ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2007Positive Therapie: Ergänzende Ansätze
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LNSLNS Der Beitrag von Frau Dr. Sonnenmoser informiert sehr gut über die beiden „positiven“ Ansätze in der Psychotherapie, wie sie durch Martin Seligman in den USA seit den frühen 1990er-Jahren und Nossrat Peseschkian in Deutschland seit den späten Sechzigern entwickelt wurden. Beiden Ansätzen ist eine positive, das heißt ressourcen-, lösungs- und wachstumsorientierte Perspektive gemeinsam, die in eine ätiologisch begründbare und wissenschaftlich evaluierbare Behandlung mündet. Beide betonen dabei die Bedeutung von „Tugenden“ (bei Peseschkian „Aktualfähigkeiten“), wie Höflichkeit, Gerechtigkeit oder Hoffnung. Einen wichtigen Unterschied sehe ich zunächst in den jeweiligen Traditionen: Peseschkian entwickelte seine Methode aus der psychodynamischen Praxis heraus, die zu jener Zeit leider mitunter defizitorientiert und schwerfällig war. Er hat dabei – seiner Zeit weit voraus – besonders die Bedeutung der (trans-)kulturellen Aspekte eines positiven Menschen-bilds vertreten. Seligmann dagegen begründete seinen Ansatz vor dem Hintergrund einer kognitionspsychologischen Forschungstradition. In ihrem mechanistischen Menschen-bild war auch diese gelegentlich defizitorientiert und nicht immer integrationsfördernd. Ein weiterer Unterschied mag im pragmatischen Zeitgeist der jeweiligen Entstehung liegen: Peseschkian etablierte die Positive Psychotherapie als Therapie-schule mit integriertem Behandlungskonzept und dem Anspruch, tiefenpsychologische, verhaltensorientierte und humanistische Ideen zusammenzuführen. Seligmann dagegen entwickelte die Positive Psychologie als ein offenes Programm für die empirische Psychologie. Auf diese Weise ergänzen sich die beiden Ansätze hervorragend. Weiterhin bietet die gleichzeitige Existenz einer psychodynamisch und einer kognitiv begründeten positiven Psychotherapie einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der größten Spaltung innerhalb der Psychotherapie in den letzten 100 Jahren.
Dipl.-Psych. Christian Henrichs, M. Phil., Psychologischer Psychotherapeut und Vorstandsmitglied des Internationalen Zentrums für Positive Psychotherapie (IZPP), Wiesbaden
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