ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Messung des arteriellen Blutdrucks – Bestehende Standards und mögliche Fehler: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Messung des arteriellen Blutdrucks – Bestehende Standards und mögliche Fehler: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): A-2663 / B-2353 / C-2285

Ritter, Martin A.

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LNSLNS Die Tatsache, dass die Autoren aus den unterschiedlichen Disziplinen kommen, zeigt die allgegenwärtige Bedeutung der Blutdruckmessung als Diagnostikum in allen medizinischen Fachrichtungen – wie dies auch Prof. Middecke bemerkt. Natürlich konnte unser Artikel nicht alle Facetten der Hypertoniediagnostik beleuchten, darin bestand jedoch auch nicht das Ziel unserer Arbeit.
Es ging vielmehr darum, die vermeintlich banale Handmesstechnik noch einmal kritisch zu beleuchten. Herr Prof. Middecke betont, dass schon zur Diagnosestellung der Hypertonie eigentlich eine Langzeit-Blutdruckmessung unabdingbar sei. Wir teilen diese Einschätzung insoweit, dass die Langzeit-Blutdruckmessung sicherlich die beste zurzeit zur Verfügung stehende Methode ist. Allerdings ist es fraglich, inwieweit die Forderung allgemein umsetzbar ist und ob die Diagnose der Hypertonie den Kollegen mit LZ-Messmöglichkeit vorbehalten werden sollte. Dies ist sicherlich auch eine bedeutende versorgungspolitische Frage.
Frau Prof. Neumeister betont noch einmal die Fallstricke, die aufgrund von Gerätefehlern lauern können. Es ist sicherlich ergänzend zu empfehlen, dass Patienten die Genauigkeit ihres Messgerätes durch Parallelmessungen zum Beispiel beim Hausarzt kontrollieren lassen und dass bei Diskrepanzen ein drittes Gerät zur Kontrolle herangezogen wird (1). Durch diese Vorgehensweise kann einigermaßen sichergestellt werden, dass Arzt und Patient ähnliche Werte messen. Eine Restunsicherheit verbleibt natürlich trotzdem.
Frau Dr. Schickedantz verweist mit Recht darauf, dass ein Hinweis fehlt, wie weit die Manschette bei der Messung eigentlich aufgepumpt werden soll. Laut Leitlinien sollte der Manschettendruck initial mindestens 30 mm Hg über dem systolischen Blutdruck liegen, als Anhalt soll das Verschwinden des Radialispulses beim Aufpumpen der Manschette verwendet werden (1). Die Dokumentation auf 2 mm Hg ist auch angesichts der natürlichen „beat to beat“-Variabilitäten sicher kritisch zu hinterfragen, trotzdem wird dieser Wert empfohlen (1). Es mag zwar eine Pseudogenauigkeit postuliert werden, trotzdem verdeutlicht die Forderung der Leitlinie, dass das Bemühen um eine exakte Messung und Dokumentation stets die Grundvoraussetzung der Messung sein sollte. Es scheint uns selbstverständlich, dass eine einmalige Änderung des gemessenen Blutdrucks um 2–3 mm Hg keine direkten therapeutischen Konsequenzen hat. Wir empfehlen vielmehr eine möglichst exakte Messung und eine kritische Interpretation von seriellen Werten. Diese Ansicht haben wir auch in unserer Arbeit mehrfach geäußert.
Auf die Möglichkeit, mit der Blutdruckmessung auch Gefäßanomalien zu diagnostizieren, sind wir auch aus Platzgründen nicht eingegangen. Es ging uns nur um die Darstellung des Messvorgangs an sich. Den Ausführungen von Professor Breuer ist nichts hinzuzufügen.
Zuletzt sei noch angemerkt, dass wir aus den Zuschriften anderer Kollegen entnehmen konnten, dass gerade die Verwendung und Vorhaltung verschiedener Manschettengrößen bislang wenig Eingang in die Versorgung gefunden hat. Einige Kollegen berichteten nämlich, dass es Ihnen trotz Nachfrage bei mehreren Medizintechnikhändlern nicht gelungen sei, Manschetten unterschiedlicher Größe zu erwerben. Dies zeigt, dass unterschiedliche Größen bislang offensichtlich kaum nachgefragt wurden. Nach eigener Recherche bei den Herstellern konnten wir aber feststellen, dass es zumindest im Direktkontakt mit den Herstellern durchaus möglich ist, automatische Geräte und Sphygmomanometer für die eigene Praxis entsprechend aufzurüsten.


Dr. med. Martin A. Ritter
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33
48129 Münster
E-Mail: ritterm@uni-muenster.de

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Chobanian AV, Bakris GL, Black HR et al.: Joint National Committee on Prevention, Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Pressure. National Heart, Lung, and Blood Institute; National High Blood Pressure Education Program Coordinating Committee. JAMA 2003; 289: 2560–72. MEDLINE
1. Chobanian AV, Bakris GL, Black HR et al.: Joint National Committee on Prevention, Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Pressure. National Heart, Lung, and Blood Institute; National High Blood Pressure Education Program Coordinating Committee. JAMA 2003; 289: 2560–72. MEDLINE

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