ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007Arzneimittel: Off label use – bei Licht betrachtet
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Das US-Fachmagazin Science würdigte das Medikament Lucentis mit dem Wirkstoff Ranibizumab als herausragende Innovation, und in ophthalmologischen Fachkreisen wird die Bedeutung des Arzneimittels mit der von Penicillin in der Infektologie verglichen. Dennoch herrscht seit der Zulassung von Lucentis am 24. Januar 2007 aufgrund des Off label use ein unzumutbarer Zustand für Ärzte und Patienten. Bei Avastin, dem im Off label use eingesetzten Präparat gegen Darmkrebs, fehlen klinische Studien zu Wirkungen und Nebenwirkungen bei einem Einsatz am Auge. Solange das System den Off label use favorisiert, tragen Arzt und Patient das Risiko. Patienten werden einem unnötigen Risiko ausgesetzt, und die Ärzte sind zivil- und strafrechtlich in der Haftung. Das Argument der Lucentis-Gegner – systemwirtschaftlich begründete Sparmaßnahmen auf Kosten von Ärzten und Patienten – halte ich weder für volkswirtschaftlich noch ethisch überzeugend. Die Konfliktlinie: Versorgungsqualität, Therapiefreiheit und die Sicherheit von Ärzten und Patienten werden von den Befürwortern eines Off label use aus Kostengründen (im Gegensatz zum aus medizinischen Gründen gebotenen Off label use) für meinen Geschmack zu leichtfertig in die Waagschale geworfen. Machen wir uns nichts vor: Blindheit kommt das System teuer zu stehen. Kurzfristig gedachte Kostendeckelungen stellen auf lange Sicht keine befriedigende Lösung dar. Ärzten und Patienten den Zugang zu einer nachweislich hochwertigen Innovation zu verwehren, ist in diesem Zusammenhang eine Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Ich bin überzeugt davon, dass die Zukunft der Gesundheit in Deutschland auch weiterhin auf einer vernünftigen Partnerschaft zwischen praktizierenden Medizinern und forschenden Unternehmen beruhen wird. Nur gemeinsam können wir Wege zu einem zukunftsfähigen, qualitätsorientierten, bezahlbaren Gesundheitssystem finden. Ich halte diesen kooperativen Ansatz im Jahr 2007 für lohnender, als im Teufelskreis eines Schlagabtauschs zu verharren, bei dem wir Pharmaunternehmen unter dem Generalverdacht der Profitgier stehen und für alle Spielarten wirtschaftsfeindlichen Diskurses herhalten müssen. Nehmen wir uns ein Beispiel an Ländern wie der Schweiz oder Frankreich, wo ein entspanntes Verhältnis das Miteinander prägt – zum Wohl aller Beteiligten. Angesichts der aktuellen Herausforderungen trägt Novartis gern dazu bei, Licht ins Dunkel perspektivischer Fragestellungen zum Gesundheitssystem zu bringen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Der Kommentar zu Lucentis leistet hier den falschen Beitrag. Wir möchten mit Lucentis helfen, das Augenlicht vieler Menschen zu erhalten – und mit neuen Konzepten für mehr Klarheit und Weitsicht im Gesundheitssystem sorgen. Novartis ist darüber hinaus in der Augenheilkunde aktiv. Wir forschen als eines der wenigen großen pharmazeutischen Unternehmen in der Ophthalmologie. Damit für möglichst viele Patienten die bestmögliche Versorgungsqualität langfristig gesichert bleibt, brauchen wir hierfür auch die richtigen Rahmenbedingungen.
Dr. Peter Maag,
Vorsitzender der Geschäftsführung
der Novartis Pharma GmbH,
Roonstraße 25, 90429 Nürnberg
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