ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1997Früherkennung hereditärer neuroendokriner Tumoren

MEDIZIN: Diskussion

Früherkennung hereditärer neuroendokriner Tumoren

Scherübl, Hans; Riecken, Ernst-Otto; Henze, Eberhard; Bohuslavizki, Karl H.

Zu dem Beitrag von Dr. med. Hans Scherübl, Dr. med. Thomas Zimmer, Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Wolfgang Höppner und Prof. Dr. med. Ernst-Otto Riecken in Heft 37/1996
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Nachweisverfahren blieb unerwähnt
Die Initiative zur Etablierung eines Patientenregisters mit dem Ziel der Früherkennung von Patienten mit MEN 1 ist sehr zu begrüßen. In ihrem Artikel betonen die Autoren die Möglichkeiten der bildgebenden Diagnostik bei hereditären neuroendokrinen Tumoren. Dabei wird zum prospektiven Screening des Magens, des Duodenums und vor allem des Pankreas die Endosonographie als die "empfindlichste bildgebende Untersuchungsmethode" hervorgehoben.
In diesem Kontext würden wir gern die im nicht invasiven diagnostischen Bereich fest etablierte Szintigraphie mit In-111-Octreotid, einem Somatostatinanalogon, als bildgebendes Ganzkörperverfahren zum In-vivoNachweis von Primärtumoren und Metastasen, insbesondere von neuroendokrinen Tumoren, erwähnt sehen. Aufgrund der starken Expression von Somatostatinrezeptoren an der Zelloberfläche von Gastro-EnteroPankreatischen (GEP-)Tumoren, (beispielsweise Gastrinomen, Karzinoiden, APUDomen) werden Sensivitäten von 80 bis 96 Prozent bei sehr hoher Spezifität in der Diagnostik des Primärtumors und dessen Metastasen erreicht. Damit stellt die Somatostatinrezeptor-Szintigraphie mit In-111-Octreotid ein nicht invasives, bildgebendes Verfahren hoher diagnostischer Genauigkeit zur simultanten Diagnostik aller Manifestationen dar. Es wäre unseres Erachtens vorteilhaft, den betroffenen Patienten die Möglichkeiten der Somatostantinrezeptor-Szintigraphie - korrelativ zur Ultraschalltechnik - im Rahmen der von den Autoren initiierten Studie routinemäßig mit anzubieten.
Literatur
1. Krenning EP, Kwekkeboom DJ, Bakker WH et al.: Somatostatin receptor scintigraphy with [111In-DTPA-D-Phe1]- and [123Tyr3]-octreotide: the Rotterdam experience with more than 1000 patients. Eur J Nucl Med 1992; 20: 716-731
2. Kwekkeboom DJ, Krenning EP, Bakker WH et al.: Somatostatin analogue scintigraphy in carcinoid tumors. Eur J Nucl Med 1993; 21: 283-292

Dr. med. Karl H. Bohuslavizki Prof. Dr. med. Eberhard Henze
Klinik für Nuklearmedizin der Christian-Albrechts-Universität
Arnold-Heller-Straße 9 24105 Kiel


Schlußwort
Der Leserbrief bildet eine wertvolle Ergänzung. Da neuroendokrine Tumoren des gastroenteropankreatischen Systems in 70 bis 100 Prozent der Fälle Somatostatinrezeptoren exprimieren (1 bis 4), hat die Somatostatinrezeptorszintigraphie einen festen Stellenwert in der Diagnostik dieser Tumoren. Bei der autosomal dominant vererbten, multiplen endokrinen Neoplasie Typ 1 (MEN 1) können neuroendokrine Tumoren der Hypophyse, der Nebenschilddrüsen, der Nebennierenrinden, der Bronchien, des Thymus, des Magens, des Duodenums und des Pankreas auftreten. Als Ganzkörperuntersuchungsverfahren bietet sich deshalb die Somatostatinrezeptorszintigraphie bei der Ausbreitungsdiagnostik des MEN-1-Syndroms in besonderem Maße an. Mit der Somatostatinrezeptorszintigraphie können beim MEN-1-Syndrom Gastrinome in etwa 80 Prozent, Hypophysentumore in 20 bis 40 Prozent und Nebennierenrindentumore in bis zu 100 Prozent lokalisiert werden. Die hyperplastischen Nebenschilddrüsen oder Nebenschilddrüsenadenome stellen sich dagegen in der Somatostatinrezeptorszintigraphie meist nicht dar (5). Beim MEN-1-Syndrom finden sich neuroendokrine Tumoren des Magens oder des Duodenums in etwa 30 Prozent. Ihre histologische Diagnose erfolgt durch die Gastroduodenoskopie mit Biopsieentnahme. Der endoskopische Ultraschall ist die empfindlichste bildgebende Untersuchungsmethode für die Lokalisationsdiagnostik von neuroendokrinen Tumoren des Magens und des Pankreas. Im Gegensatz zur Somatostatinrezeptorszintigraphie ist die Endosonographie allerdings kein Ganzkörperverfahren, so daß sich Endosonographie und Somatostatinrezeptorszintigraphie bei der Diagnostik neuroendokriner gastroenteropankreatischer Tumoren ergänzen.


Literatur
1. Kwekkeboom DJ, Lamberts SWJ, Habbema JDF, Krenning EP: Cost-effectiveness analysis of somatostatin receptor scintigraphy. J Nucl Med 1996; 37: 886-892.
2. Scherübl H, Bäder M, Fett U, Hamm B, Schmidt-Gayk H, Dop FJ, Koppenhagen K, Riecken EO, Wiedenmann B: Somatostatin-receptor imaging of neuroendocrine gastroenteropancreatic tumors. Gastroenterology 1993; 105: 1705-1709.
3. Gibril F, Reynolds JC, Doppman JL, Chen CC, Venzon DJ, Termanini B, Weber C, Stewart CA, Jensen RT: Somatostatin receptor scintigraphy: Its sensitivity compared with that of other imaging methods in detecting primary and metastatic gastrinomas. Ann Int Med 1996; 125: 26-34.
4. Krenning EP, Kwekkeboom DJ, Oei HY, de Jong R. JB, Dop FJ, de Herder WW, Reubi JC, Lamberts SWJ: Somatostatin receptor scintigraphy in carcinoids, gastrinomas, and Cushing’s syndrome. Digestion 1994; 55 (Suppl 3): 54-59.
5. de Kerviler E, Cadiot G, Lebtahi R, Faraggi M, Le Guludec D, Mignon M: Somatostatin receptor scintigraphy in forty-eight patients with the Zollinger-Ellison syndrome. Eur J Nucl Med 1994; 21: 1191-1197.
6. Lehy T, Cadiot G, Mignon M, Ruszniewski P, Bonfils S: Influence of multiple endocrine neoplasia type 1 on gastric endocrine cells in patients with the Zollinger-Ellison syndrome. Gut 1992; 33: 1275-1279.


Dr. med. Hans Scherübl
Prof. Dr. med. Ernst-Otto Riecken
Abteilung Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie
Universitätsklinikum Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30 12200 Berlin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote