ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2007Psychotherapeutische Kompetenz: Klärung in den eigenen Reihen

EDITORIAL

Psychotherapeutische Kompetenz: Klärung in den eigenen Reihen

PP 6, Ausgabe September 2007, Seite 393

Bühring, Petra

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LNSLNS Was macht einen guten Psychotherapeuten aus? Lässt sich psychotherapeutische Kompetenz definieren? Kommt die Vielfalt psychotherapeutischer Kompetenz innerhalb der Richtlinien-Vorgaben zur Geltung? Wie können Patienten sichergehen, einen passenden und kompetenten Therapeuten zu finden? Bereits diese Aspekte des Themas verdeutlichen, wie schwierig klare Antworten sind. Und dennoch begab sich der 3. Landespsychotherapeutentag der Berliner Kammer mit einer Podiumsdiskussion dazu an die Öffentlichkeit – weil die Auseinandersetzung wichtig ist.
Zu Beginn beschrieb der Psychoanalytiker und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Michael B. Buchholz, Göttingen, die Entwicklungsdynamik psychotherapeutischer Kompetenz. Diese setze sich immer aus epistemisch-wissenschaftlichem Wissen und dem „personal knowledge“ oder auch impliziten Wissen des Therapeuten zusammen. Das eine wirke ohne das andere nicht. Das implizite Wissen wachse mit den Erfahrungen, die einen erfahrenen Professionellen von einem „Novizen“ unterscheiden. Eben wegen dieses „personal knowledge“, das entscheidend einen guten Therapeuten ausmache, lasse sich Psychotherapie aber nur schwer definieren. „Der Versuch, die Psychotherapie zu manualisieren, wird ihr nicht gerecht“, folgerte Buchholz.
Wichtig sei auf jeden Fall eine „einheitliche“ Definition von Kompetenz und keine schulenspezifische, betonte der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), Prof. Dr. Rainer Richter. Mit der Frage der Messbarkeit von Kompetenz müssten sich die Psychotherapeutenkammern auseinandersetzen. Die Definition und die Klärung von Kompetenz sollten unbedingt in den eigenen Reihen betrieben werden, forderte der Berufspolitiker Hans-Jochen Weidhass, unter anderem Vorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung. Er sieht Tendenzen der Krankenkassen, diese Fragen in die Gremien der Selbstverwaltung zu verlagern.
Richter war es zudem wichtig zu betonen, dass die Kompetenz der Therapeuten sich nicht „auf den kleinen Bereich der Richtlinien-Psychotherapie“ reduzieren lassen dürfe. Beizutragen hätten die Psychotherapeuten einiges auch für die Versorgung von chronisch Kranken und zur Prävention von Krankheit. Das Stichwort Richtlinien lenke die Diskussion auf die immer noch unklare sozialrechtliche Anerkennung der Gesprächspsychotherapie. Doch auch darüber hinaus müssten die Richtlinien erweitert werden, forderte Dr. Manfred Thielen, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Körperpsychotherapie. Auch Verfahren und Methoden, wie die systemische Therapie, Körper- und Gestalttherapie, die keine Anerkennung durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) gefunden haben, müssten in die Behandlung integrierbar sein. Im Sinn von „Passungskompetenz“ benötigten beispielsweise Patienten mit Problemen, Gefühle auszudrücken, eher eine körperbezogene Intervention, nichts Kognitives. Die Kompetenz der so behandelnden Therapeuten sei in den Studien, die den Wissenschaftskriterien des WBP entsprechen, nicht abbildbar, kritisierte Thielen.
Die Patientenbeauftragte für Berlin, Karin Stötzner, bemängelte schließlich, dass psychotherapeutische Kompetenz meist wenig transparent sei. Hier gibt es nun einen konkreten Ansatz: Die Kammer Berlin hat ein Service-Telefon eingerichtet, wo Hilfesuchende bei der Suche nach der richtigen Therapie und dem passenden Therapeuten beraten werden. Ob derjenige dann in absehbarer Zeit einen Therapieplatz anbieten kann, ist ein anderes Thema.
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