ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1997Krankenversichertenkarte: Bergmann-Pohl für besseren Informationsfluß

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Krankenversichertenkarte: Bergmann-Pohl für besseren Informationsfluß

Dtsch Arztebl 1997; 94(13): A-816 / B-676 / C-632

Wübben, Josy

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LNSLNS Die Ende 1994 flächendeckend eingeführte Krankenversichertenkarte hat sich nach Auffassung der Bundesregierung bewährt. Die Gefahr des Mißbrauchs der Karte werde allgemein überschätzt. Ein Manko sieht die Bundesregierung jedoch in dem mangelhaften Informationsaustausch zwischen Haus- und Fachärzten.


Für einen Mißbrauch der Krankenversichertenkarte in größerem Umfang gebe es nach bisherigen Erkenntnissen der Krankenkassen keine Belege. Dies erklärte Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, auf eine Anfrage des Abgeordneten Hans-Joachim Fuchtel (CDU/ CSU). Fuchtel wollte wissen, ob sich die Krankenversichertenkarte bewährt habe.
Dr. Bergmann-Pohl führte aus, daß die Chipkarte die Verwaltung vereinfache und die grundlegende Voraussetzung für den elektronischen Datenträgeraustausch in der Kran­ken­ver­siche­rung geschaffen habe. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium sehe allerdings noch Verbesserungsmöglichkeiten innerhalb des Chipkartensystems. Leichte Defizite lägen bei der Aus- und Rückgabe der Karte, in den meisten Fällen bedingt durch Kassenwechsel der Versicherten. Auch die Ersetzung verlorener Chipkarten könne man effizienter gestalten. Nach Auffassung der Parlamentarischen Staatssekretärin nehmen die Versicherten mit der Karte ärztliche Hilfe anders in Anspruch als früher mit dem Krankenschein: sie konsultierten Fachärzte nicht mehr überwiegend nach einer Überweisung vom Hausarzt, sondern auf direktem Weg. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung und das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen untersuchten die Direktinanspruchnahme von Fachärzten nach der Einführung der Krankenversichertenkarte in ausgewählten Gebieten und kamen zum gleichen Ergebnis. In Wiesbaden beispielsweise stieg die Zahl der Facharztbesuche ohne Überweisung um sechs Prozentpunkte.
Die Entwicklung bewertete Dr. Bergmann-Pohl generell nicht negativ. Ohne den Umweg einer Überweisung zum Beispiel Augenärzte oder Gynäkologen aufzusuchen sei in den meisten Fällen unproblematisch. Jedoch falle bei einigen Patienten ohne Überweisung ein wichtiger Informationsaustausch zwischen Haus- und Facharzt weg. Daher gelte es nun, den Informationsfluß zwischen beiden unabhängig von Überweisungen zu garantieren. Die gemeinsame Selbstverwaltung der Vertragsärzte und Krankenkassen stehe in der Verantwortung, angemessene vertragliche Vereinbarungen zu treffen.
Dr. Bergmann-Pohl wies darauf hin, daß die Zahl der ärztlichen Behandlungen insgesamt durch die Einführung der Krankenversichertenkarte nicht gestiegen sei. Josy Wübben

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