzt werden. Die Präparateprüfung nach § 3 Abs. 1 Nr. 3 kann durch eine von der Kassenärztlichen Vereinigung anerkannte Prüfung ersetzt werden. Ärztliche Präparatebefunder können eine abweichende, aber gleichwertige zytologische Befähigung nachweisen. Die nachzuweisende persönliche Beurteilung von mindestens 3 000 Fällen der gynäkologischen Exfoliativ-Zytologie kann dabei nicht ersetzt werden.
(5) Das Nähere zur Durchführung des Genehmigungsverfahrens regelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung in Richtlinien für Verfahren zur Qualitätssicherung nach § 75 Abs. 7 SGB V.

Abschnitt E
Schlussbestimmungen


§ 14
Übergangsregelung
(1) Ärzte, die aufgrund der „Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Abs. 2 SGB V zur Durchführung von zytologischen Untersuchungen zur Diagnostik der Karzinome des weiblichen Genitale“ vom 12. Februar 1992 berechtigt waren, zytologische Untersuchungsverfahren der Cervix uteri in der vertragsärztlichen Versorgung auszuführen und abzurechnen, erhalten eine Genehmigung entsprechend dieser Vereinbarung mit der Auflage, die Voraussetzungen nach § 5 innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten dieser Vereinbarung zu erfüllen.
(2) Die im Zytologie-Labor unter Anleitung und Aufsicht des zytologieverantwortlichen Arztes vor dem Inkrafttreten dieser Vereinbarung tätigen Präparatebefunder müssen innerhalb von zwei Jahren nach Inkrafttreten dieser Vereinbarung eine einjährige ganztägige praktische Tätigkeit oder eine vom Umfang her vergleichbare berufsbegleitende Tätigkeit in einer Laboreinrichtung der Zervix-Zytologie nachweisen. In dieser Zeit müssen mindestens 3 000 Fälle der gynäkologischen Exfoliativ-Zytologie selbstständig vorgemustert worden sein. Die Fortbildungspflicht gemäß § 9 Abs. 2 bleibt hiervon unberührt.


§ 15
Inkrafttreten
(1) Diese Vereinbarung tritt am 1. Oktober 2007 in Kraft. Sie ersetzt die Zytologie-Vereinbarung vom 12. Februar 1992.
(2) Die Verpflichtung zur Dokumentation zur Erstellung der Jahresstatistik gemäß § 8 beginnt am 1. Januar 2008.

Protokollnotiz:
Die Vertragspartner sind sich darüber einig, dass die „Gemeinsamen Erläuterungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Spitzenverbände der Krankenkassen zu Folgen des Vertragsarztrechtsänderungsgesetzes im Hinblick auf vertragliche Qualitätssicherungsregelungen und entsprechende Regelungen in den Richtlinien des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses“ vom 11. Juni 2007 auch auf die vorliegende Vereinbarung anzuwenden sind.


Anlage 1
Präparateprüfung nach § 3 Abs. 1 Nr. 3

1. Die Prüfung nach § 3 Abs. 1 Nr. 3 soll innerhalb von sechs Monaten nach Antragstellung auf Genehmigung stattfinden. Sie wird von der Qualitätssicherungs-Kommission gemäß § 11 durchgeführt.
2. Der teilnehmende Arzt erhält zu Beginn der Prüfung einen von der Qualitätssicherungs-Kommission zusammengestellten Präparatekasten, der 20 zytologische Präparate aus der Routinediagnostik in unterschiedlicher Zusammensetzung enthält, die am eigenen oder auf Wunsch am bereitgestellten Mikroskop zu befunden sind. Die zytologischen Präparate sollen technisch einwandfrei sein und keine unklaren Fälle enthalten (Gruppen III und IV b nach der Münchner Nomenklatur). Der Anteil der positiven Präparate (Gruppen III D, IV a, V) muss in jedem der Prüfkästen 40–60 % der gesamten 20 Prüfpräparate betragen, wobei Präparate aus jeder der genannten Gruppen enthalten sein müssen.
3. Auf dem für die Prüfung vorbereiteten Befundbogen sind folgende Angaben enthalten:
– Name, Geburtsdatum und Anschrift des teilnehmenden Arztes,
– die laufenden Nummern der Präparate,
– das Alter der Patientin, von der das Präparat stammt,
– die Kurzanamnese zum jeweiligen Präparat.
4. Der Prüfungsteilnehmer hat auf dem Befundbogen die zutreffende Gruppe nach der Münchner Nomenklatur (Gruppen I/II, III D, IV a, V) anzugeben.
5. Für die Befundung der 20 Präparate stehen dem Prüfungsteilnehmer maximal vier Stunden zur Verfügung.
6. Die Prüfung ist bestanden, wenn aufgrund der Auswertung des Befundbogens durch die Qualitätssicherungs-Kommission keine falschnegativen Befundungen und nicht mehr als eine falschpositive Befundung erfolgt sind.
Als falschnegativ gelten somit folgende Befundungen:
– Gruppe I/II anstelle der zutreffenden Gruppen III D, IV a oder V,
– Gruppe III D anstelle der zutreffenden Gruppe V.
Als falschpositive Befundungen gelten:
– Gruppen III D, IV a oder V anstelle der zutreffenden Gruppe I/II,
– Gruppe V anstelle der zutreffenden Gruppe III D.
Von der Gesamtzahl der positiven Präparate (Gruppen III D, IVa, oder V) müssen 50 % oder mehr eindeutig der zutreffenden Gruppe zugeordnet werden.
7. Das Ergebnis der Prüfung wird dem teilnehmenden Arzt von der Kassenärztlichen Vereinigung innerhalb von vier Wochen nach dem Prüfungstermin mitgeteilt. Eine Teilnahme an einer erneuten Prüfung ist frühestens drei Monate nach der vorausgegangenen Prüfung möglich.

Anlage 2
Jahresstatistik gemäß § 8 Abs. 2 Nr. 3 (Muster) 4
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