ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2007Rettungswerkzeuge: Bergungshilfen für die Hosentasche

TECHNIK

Rettungswerkzeuge: Bergungshilfen für die Hosentasche

Dtsch Arztebl 2007; 104(38): A-2604 / B-2300 / C-2232

Krüger, Thomas H. R.

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Modelle von oben nach unten: Atlantic Salt (Spyderco); Mark 1 (MOD), Reality-Based- Emergency (Böker); unten links: ERT-1 (Benchmade), rechts: Rescom (Böker) Fotos: Krüger
Modelle von oben nach unten: Atlantic Salt (Spyderco); Mark 1 (MOD), Reality-Based- Emergency (Böker); unten links: ERT-1 (Benchmade), rechts: Rescom (Böker) Fotos: Krüger
Rettungsmesser können als handliche und gut mitzuführende Werkzeuge die Bergung Verletzter erleichtern.

Das Pkw-Unfallopfer ist bewusstlos, die Tür klemmt und nicht zu öffnen – der hinzukommende Arzt als Ersthelfer hat kaum eine Möglichkeit, Erste Hilfe zu leisten, bis die Feuerwehr mit großem Werkzeug zur Bergung eintrifft. In solchen Situationen können Rettungsmesser gute Dienste leisten. Sie sind konzipiert als Hilfsmittel bei der Bergung von Pkw-Insassen, zum Schaffen von Zugangswegen zu Verletzten oder auch zur Selbstbefreiung aus Fahrzeugen, etwa wenn die Kfz-Elektrik versagt.
Rettungsmesser sind vollwertige Rettungswerkzeuge in einem Format passend für die Hosen- oder Handtasche oder zur Aufbewahrung im Handschuhfach des Autos. Die Industrie bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle an. Im Wesentlichen geht es um die Kombination eines Schneidwerkzeugs in unterschiedlichen Formen, eines Glasbrechers und eines Gurtschneiders. Die Klingenform kann vorn stumpf oder spitz sein, die Schneide glatt oder wellenförmig. Der Wellenschliff soll die Schneidleistung erhöhen. Alle hier vorgestellten Messer sind mit hochwertigen und rostfreien (rostträgen) Stahllegierungen ausgestattet. Als Besonderheit ist das Atlantic Salt (Firma Spyderco) aus H1-Stahl gefertigt, der auch in Salzwasser nicht korrodiert.
Soll das Rettungsmesser auch als normales Taschenmesser (EDC – Every Day Carrier) benutzt werden, empfiehlt sich eher eine der klassischen Klingenformen. Als reines Rettungsmesser wird eine vorn abgerundete und stumpfe Klingenform von Vorteil sein. Aufgrund seiner Spitze ermöglicht der Glasbrecher aller Modelle ein problemloses Zerstören der Pkw-Seitenscheiben. Ein kurzer impulsartiger Schlag ohne großen Krafteinsatz aus zehn bis 15 Zentimetern Entfernung reicht aus, um die Scheibe zerspringen zu lassen. Anschließend können die übrig gebliebenen Scheibenfragmente schnell weggedrückt werden. Das Tragen eines Handschuhs oder das Umwickeln der Hand mit einem Kleidungsstück ist allerdings anzuraten. Das ERT-1 (Benchmade) arbeitet mit einem Federmechanismus. Die Feder wird hierbei durch Aufdrücken auf das Glas gespannt und löst sich bei einem bestimmten Druck dann selbsttätig. Es verfügt zusätzlich noch über eine kleine, lichtschwache LED-Leuchte im Klingenbereich.
Rettungsdienste kleben die Scheiben vor dem Zerstören vollflächig mit Klebeband ab, um die Splitterentwicklung so gering wie möglich zu halten. Im Notfall muss es auch anders gehen. Der Weg durch eine der hinteren Seitenscheiben kann einen sinnvollen Zugang zur Primärversorgung vorn sitzender Pkw-Insassen ermöglichen.
Zertrümmern und Herausdrücken einer Scheibe bei einmaligem Einsatz des Glasbrechers
Zertrümmern und Herausdrücken einer Scheibe bei einmaligem Einsatz des Glasbrechers
Der Gurtschneider kommt zum Einsatz, wenn das Gurtschloss nicht erreichbar ist oder sich unter fortwährendem Zug des Gurts nach einem Überschlag nicht öffnen lässt. Der Gurtschneider kann auch gut zum atraumatischen Aufschneiden von Kleidung oder zum Kappen von Schnüren verwendet werden. Er kann bei einigen Modellen nur im geöffneten Zustand des Messers, bei anderen – wie dem Reality-Based-Emergency (Firma Böker) oder dem Mark 1 (MOD) – auch im geschlossenen Zustand benutzt werden.
Vor der Auswahl eines Rettungsmessers sollte man sich Gedanken über den eigenen Bedarf machen (zum Beispiel: Notwerkzeug kontra EDC). Empfehlenswert ist es, sich mit den Funktionen in Ruhe vertraut zu machen und diese, etwa bei einer Autoverschrottung, auch auszuprobieren. Die Scheu, im Ernstfall aktiv zu werden, wird sich deutlich verringern. Bezugsquellen im Internet: www.acma-reus.de oder www.boker.de.
Thomas H. R. Krüger
E-Mail: hno-krueger@web.de
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