ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2007DÄ-Wortwechsel: Vor dem beruflichen Aus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der Ärztemangel in Deutschland immer noch nicht ausgeprägt genug ist. Man kann es sich an Unikliniken wie in Tübingen durchaus noch leisten, ärztlichem Nachwuchs die Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin schlichtweg unmöglich zu machen mit Argumenten, kein Geld für Weiterbildungsstellen etc. Nach sieben Jahren Studium in Tübingen und nach dreieinhalb Jahren der Weiterbildung in der Chirurgie und Allgemeinmedizin (mal abgesehen vom kostengünstig absolvierten PJ und AiP), stehe ich vor dem beruflichen Aus. Seit Januar dieses Jahres gehöre ich zu den arbeitslosen Akademikerinnen. Im gesamten Landkreis Tübingen hat sich in den vergangenen acht Monaten keine Weiterbildungsstelle in der Inneren Medizin ergeben. Diese Stelle ist jedoch laut WBO obligatorisch und kann auch nicht in einer größeren internistischen Praxis abgeleistet werden. Eine entsprechende Anfrage habe ich bei der zuständigen Lan­des­ärz­te­kam­mer gemacht, jedoch sei man zu einer Härtefallregelung nicht bereit, hieß es dort. Da ich fünf Kinder habe, wäre natürlich eine Teilzeitstelle von Vorteil (man redet ja hier und da von flexiblen Arbeitszeitmodellen), aber auf die kann ich wohl warten, bis ich alt und grau bin . . . Da wir erst vor sechs Monaten umgezogen sind, bin ich nicht bereit, nochmals umzuziehen, eventuell in ein anderes Bundesland, um dort meine Weiterbildung zu Ende führen zu können. Eingeschränkte Mobilität, also noch so ein erschwerender Faktor . . . An Wunder glaube ich nicht mehr. Ins Ausland abwandern mit fünf Schulkindern ist nicht wirklich lustig, vor allem, wenn überhaupt kein finanzielles Polster vorhanden ist. Nur nicht aufgeben, sage ich mir. Der lange Atem ist doch das, was einen Arzt unter anderem auszeichnet . . .
A. Sänger
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige