ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007RANDNOTIZ: Würdeloser Wahlkampf

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RANDNOTIZ: Würdeloser Wahlkampf

Dtsch Arztebl 2007; 104(37): A-2461 / B-2177 / C-2109

Schmedt, Michael

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LNSLNS Roger Kusch sorgte schon 2006 als Hamburger Justizsenator mit einem Gesetzentwurf für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe für Aufregung. Jetzt hat er als Kandidat der Partei „HeimatHamburg“ für die Bürgerschaftswahl im Frühjahr 2008 erneut zugeschlagen. Sein zentrales Wahlkampfthema: Sterbehilfe. Und wo kann man solch ein Thema besser präsentieren als auf einem Friedhof – denkt zumindest Kusch. Verfolgt man seinen Wahlkampfspot (siehe www.youtube.com) noch mit Kopfschütteln und fühlt sich eher an eine Satire erinnert, wenn Kusch zunächst vom Ohlsdorfer Friedhof als den schönsten Friedhof der Welt und zudem als einen der schönsten Plätze Hamburgs spricht, so ruft die Lektüre verschiedener Medienberichte Sprachlosigkeit hervor: Der Exjustizsenator hat kürzlich in einer Seniorenresidenz nicht nur seine Thesen zur Sterbehilfe zum Besten gegeben, sondern gleich auch die Lösung präsentiert: den Injektionsautomaten. Der Sterbewillige wird intravenös mit einer Spritze verbunden, die auf Knopfdruck eine tödliche Flüssigkeit injiziert. Völlig legal, wie Kusch meint. Seine Argumentation: Der Sterbewillige drücke selbst den Knopf, das Mittel sei legal erhältlich, eine unterlassene Hilfeleistung sei den Begleitern nicht vorzuwerfen, da der Tod zu schnell eintrete. Nachzulesen sind Kuschs Schlussfolgerungen in der Augustausgabe der Neuen Zeitschrift für Strafrecht im Aufsatz „In Würde sterben – nur im Ausland?“. Wo die Würde allerdings bleibt, wenn man den Einsatz eines Geräts propagiert, das auch ohne viel Fantasie an die Hinrichtung von Todeskandidaten mit der Giftspritze erinnert, weiß wohl nur Kusch – die Menschenwürde bleibt in jedem Fall auf der Strecke.
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