ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007Epilepsietherapie bei Älteren: Der Stellenwert von Valproat

PHARMA

Epilepsietherapie bei Älteren: Der Stellenwert von Valproat

Dtsch Arztebl 2007; 104(37): A-2530

Schmidt, Dieter; Krämer, Günter; Elger, Christian E.

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LNSLNS Valproat kann in der Behandlung von Altersepilepsie häufiger eingesetzt werden.

Bislang wird bei der Behandlung von Epilepsien bei über 60-Jährigen (Altersepilepsien) in den deutschsprachigen Ländern trotz einer Reihe von Nachteilen Carbamazepin (CBZ) am häufigsten eingesetzt. Die neueren Antiepileptika Gabapentin (GBP) und Lamotrigin (LTG) haben sich in kontrollierten randomisierten Studien bei Altersepilepsien zwar als vorteilhaft erwiesen (ILAE Guidelines, Epilepsia 2006; 47: 1094–120), beide Medikamente werden aber eher zurückhaltend eingesetzt. Das Antiepileptikum Valproat (VPA) bietet gerade bei älteren Patienten Vorteile und ist zudem preisgünstig.
Pharmakologisch sind vor allem die fehlende Enzyminduktion (im Gegensatz zu CBZ), klinisch das breite Wirkungsspektrum gegen alle Anfallsformen beziehungsweise alle Epilepsie-Syndrome (im Gegensatz zu CBZ und GBP) sowie die Verfügbarkeit einer parenteralen Zubereitung (im Gegensatz zu CBZ, GBP und LTG) vorteilhaft. Weiterhin besteht im Vergleich zu LTG die Möglichkeit einer deutlich rascheren Aufdosierung. Die bekannten Probleme mit VPA bei der Behandlung jüngerer Patienten sind nicht beschrieben (zum Beispiel Hepatotoxizität) oder nur selten relevant (Gewichtszunahme). Die Möglichkeiten einer Enzephalopathie oder medikamentöser Interaktionen aufgrund einer Enzymhemmung müssen beachtet werden.
Daten der Evidenzklassen III
und IV sowie die klinische Erfahrung der Autoren sprechen aber dafür, dass VPA in der Behandlung von Altersepilepsien häufiger eingesetzt werden kann (Elger et al.: Aktuelle Neurologie 2006; 33: 453–7, Kasten). Wir empfehlen, retardiertes Valproat mit einer initialen Zieldosis von 500 bis 600 mg pro Tag sowie eine mittlere Tagesdosis von 1 000 bis 1 200 mg, verteilt auf zwei Einzeldosen. Auf zentralnervöse Nebenwirkungen muss geachtet werden.

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Dieter Schmidt
Arbeitsgruppe Epilepsieforschung
Goethestraße 5, 14163 Berlin
E-Mail: dbschmidt@t-online.de

Mitautoren
Dr. med. Günter Krämer, 8008 Zürich
Prof. Dr. med. Christian E. Elger, 53105 Bonn


Vor- und Nachteile von Valproat

Vorteile
- breites Wirkungsspektrum gegen alle Anfallsformen/bei allen Epilepsie-Syndromen
- keine Enzyminduktion
- rasches Aufdosieren möglich
- selten Sedierung oder Exantheme
- parenterale Gabe mit Zulassung zur Statustherapie
- langjährige Erfahrung
- niedrige Therapiekosten


Nachteile
- keine aussagekräftigen Studien zu Epilepsien im höheren Lebensalter verfügbar
- Nebenwirkungen:
Tremor und andere Bewegungsstörungen (inklusive reversibles Parkinson-Syndrom); Enzephalopathie*; Osteoporose beziehungsweise Störung des Knochenstoffwechsels**; Beeinflussung der Thrombozytenfunktion und Koagulation
- medikamentöse Interaktionen aufgrund einer Hemmung hepatischer Enzyme oder Verdrängung aus der Eiweißbindung

* seltene Komplikation mit Anfallszunahme und EEG-Veränderungen, insbesondere bei rascher Auftitrierung
** keine spezifischen Studien für das höhere Lebensalter (speziell Männer)
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