ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Hyperkinetische Störungen: Ein bundesweiter Vergleich der Hospitalisationsraten: Sozialpädiatrische Zentren

MEDIZIN: Diskussion

Hyperkinetische Störungen: Ein bundesweiter Vergleich der Hospitalisationsraten: Sozialpädiatrische Zentren

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): A-2664 / B-2354 / C-2286

Bode, Harald

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die altersstandardisierten Hospitalisationsraten lagen bei hyperkinetischen Störungen mit 8,7 (West) und 25,3 (Ost) pro 100 000 der männlichen Bevölkerung sehr deutlich unter der altersbezogenen Prävalenz des Krankheitsbildes von 5 800 pro 100 000 (5,8 %). Die große Mehrheit der hyperkinetischen Störungen wird zu Recht auch in Ostdeutschland in einem ambulanten Setting behandelt, nur ein sehr geringer Anteil von etwa 0,2 bis 0,4 % im Jahr 2003 stationär.
Von Stang wird ein möglicher Zusammenhang zwischen den Hospitalisationsraten für hyperkinetische Störungen und der Dichte ambulant tätiger Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeuten hergestellt. Verschiedene andere Einflussfaktoren sind denkbar: Interessant wäre, eine Beziehung zur Zahl kinderpsychiatrischer Betten je 100 000 Kinder eines Bundeslandes zu untersuchen. Leider fehlt in der Untersuchung auch eine Vergleichsgruppe, die die Hospitalisationsraten anderer psychischer Störungen oder körperlicher Erkrankung im Kindes- und Jugendalter in den verschiedenen Bundesländern beschreibt.
Aus diesen Zahlen ließe sich ableiten, ob die geringere Dichte von Vertragsärzten und Psychotherapeuten
ein anderes Einweisungsverhalten dieser Fachleute generell verursacht. Ein Mangel an fach- oder krankheitsspezifischen ADHS-Kompetenznetzwerken in ostdeutschen Flächenländern könnte im Vergleich zu Stadtstaaten (Berlin, Hamburg, Bremen) und westdeutschen Flächenländern eine heimatnahe ambulante Versorgung von hyperkinetischen Störungen erschweren und eine Hospitalisation näher legen.
Nicht berücksichtigt wurden in der Analyse auch die Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ), die einen bedeutenden Anteil an der ambulanten Behandlung von hyperkinetischen Störungen haben. In den neuen Bundesländern (ohne Berlin) sind 18 SPZ zugelassen, in den alten Bundesländern (inklusive Berlin) 110 SPZ (Stand 3/2007).
Die Indikation zur stationären Behandlung hängt nicht nur von der Schwere der Störung per se ab, sondern insbesondere von der Art und dem Ausmaß der Komorbiditäten (zum Beispiel Störung des Sozialverhaltens, Depressionen, Ängste). Diese treten möglicherweise in ostdeutschen Ländern häufiger auf. Zudem sind die sozialen Ressourcen infolge belastender Lebensbedingungen wahrscheinlich geringer.

Prof. Dr. med. Harald Bode
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Sozialpädiatrisches Zentrum, Frauensteige 10, 89075 Ulm

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige