ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2007Psychotherapeuten: Verbot verdeckter Ermittlungen gefordert

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Psychotherapeuten: Verbot verdeckter Ermittlungen gefordert

Dtsch Arztebl 2007; 104(38): A-2542 / B-2250 / C-2182

Bühring, Petra

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Gespräche zwischen Therapeut und Patient gehören zum Kernbereich privater Lebensführung. Foto: picture-alliance/Godong
Gespräche zwischen Therapeut und Patient gehören zum Kernbereich privater Lebensführung. Foto: picture-alliance/Godong
Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) fordert ein Verbot verdeckter Ermittlungen in psychotherapeutischen Praxen. Der Gesetzentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung sieht vor, auch Gespräche zwischen Psychotherapeuten und Patienten abhören zu können. „Das ist ein massiver Eingriff in den Kernbereich der privaten Lebensführung“, erklärte BPtK-Präsident Prof. Dr. Rainer Richter. Das heimliche Mithören psychotherapeutischer Gespräche gefährde zudem den Erfolg der Behandlung. „Ohne das unbedingte Vertrauen in den Schutz der Privatsphäre ist eine Heilbehandlung nicht möglich“, betont Richter.
Die BPtK verlangt deshalb, die Arbeit von Psychotherapeuten vor verdeckten Ermittlungen genauso zu schützen wie die von Seelsorgern, Verteidigern und Abgeordneten, deren Gespräche auch in Zukunft nicht abgehört werden dürfen. Gespräche zwischen Therapeut und Patienten gehörten zum Kernbereich privater Lebensführung, die nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts auch bei der Verfolgung von schweren Straftaten geschützt werden müsse. Das Bundesverfassungsgericht zählte zu diesem Kernbereich Gespräche mit Verteidigern und im Einzelfall auch Gespräche mit Ärzten. Ein Gespräch über einen Schnupfen sei danach nicht unbedingt schutzwürdig, ein psychiatrisches Therapiegespräch könne dagegen schon zum Kernbereich privater Lebensführung gezählt werden, erläuterte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in dem Artikel „Balance zwischen Strafverfolgung und Grundrechtsschutz“ im Deutschen Ärzteblatt (Heft 33/2007). PB
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