ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007Mortalität von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion – Ergebnisse einer Kohortenstudie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Mortalität von Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion – Ergebnisse einer Kohortenstudie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(37): A-2511 / B-2219 / C-2151

Becher, Heiko

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LNSLNS Wir bedanken uns bei Herrn Dr. Jürgen Kornischka und Herrn PD Dr. Marcus W. Agelink für ihre positiven Kommentare und den Hinweisen zu ihren psychiatrischen Arbeiten zu der Thematik. Wir hoffen, in den nächsten Jahren weiter zu der Erklärung der überraschenden Befunde zu Herz-Kreislauf-Krankheiten beitragen zu können.
Die Kritik von Herrn Dr. Herzfeld ist nicht zutreffend und basiert auf einem Missverständnis bei der Analyse epidemiologischer Kohortenstudien. In der Tat sind die Aussiedler, die wir untersucht haben, im Durchschnitt jünger als die deutsche Bevölkerung. Dies wird aber selbstverständlich bei der Analyse berücksichtigt. Das in der Tabelle 3 des Artikels angegebene SMR (standardisiertes Mortalitätsverhältnis) ist eine übliche Maßzahl in der Epidemiologie, bei der die Anzahl der beobachteten Todesfälle einer Krankheit (nehmen wir als Beispiel Magenkrebs, also bei Männern 26) durch die Anzahl geteilt wird, die man in dieser Kohorte erwarten würde, wenn die alterspezifische Mortalitätsrate für diese Todesursache dieselbe wären wie in der deutschen Bevölkerung. Man kann es sich so vorstellen, dass man eine gleich große Stichprobe aus der deutschen Bevölkerung, welche die gleiche (!) Altersverteilung hat wie die Aussiedlerkohorte, für einen gleich langen Zeitraum beobachtet. Wenn man das täte, würde man im Mittel nur 18,5 männliche Magenkrebstodesfälle erwarten. Das SMR für Magenkrebs ist damit 26/18,5 = 1,41.
Die erwähnte erhöhte Rate der Helicobacter-pylori- Infektionen bei Aussiedlern ist vermutlich einer der Gründe für die erhöhte Mortalität bei diesem Tumor. Ernährungsfaktoren kommen wahrscheinlich hinzu.
Aus Platzgründen sind in Tabelle 3 beziehungsweise im Text nicht alle möglichen Todesursachen diskutiert und aufgeführt. Insgesamt wurden 940 Todesfälle bei Männern und 865 bei Frauen beobachtet. Der Rest der nicht näher betrachteten Todesfälle teilt sich unter allen anderen Todesursachen auf, darunter auch die erwähnten Krankheiten gastrointestinale Blutung (K92.2), Magenulkusperforation (K25.5) und akute Pankreatitis (K85). Hier beobachteten wir 7, 1, und 4 Todesfälle.
Einig sind wir uns mit allen Leserbriefschreibern, dass weiterhin ein großer Bedarf nach neuen Studien besteht, um Höhe und Muster der Mortalität unter den 4,1 Millionen Aussiedlern und Spätaussiedlern, die seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind, noch genauer aufzuklären.

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. rer. nat. Heiko Becher
Universitätsklinikum Heidelberg
Sektion Epidemiologie und Biostatistik
Im Neuenheimer Feld 324
69120 Heidelberg
E-Mail: heiko.becher@urz.uni-heidelberg.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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