ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Hyperkinetische Störungen: Ein bundesweiter Vergleich der Hospitalisationsraten: Mehr Krankenhausbetten

MEDIZIN: Diskussion

Hyperkinetische Störungen: Ein bundesweiter Vergleich der Hospitalisationsraten: Mehr Krankenhausbetten

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): A-2664 / B-2354 / C-2286

Scharnetzky, Elke; Langner, Ingo; Scharnetzky, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Stang (1) führt die Tatsache, dass die Diagnose „Hyperkinetische Störung (F90)“ im Vergleich zwischen alten und neuen Bundesländern im Osten häufiger als Entlassungsdiagnose bei Kindern und Jugendlichen kodiert wird, unter anderem auf die niedrigere Anzahl dort ambulant tätiger Kinder- und Jugendpsychiater zurück. Die hyperkinetische Störung wird in aller Regel ambulant behandelt. Nur in Ausnahmefällen erfolgen stationäre Aufnahmen, zumeist in kinder- und jugendpsychiatrische Einrichtungen. Die Untersuchung von Stang bezieht sich auf diese stationären Fälle. Nach unserer Einschätzung hat Stang eine andere, naheliegende Ursache für die häufigeren Krankenhausaufnahmen übersehen: das im Verhältnis zur Kinderzahl höhere Angebot an entsprechenden Krankenhausbetten.
Ist die von Stang gefundene höhere Hospitalisationsrate in den neuen Bundesländern möglicherweise hierdurch bedingt? Wir haben Daten (2) des Jahres 2003 zur Bettenausstattung der Krankenhäuser genutzt, um dieser Frage nachzugehen. Ausgehend von der Bettenzahl in den Fachabteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und der Bevölkerung im Alter bis 19 Jahren haben wir die Anzahl der Betten pro 100 000 Personen dieser Altersgruppe errechnet. Alle neuen Bundesländer liegen hinsichtlich Bettenzahlen und Hospitalisationsraten wegen der Diagnose F90 bei Jungen und männlichen Jugendlichen über den Vergleichszahlen der alten Bundesländer. Sachsen-Anhalt hält mit 62 pro 100 000 die meisten Betten vor, Bayern mit 15 pro 100 000 die wenigsten. Ein Vergleich der bundeslandbezogenen Ränge hinsichtlich Bettenzahl und männlichen Hospitalisationen wegen F90 (nach 1), zeigt eine deutliche Assoziation (Rangkorrelation nach Spearman: r = 0,63). Wir meinen, dass es sich bei der höheren Hospitalisationsrate in den neuen Bundesländern um ein Beispiel einer angebotsinduzierten Nachfrage handeln könnte. Dieses Phänomen ist charakteristisch für Situationen, in denen „keine eindeutigen Kriterien für die Zuweisung . . . bestehen“ (3).


Dr. med. Elke Scharnetzky, MPH
Dr. Ingo Langner
Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)
Linzer Straße 10, 28359 Bremen
E-Mail: scharnet@bips.uni-bremen.de

Dr. med. Michael Scharnetzky
Klinik für Kinder und Jugendliche
Diakonie-Krankenhaus Rotenburg
27342 Rotenburg
1.
Stang A: Hyperkinetische Störungen: Ein bundesweiter Vergleich der Hospitalisationsraten. Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A 1306–11. VOLLTEXT
2.
Statistisches Bundesamt: Grunddaten d. Krankenhäuser u. Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen Fachserie 12 Reihe 6.1 – 2003. www-ec.destatis.de/csp/ shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls.
3.
Bericht des Rechnungshofes (2006): Stationäre Versorgungskapazitäten der Kärntner Fondskrankenanstalten. www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/Berichte/Kaernten/ Kaernten_2006_01.pdf.
1. Stang A: Hyperkinetische Störungen: Ein bundesweiter Vergleich der Hospitalisationsraten. Dtsch Arztebl 2007; 104(19): A 1306–11. VOLLTEXT
2. Statistisches Bundesamt: Grunddaten d. Krankenhäuser u. Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen Fachserie 12 Reihe 6.1 – 2003. www-ec.destatis.de/csp/ shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls.
3. Bericht des Rechnungshofes (2006): Stationäre Versorgungskapazitäten der Kärntner Fondskrankenanstalten. www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/Berichte/Kaernten/ Kaernten_2006_01.pdf.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige