ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2007TNF-alpha-Blocker Infliximab: Entzündungshemmer mit breiter Indikation

PHARMA

TNF-alpha-Blocker Infliximab: Entzündungshemmer mit breiter Indikation

Dtsch Arztebl 2007; 104(38): A-2603

Vetter, Christine

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LNSLNS Das Zytokin TNF-alpha gehört zu den zentralen Effektormolekülen bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen. Das erklärt, warum Hemmstoffe des Tumornekrosefaktors-alpha eine Indikation bei verschiedenen Erkrankungen haben, wie etwa beim schweren Morbus Crohn und bei chronisch-entzündlichen Arthritiden.
„Das Zytokin spielt bei der Pathogenese aller Erkrankungen, die mit -itis enden, ein zentrale Rolle“, berichtete Prof. Ulf Müller-Ladner (Bad Nauheim) beim Internistenkongress in Wiesbaden. Als Beispiel nannte er neben den chronisch-entzündlichen Darm­er­krank­ungen und Arthritiden auch Infektionen, Hepatitiden, die Pankreatitis sowie Entzündungsreaktionen der Haut, des Knochens, der Lunge und des Gefäßsystems, entzündliche Erkrankungen des Nervenssystems und perineoplastische Entzündungsreaktionen.
Als Botenstoff steuert TNF-alpha das extrazelluläre Signalling und triggert die Entzündung sowie den Matrixumbau und die Angiogenese. Das geschieht nach Aussage von Müller-Ladner wie in einem Teufelskreis: TNF-alpha provoziere die Hochregulation anderer proinflammatorischer Zytokine und Chemokine, die ihrerseits Entzündungszellen anlockten und die Bildung von matrixabbauenden Enzymen forcierten. Eine enge Assoziation bestehe vor allem zum Interleukin-32, die beiden Zytokine schaukelten sich in ihrer Wirkung regelrecht hoch.
TNF-alpha löse dabei zunächst lokale Entzündungsreaktionen aus, unterhalte diese im Zusammenspiel mit den induzierten proinflammatorischen Prozessen und fördere auch die systemische Progression der Entzündungsreaktion. Das bessere Verständnis der molekularen Zusammenhänge mache neue therapeutische Zugänge bei chronisch entzündlichen und damit TNF-alpha-assoziierten Erkrankungen möglich, betonte Müller-Ladner.
Dass es hierfür Bedarf gibt, machte Prof. Herbert Kellner (München) am Beispiel der Versorgungssituation von Patienten mit Spondylitis ankylosans deutlich. Eine Befragung von Mitgliedern der Deutschen Vereinigung M. Bechterew habe ergeben, dass die Diagnose im Mittel erst nach zehnjähriger Krankheitsdauer gestellt wird: „Hier gilt es, deutlich früher für eine gezielte Diagnosestellung und eine zielgerichtete Therapie zu sorgen.“ Dazu gehöre auch die Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Infliximab (Remicade®), der unter den verfügbaren TNF-alpha-Blockern das breiteste Zulassungsspektrum besitze.
Der Wirkstoff kann verordnet werden bei der rheumatoiden Arthritis, der Spondylitis ankylosans, der Psoriasis-Arthritis und auch bei der Colitis ulcerosa sowie beim Morbus Crohn. Bei diesem sei nach Angaben von Prof. Michael Radke (Potsdam) eine Indikationserweiterung zu erwarten, denn die europäische Zulassungsbehörde EMEA (European Medicines Evaluation Agency) habe sich auch für die Zulassung des Wirkstoffs bei schwerem aktivem Morbus Crohn im Kindes- und Jugendalter (ab sechs Jahren) ausgesprochen.
Christine Vetter

Pressekonferenz „Versorgungssituation von Patienten mit TNF-assoziierten chronisch-entzündlichen Erkrankungen“ im Rahmen des 113. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden, Veranstalter: Essex Pharma
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