GELDANLAGE

Sonst noch Sorgen?

Dtsch Arztebl 2007; 104(38): A-2606 / B-2302 / C-2234

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Ist ein Toilettenhäuschen ein Gebäude? Diese existenziell bedeutsame Frage hatte der Bundesfinanzhof (BFH) jüngst zu klären, da der vom Fiskus ins Visier Genommene auf einen ebensolchen Donnerbalken hätte Grundsteuer zahlen müssen. Der Kläger, dem ein einzeln stehendes Bauwerk von acht Quadratmetern Grundfläche steuertechnisch zum Verhängnis wurde, forderte höchstrichterlich den gesunden Menschenverstand ein. Das Gericht möge doch dem Finanzamt die Ohren lang ziehen und den Grundsteuerbescheid wieder aus der Welt schaffen.
Doch so einfach ist die Welt nicht gestrickt, oh nein. Natürlich ist ein Toilettenhäuschen ein Gebäude und zwar, weil „es durch die räumliche Umschließung Schutz gegen äußere Einflüsse gewährt, den nicht nur vorübergehenden, über wenige Minuten hinausgehenden Aufenthalt von Menschen gestattet, fest mit Grund und Boden verbunden sowie von einiger Beständigkeit und Standfestigkeit ist.“ Die schönsten Satiren brauchen nicht erfunden zu werden, die schreibt immer noch das Leben.
Der arme Kläger rettete aber dann doch noch seinen Hintern. Wenn eine solche mobile Anlage keinen Waschraum (sondern eine Reinigungsanlage) besitzt, handelt es sich letztendlich nicht um ein Gebäude im steuertechnischen Sinn. Gottlob.
Wenn der Gesetzgeber solche Sorgen hat, müssen wichtige Aufgaben auf der Strecke bleiben, wie etwa das undurchsichtige Treiben mancher Hedgefonds zu kontrollieren, geschweige denn zu verstehen, ist doch egal, dass diese Burschen zwischendurch das globale Finanzsystem aus den Angeln heben.
A propos Hedgefonds: Etliche der cleveren Manager haben sich mittlerweile am Traumziel Monte Carlo niedergelassen, um unter ihresgleichen sowie Promis jeglicher Couleur die hart erarbeiteten Mücken zu genießen. Von lästigen Forderungen des Fiskus, mit denen sich unsereins herumschlagen muss, ist im Fürstentum weit und breit nichts zu sehen. Steuern auf Einkommen, Vermögen und Erbschaft fallen bei den Monegassen in Gänze weg, angenehmes Klima inklusive.
Nur kein Neid – glaube bloß niemand, dass das Leben dort nicht anstrengend wäre. Eine vernünftige Immobilie ist im Fürstentum nicht unter einer Million zu bekommen, eine karge 48-Quadratmeter-Bleibe mit Meerblick liegt im Moment bei 1,7 Millionen Euro.
Und dann noch der tägliche Stress mit völlig verstopften Straßen, und kein Schwein interessiert sich blickfangmäßig für den eigenen Ferrari, gibt es in Monaco doch derartige Boliden wie Sand am Meer und dazu noch Konkurrenz von zig Bentleys, Maybachs und Rolls-Royces. Bei so viel Mühsal hat der Durchschnittsanleger doch sicher großes Verständnis dafür, dass ihm sein Hedgefonds in den letzten Monaten nur 20 Prozent Verlust gebracht hat. Sonst noch Sorgen?
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