ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007Tahiti: Die Suche nach dem Paradies

KULTUR

Tahiti: Die Suche nach dem Paradies

Dtsch Arztebl 2007; 104(37): A-2526 / B-2234 / C-2166

Heubeck, Rainer

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Foto: Tahiti tourism
Foto: Tahiti tourism
Auf den Spuren Paul Gauguins

Bevor der französische Maler Paul Gauguin seine erste Reise nach Tahiti antrat, hatte er einen Traum: Ein unbeachtetes Paradies in der Südsee wollte er finden, dessen glückliche Bewohner vom Leben nichts anderes kennen als seine Süße. „Für sie heißt leben singen und lieben“ – schrieb Paul Gauguin Ende 1890. „Dort auf Tahiti könnte ich in der Stille der schönen tropischen Nächte, den sanft rauschenden Klängen in meinem Inneren lauschen, den Regungen meines Herzens folgen . . . Endlich frei, ohne Sorgen um das Geld, würde ich alsdann lieben, singen und sterben“, schwärmte der Maler in einem Brief an seine Frau Mette. Erst Monate später – kurz nach seinem 44. Geburtstag – sollte Paul Gauguin die sagenumwobene französische Kolonie im Pazifik erreichen. Seine Enttäuschung war groß: „Nur noch Zivilisierte, leider! – Soldateska, Geschäftemacherei und Beamtenwirtschaft. Tiefe Trauer überkam mich. Einen so langen Weg zurückgelegt zu haben, um nun dies anzutreffen, gerade das, wovor ich geflohen war! Der Traum, der mich nach Tahiti führte, wurde durch die Gegenwart grausam Lügen gestraft.“
Paul Gauguin – Selbstbildnis. Foto: picture-alliance/AKG-images
Paul Gauguin – Selbstbildnis.
Foto: picture-alliance/AKG-images
Paul Gauguin, der davon träumte, wie ein „Wilder“ zu leben, war von der Kolonialstadt Papeete erst einmal geschockt – und vielen Besuchern, die heute nach Tahiti reisen, geht es nicht anders. Eine gepflegte Geschäftsstadt mit Luxusboutiquen an der Hafenpromenade, mit akkurat gesäuberten Grünflächen, Verkehrsstaus und Telefonzellen im französischen Stil. Obwohl Papeete nur 80 000 Einwohner hat, ist die Stadt doch so etwas wie ein Zentrum der Südsee – schließlich ist die Hauptstadt Französisch-Polynesiens die bedeutendste Menschenansammlung zwischen Australien und Südamerika. Eine weitere Enttäuschung waren für Gauguin, der sich vorgestellt hatte, in Tahiti seine ständigen Geldsorgen hinter sich zu lassen, die hohen Preise. Das Entsetzen darüber lässt sich auch heute gut nachvollziehen. Verglichen mit anderen Südseeinseln ist Französisch-Polynesien, das seinen Staatshaushalt vor allem durch Zuwendungen aus Frankreich und indirekte Steuern finanziert, ein hochpreisiges Urlaubsziel.
Dennoch: So wie Paul Gauguin trotz Armut und Krankheit nur wenige Kilometer außerhalb Papeetes ein zeitweiliges Glück gefunden hat, lassen sich auf Tahiti oder auf der weniger stark besiedelten Nachbarinsel Huahine Orte finden, an denen man das Getriebe der Hauptstadt hinter sich lässt. Seit einigen Jahren fördert die Regierung zudem den Bau kleiner Bungalowanlagen. Das „Small Lodging“ ist gefragt – denn mit rund 50 Euro pro Person und Nacht sind diese Unterkünfte ein echtes Schnäppchen. Wer sich dann noch einen Leihwagen nimmt, kann sich aufmachen, um den Spuren Paul Gauguins zu folgen. Die Insel selbst ist rund 1 000 Quadratkilometer groß. Auf der etwa 140 Kilometer langen Uferstraße ist sie an einem Tag leicht zu umrunden.
Besonders lohnenswert: ein Ausflug ins Inselinnere, das auch Gauguin einst besucht hat. „Zwischen den beiden Wänden, die mir von unten erstaunlich hoch und oben sehr nah aneinander schienen, war die Sonne am hellen Tage kaum sichtbar“, beschrieb Gauguin eine seiner Wanderungen. Heute gilt vor allem das Papenootal als Eldorado für Wanderer und Liebhaber von Jeepsafaris. Die Berge auf Tahiti sind zum Teil über 2 000 Meter hoch und dicht bewachsen – Dschungel und Wildnis pur. Wer sich einen Führer nimmt und dem wildromantischen Papenootal mit seinen imposanten Wasserfällen folgt, kann die Insel in zwei Tagen in Ost-West-Richtung durchwandern. Ein Bergabenteuer, mit dem man in der Südsee nicht unbedingt rechnet.
Umtriebig, gepflegt und teuer – Papeete gilt trotz seiner nur 80 000 Einwohner als Zentrum der Südsee. Foto: picture-alliance/HB Verlag
Umtriebig, gepflegt und teuer – Papeete gilt trotz seiner nur 80 000 Einwohner als Zentrum der Südsee.
Foto: picture-alliance/HB Verlag
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Doch es geht auch beschaulicher. In Papeari, an der Westküste der Insel, findet man ein Museum mit zahlreichen Reproduktionen von Gauguins Werken. Sein wichtigstes Motiv: die Anmut der Südseebewohner. „Der Markt braucht neue Motive“, schrieb er einst. Doch sein Faible für die Gesichter der Insulaner war nicht wirtschaftliches Kalkül, sondern echte Begeisterung. Eine Bewunderung, die sich allerdings erst allmählich einstellte. Als Paul Gauguin Maraü, die Frau des Königs Pomare V., zum ersten Mal sah, war sie für ihn nichts als eine „gewöhnliche dicke Frau“. Später schwärmte Gauguin von der majestätisch, prachtvollen Gestalt der Südseeinsulanerin, „groß und doch anmutig, die Arme wie die Säulen eines Tempels“.
Gauguins wichtigstes Thema: Die Anmut der Südseebewohner. Foto: picture-alliance/AKG-Images
Gauguins wichtigstes Thema: Die Anmut der Südseebewohner.
Foto: picture-alliance/AKG-Images
Originale von Gauguins Bildern freilich findet man kaum auf Tahiti – sie sind in Museen in Deutschland, Frankreich, Russland und Amerika zu bewundern. Allerdings: Auf einem Hügel am Stadtrand von Papeete gibt es ein Atelier mit originalgetreuen Kopien seiner wichtigsten Werke. Der Initiator des Projekts heißt Marcelo Tai-Gauguin, ist 57 Jahre alt und einer der Enkel des im Jahr 1903 – im Alter von 55 Jahren – auf den Marquesas verstorbenen französischen Malers. Marcel Tai-Gauguin war viele Jahre erfolgreicher Bauunternehmer, doch vor drei Jahren hat er angefangen, sich mit der Malerei zu beschäftigen. „Ich bin sicher, dass Gott mir das Talent und die Gabe meines Großvater geschenkt hat“, sagt er. Zeigen will er seine eigenen Bilder freilich noch nicht. Stattdessen geht er mit den Reproduktionen – die meisten stammen vom Maler Claude-Charles Farina – auf Tour. In Chicago hat er bereits über die Werke seines Großvaters verhandelt, im österreichischen Graz bereits einige Bilder ausgestellt. Die mehr als 70 Gemälde, die Marcelo in seinem Atelier präsentiert, sind zwar allesamt Kopien – doch der 57-Jährige beteuert, dass der Geist seines Großvaters an allen Bildern mitgewirkt habe – was von einem Eingeweihten und wahren Kunstexperten auch erkannt werden könne. Aus diesem Grund, davon ist Marcelo überzeugt, würden die Kopien in den nächsten Jahren enorm an Wert gewinnen – und das sei nur gerecht. Schließlich sei sein Großvater als armer Mann gestorben, und auch seine Nachkommen hätten von den Früchten des Werks bisher nicht profitiert.
Für den traurigen und ernsthaften Gesichtszug vieler der porträtierten Frauen – für Gauguin einst ein typischer Ausdruck für das Geheimnisvolle der polynesischen Menschen – hat Marcel Tai-Gauguin eine soziologische Erklärung: In der Zeit seines Großvaters waren die Menschen ernsthafter, sie gingen regelmäßig zur Kirche. Die heutige tahitianische Gesellschaft ist aus Marcelos Sicht vor allem eine Spaß- und Partygesellschaft. „Zu der Zeit gab es weniger zu lachen, weniger lachende Gesichter, deshalb sind es meist ernste und traurige Bilder.“
Rainer Heubeck


Informationen
Anbieter: Eine 16-tägige 3-Insel-Reise nach Französisch-Polynesien, die Aufenthalte auf den Inseln Tahiti, Bora Bora und Moorea umfasst, wobei jeweils in preisgünstigen Pensionen übernachtet wird, ist bei L’Evasion Tours im Angebot (Oskar-Pletsch-Straße 7+8, 01324 Dresden, Telefon: 03 51/8 48 08 46, Fax: 03 51/8 99 61 00, E-Mail: l-evasion-tours@t-online.de, Internet: www.tahiti-evasion.de).
Bei Benecke’s Reisewelt (Dorfstraße 19, 38486 Poppau, Telefon: 03 90 00/5 10 00, Fax: 03 90 00/5 10 01, E-Mail: info@beneckes-reisewelt.de, Internet: www.beneckes-reisewelt.de) gibt es einen 8-Tage-7-Nächte-Aufenthalt in Luxushotels auf Tahiti und zwei Nachbarinseln.
Eine gute Auswahl an individuell kombinierbaren Petite Hotels in Französisch-Polynesien bietet auch Karawane Reisen GmbH, Schorndorferstraße 149, 71638 Ludwigsburg, Telefon: 0 71 41/ 2 84 80, Fax: 0 71 41/28 48 55, E-Mail: info@karawane.de, Internet: www.karawane.de.
Auskunft: Tahiti Tourisme, c/o TravelMarketing Romberg TMR GmbH, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann/Düsseldorf, Telefon: 0 21 04/ 28 67 25, Fax: 0 21 04/91 26 73, E-Mail: tahiti@travelmarketing.de, Internet: www.tahiti tourisme.de.

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