ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2007Dieselabgase: Akute Auswirkungen auf das Herz

AKTUELL: Akut

Dieselabgase: Akute Auswirkungen auf das Herz

Dtsch Arztebl 2007; 104(38): A-2542 / B-2250 / C-2182

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Das Einatmen von Feinstaub aus Dieselabgasen verstärkt bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) die Ischämiezeichen im Belastungs-EKG und erhöht die Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Diese Befunde einer randomisierten kontrollierten Studie (NEJM 2007; 357: 1075–82), welche die British Heart Foundation bei Forschern aus Edinburg (Schottland) und Umeå (Schweden) in Auftrag gegeben hatte, erklären plausibel, warum an Tagen oder in Gegenden mit hoher Schadstoffbelastung die Zahl der Herzinfarkte erhöht ist.
20 Männer mit bekannter KHK, die in den vorausgegangenen sechs Monaten einen Herzinfarkt erlitten hatten, wurden zu einem Belastungs-EKG eingeladen. Dabei wurde genau darauf geachtet, dass die Männer zum Zeitpunkt der Experimente nicht an Angina pectoris, Diabetes mellitus Typ II, unkontrollierter Hypertonie oder schweren Organerkrankungen litten, was zu einer Gefährdung bei den Versuchen hätte führen können. Die Experimente fanden in einer Expositionskammer der Universität Umeå statt, in die Abgase eines Dieselmotors im Leerlauf abgeleitet wurden.
Deutliche ST-Strecken-Senkung
Damit die Bedingungen lebensecht waren, wurde ein handelsüblicher Automotor verwendet (Volvo TD45, 4,5 Liter, vier Zylinder, 680 rpm), dessen Abgase (gemischt mit frischer Luft) in der Kammer eine Feinstaubkonzentration von 300 µg pro Kubikmeter erzeugten, wie sie auch in Straßennähe in Großstädten regelmäßig erreicht wird. In einem Kontrollexperiment atmeten die Teilnehmer gefilterte Luft ein. Sie radelten zweimal eine Viertelstunde, danach gab es eine gleich lange Ruhepause. Während der Belastung stieg in beiden Gruppen die Herzfrequenz in gleichem Maß an. Doch die ST-Strecken-Senkung, das klassische Ischämiezeichen im Belastungs-EKG, war beim Einatmen der Dieselabgase deutlich erhöht. Hinzu kam, dass die Konzentration des Gewebsplasminogenaktivators (t-PA) – ein etabliertes Medikament zur Behandlung eines Herzinfarkts – in der Arteria brachialis herabgesetzt war. Keiner der Teilnehmer erlitt einen Infarkt.
Nicholas Mill (Edinburg) ist sich sicher, dass Dieselabgase schädlicher sind als Benzinabgase. Der Feinstaubgehalt liege zehn- bis 100-fach höher. Ob Feinstaubfilter die Gefährdung herabsetzten, müsse in weiteren Studien untersucht werden. Wenn sie aber wirklich die Belastung mit Feinstaub herabsetzten, könnten sie von größter Bedeutung für die öffentliche Gesundheit sein, vermutet Mills. Rüdiger Meyer
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