ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007Krankenhäuser: Moderne Medizinfabriken
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Infolge von Wettbewerb, Renditeerwartungen und Sparvorgaben der Politik kommt einer Senkung des wichtigsten Kostenfaktors im Gesundheitswesen, dem Personal, hohe Priorität zu. Vor diesem Hintergrund werden auch ärztliche Arbeitsabläufe und Tätigkeitsprofile einer kritischen Prüfung unterzogen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Zur Optimierung werden in zunehmendem Maß Strukturen und Prozesse aus der Industrie in die Kliniken übertragen, die Patientenversorgung quasi „industrialisiert“. Der Patient als Kunde, Behandlungsverfahren als Produkte, jeder Diagnostik- und Therapieschritt evidenzbasiert, schematisiert und standardisiert, Abläufe straff organisiert, möglichst zentralisiert, hohe Leistungsdichte, alles perfekt dokumentiert sowie optimal codiert und fakturiert . . . Wie aber sind die Auswirkungen auf die Leistungserbringer? Dieser Frage soll sich die aktuelle berufspolitische Diskussion intensiver widmen. Ein mögliches Modell sieht für die modernen Medizinfabriken neue Arztprofile vor mit mehr administrativem bzw. betriebswirtschaftlichem Profil, welche den spezialisierten (und teuren) eigentlichen Behandlern zur Seite gestellt werden. Inwiefern das sinnvoll und umsetzbar ist, sei einmal dahingestellt . . . Aus meiner Sicht ist jedoch das eingangs geschilderte neue Bild der klinischen Versorgung ein Aspekt, warum sich junge Ärztinnen und Ärzte aus der kurativen Medizin zurückziehen und in alternative Berufsfelder wechseln . . . Viel wichtiger aber noch ist die Frage: Will das der Kunde? Wollen unsere Patienten von emotionslosen, mit jedem Wort sparenden, auf Erlösmaximierung bedachten „Humaningenieuren“ behandelt werden, Aufnahmestatus und Entlassungsgespräch vielleicht durch den „Humanbetriebswirt“? Wahrscheinlich nicht. Krankheit ist in hohem Maße individuell und ihr sollte individuell begegnet werden. Dabei erwartet der Patient beides in einer Person: hohe Fachkompetenz und eine angemessene Kommunikation . . . Auch wenn die heutigen ökonomischen Rahmenbedingungen nachdrücklich eine wirtschaftliche Denk- und Arbeitsweise einfordern, sollten wir den seinerzeit von Ferdinand Sauerbruch formulierten Anspruch nicht komplett aufgeben: „Die Medizin ist eine Naturwissenschaft; aber das Arzttum ist keine Naturwissenschaft, sondern das Arzttum ist das Letzte und Schönste und Größte an den Beziehungen von Mensch zu Mensch.“ Unsere Kunden werden es uns danken.
Priv.-Doz. Dr. med. Frank Kroschinsky,
Pennricher Feldrain 28, 01156 Dresden
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