ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2007Forum Gesundheitsziele.de: Aktivitäten noch steigerungsfähig

POLITIK

Forum Gesundheitsziele.de: Aktivitäten noch steigerungsfähig

Dtsch Arztebl 2007; 104(38): A-2552 / B-2257 / C-2189

Bühring, Petra

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Ulla Schmidt: „Zielvorgaben sind heute, auch dank der Gesundheitsziele, ein wichtiges Thema.“ Foto: Redaktion Baganz
Ulla Schmidt: „Zielvorgaben sind heute, auch dank der Gesundheitsziele, ein wichtiges Thema.“ Foto: Redaktion Baganz
Vor knapp sieben Jahren wurde das Forum Gesundheitsziele.de als zusätzliches Steuerungsinstrument ins Leben gerufen, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern. Die Bilanz könnte besser sein. Die Evaluation ist schwierig.

Gerade wenn die Ressourcen knapp sind, müssen sie zielgerecht eingesetzt werden“, sagte Dr. Rainer Hess, Vorsitzender des Ausschusses von gesundheitsziele.de, bei der Tagung „Gemeinsam Zukunft gestalten: Gesundheitsziele konkret“ am 10. September in Berlin. Hierzu hat der Kooperationsverbund Gesundheitsziele.de (siehe Kasten) in den vergangenen knapp sieben Jahren einen wichtigen Beitrag geleistet, der aber noch „steigerungsfähig“ sei und, wie Hess betonte: „Der Einfluss auf die Gesundheitspolitik reicht noch nicht aus.“
Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt übte sanfte Kritik: „Die Umsetzung der Gesundheitsziele ist noch zu wenig erkennbar.“ Es gebe zwar viele gute Initiativen, doch diese seien noch zu wenig aufeinander abgestimmt. Dennoch sei es Gesundheitsziele.de mit zu verdanken, dass „Zielvorgaben im Gesundheitswesen heute ein wichtiges Thema sind“. Die Ministerin sprach sich dafür aus, in das Ziel „Gesund aufwachsen“ zwei weitere Teilziele zu integrieren: Überarbeitung von Rhythmus und Art der Früherkennungsuntersuchungen beim Kinderarzt sowie die Steigerung der Impfbeteiligung. „2 200 Masernfälle im Jahr dürfen nicht sein.“ Die Bundesregierung will auch einen Beitrag zu den Gesundheitszielen leisten: „Bis zum Jahresende soll ein Präventionsgesetz vorliegen“, verkündete Schmidt in Anlehnung an das Ministertreffen Ende August auf Schloss Meseberg.
Der Vertreter der Krankenkassen, Rolf Stuppardt vom IKK Bundesverband, sieht die Gesundheitsziele „auf einem guten Weg“. Es sei gelungen, die Ziele am Bedarf der Versicherten auszurichten. Oftmals müsse indes noch die Koordination der Projekte verbessert werden. Auch sollten die Gesundheitsziele „quantifiziert und terminiert“ werden. Stuppardt wies zudem auf die steigende Bedeutung der Evaluation für die Kassen hin.
Die Gesundheitsziele zu evaluieren, ist nicht einfach. Evaluationskonzepte gibt es bisher für drei Ziele. Beim Ziel „Tabakkonsum reduzieren“ sei die Evaluation noch „gut machbar“, weil genügend Daten zur Verfügung stünden, berichtete Prof. Dr. Ulrike Maschewsky-Schneider, Vorsitzende des Evaluationsbeirats. Schwieriger sei es bei sehr komplexen Zielen, wie „Patientensouveränität stärken“ und „Depressive Erkrankungen“. Es fehlten Längsschnittdaten: Der letzte Gesundheitssurvey für Erwachsene des Robert Koch-Instituts ist von 1998. Prof. Dr. Dr. Martin Härter, Freiburg, der das Evaluationskonzept für Depressionen entwickelt hat, verwies auf die „eingeschränkte Aussagekraft“ der regional begrenzten Modellprojekte. „Wir wissen zu wenig über die Wirksamkeit von Aufklärungsmaßnahmen, Diagnostik oder Therapie dieses anspruchsvollen Ziels.“ Mehr Daten seien unbedingt notwendig.
Um die Evaluationskonzepte umzusetzen, bedürfe es auch „mehr Ressourcen“, forderte Maschewsky-Schneider. „Das meiste läuft über kleine Werkverträge.“ Die Kooperationspartner von Gesundheitsziele.de müssten sich überlegen, wie sie das Geld dafür aufbrächten. n
Petra Bühring

Literatur
gesundheitsziele.de – Broschüre des Bundesministerium für Gesundheit, 2007. Kostenfrei zu bestellen über Telefon: 0 18 05/77 80 90 oder per E-Mail: publikationen@bundesregierung.de.
Gesundheitsziele im Föderalismus-Programm der Länder und des Bundes. Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (Hrsg.). Nanos Verlag, Bonn, 2007.


Gesundheitsziele.de

Gesundheitsziele sind verbindliche Vereinbarungen von Bund, Ländern, Kommunen, gesetzlicher Kranken- und Rentenversicherung, privater Kran­ken­ver­siche­rung, Leistungserbringern, Selbsthilfeorganisationen und der Wissenschaft, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern. All diese Akteure haben sich – vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium initiiert – im Dezember 2000 in dem als Modellprojekt gestarteten Forum Gesundheitsziele.de zusammengefunden. Nach Auslaufen der sechsjährigen Modellphase arbeitet das Forum seit 2007 als auf Dauer angelegter Kooperationsverbund und finanziert die Arbeit aus eigenen Mitteln. Bislang gibt es sechs nationale Gesundheitsziele:

- Diabetes mellitus Typ II
- Brustkrebs
- Depressive Erkrankungen
- Gesund aufwachsen
- Tabakkonsum reduzieren
- Patientensouveränität stärken
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