ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2007Unentdeckte Pulverfässer
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LNSLNS Während die Subprime-Krise als Vorzeigethema mittlerweile die Partys erreicht hat – was ja auch kein Wunder ist –, musste doch jeder zweite Anleger in irgendeiner Form Federn lassen und der Steuerbürger sowieso. Weil nur mit öffentlich-rechtlicher Hilfe die Pleite der Industriekreditbank (IKB) verhindert wurde, hat gleichwohl kaum einer einen Verdacht auf die Existenz weiterer Brandherde. Ein Ärgernis, denken sich vermutlich viele, muss schließlich ausreichen.
Derlei Sorglosigkeit könnte sich aber als durchaus gefährlich entpuppen. Es gibt sehr wohl genügend Produkte, deren Fallstricke dem Investor am Ende noch immensen Schaden bereiten könnten.
Dazu zähle ich ganz zweifellos sogenannte Carry Trades mit einer ganz gewaltigen systemimmanenten Implosionsgefahr. In Carry Trades, das sollten sich alle Mitspieler klarmachen, wird ein ziemlich großes Rad gedreht. Vorsichtige Schätzungen gehen von mindestens hundert Milliarden US-Dollar aus, Insider sprechen aber von gut einer Billion US-Dollar, die durch die Gegend getradet werden.
Das Prinzip klingt einfach und ist daher auch so verführerisch: Investoren verschulden sich in einer Währung mit niedrigen Zinsen, am besten in Bodennähe, und legen das Geld in einer anderen Währung an, die deutlich höhere Renditen bietet. Das funktioniert etwa seit Jahren mit dem japanischen Yen. Kredite werden in dieser Valuta zu lächerlich geringen Zinsen aufgenommen und dann beispielsweise im britischen Pfund angelegt, oder die Yen-Kredite werden für günstige Aktienengagements genutzt.
Das geht aber nur so lange gut, wie keine plötzliche Leitzinserhöhung bei der Kreditwährung die Ernte verhagelt oder fallende Aktienkurse zur unvermeidlichen Zwangsliquidation von Vermögenswerten führen. Wenn aber dann alle gleichzeitig durch eine Tür wollen, bricht leicht Panik aus. Mir scheint dies beim japanischen Yen in Bälde und ohne große Vorwarnung möglich zu sein.
Die andere Lunte hat sich die Zertifikate-Branche selbst gelegt. Auch hier hat ein sagenhaftes Wachstum dazu geführt, immer wildere Produkte aufzulegen. Mittlerweile lässt sich auch der größte Unsinn verbriefen: Wetten auf steigende oder fallende Ölpreise, auf das Wirtschaftswachstum in Dubai, auf die brasilianische Inflation, auf malaysische Zinkpreise und weiß der Teufel noch alles, die Fantasie ist unerschöpflich. Schade nur, dass die Gebühren dieser Konstruktion allemal nicht transparent sind.
A propos Subprime-Krise. Sollte es mal eine Bank wirklich noch erwischen, dann sind Zertifikate dieses Hauses im Konkursfall absolut wertlos, da sie nicht der Einlagensicherung unterliegen. So schließt sich dann der böse Kreis.
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