ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007Suizidprävention: Mehr Aufmerksamkeit für alte Menschen

AKTUELL

Suizidprävention: Mehr Aufmerksamkeit für alte Menschen

Dtsch Arztebl 2007; 104(37): A-2460 / B-2176 / C-2108

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: mauritius images
Foto: mauritius images
Mit dem Alter steigt das Suizidrisiko deutlich an. Besonders betroffen sind ältere Frauen: Jeder zweite Suizid wird von einer über 60-Jährigen verübt. Darauf haben die International Association for Suicide Prevention und die Welt­gesund­heits­organi­sation am Welttag der Suizidprävention am 10. September aufmerksam gemacht. Mit Veranstaltungen an diesem Tag sollte das Thema Suizid enttabuisiert werden. Trotz „enormer Fortschritte in der Prävention“ im Vergleich zu 2001, als der erste Welttag ausgerufen wurde, wirke das Tabu bei vielen suizidgefährdeten alten Menschen fort, betonte Prof. Dr. med. Armin Schmidtke, Vorsitzender des Nationalen Präventionsprogramms. Sie sprächen das Thema weder bei ihrem Arzt an noch nähmen sie Hilfe in Anspruch. Schmidtke vermutet als Gründe für eine Suizidbereitschaft unter anderem die Angst vor unwürdiger Behandlung bei Pflegebedürftigkeit, aber auch den geringen Status, der mit dem Alter in der westlichen Kultur einhergeht. Mehr als 10 000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben. Die Zahl der Suizidversuche wird auf 100 000 geschätzt. Seit Mitte der 80er-Jahre nimmt die Suizidrate insgesamt zwar ab, bei über 60-Jährigen jedoch zu. Sie sterben durch „indirekte selbstdestruktive Handlungen“ oder „Nichtbefolgen ärztlicher Anweisungen“.
Schätzungen zufolge haben 80 Prozent der Suizidenten jedes Alters an einer Depression gelitten. Zu den Risikogruppen zählen außerdem Alkoholiker, Medikamenten- und Drogenabhängige, chronisch körperlich Kranke sowie Schizophrene. Bei Letzteren sind vor allem junge Männer aus höheren sozialen Schichten betroffen. Auch homosexuelle Männer und Frauen haben ein hohes Suizidrisiko, besonders wenn sie aus einer Migrantenfamilie stammen. Besonders auffällig ist die hohe Suizidversuchsrate junger türkischer Frauen. PB
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema