ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Rudolf Gross 90 Jahre: Die Innere Medizin vorangebracht

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Rudolf Gross 90 Jahre: Die Innere Medizin vorangebracht

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): A-2667 / B-2357 / C-2289

Kaufmann, Werner

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Rudolf Gross. Foto: Archiv
Rudolf Gross. Foto: Archiv
Der ehemalige Direktor der Medizinischen Klinik I der Universität zu Köln, Prof. Dr. med. Dr. h. c. Rudolf Gross, feiert am 1. Oktober seinen 90. Geburtstag. Geboren in Stuttgart während des Ersten Weltkrieges, wuchs er unter politisch und wirtschaftlich schwierigen Bedingungen auf. Nach dem Arbeits- und Militärdienst konnte er 1939 das Medizinstudium aufnehmen, das er mit dem Staatsexamen und der Promotion 1944 abschloss. Danach war er kurzzeitig als Truppenarzt tätig.
Unmittelbar nach Kriegsende fand er eine Anstellung an der Universität Tübingen. In der von Prof. Dr. med. Hans Hermann Bennhold geleiteten Medizinischen Klinik kam es zur Begegnung mit Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hans Erhard Bock, die für ihn richtungsweisend sein sollte. Neben der schwerpunktmäßigen Hinwendung zur Hämatologie/Onkologie erfuhr Gross hier die intellektuelle Ausprägung, die sich durch die Merkmale Forschungsdrang gepaart mit Fleiß, Ordnungssinn und pragmatischem Denkvermögen charakterisieren lässt. Als Bock 1949 an die Medizinische Universitätsklinik Marburg/Lahn berufen wurde, folgte Gross seinem Lehrer und Mentor. Eine Tätigkeit bei Lettré in Heidelberg von 1951 bis 1952 schärfte sein wissenschaftliches Problembewusstsein. 1954 erfolgte die Habilitation für das Fach der Inneren Medizin; in der Folge profilierte er sich zu einem äußerst anregenden, didaktisch geschickten Hochschullehrer. Es folgten die Ernennungen zum klinischen Oberarzt (1957) und zum außerplanmäßigen Professor (1960).
In Marburg fand Gross Bedingungen vor, die eine erfolgreiche klinische und wissenschaftliche Tätigkeit ermöglichten. Zunächst mit seinem Lehrer Bock und später mit dem von ihm formierten Arbeitskreis legte er eine Fülle von Publikationen vor, die ihn national und international als einen der führenden Repräsentanten seines Fachs auszeichneten.
Bereits 1963 erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für Innere Medizin der Universität Gießen, den er jedoch ablehnte, um 1964 – gerade als geschäftsführender Oberarzt an die Medizinische Universitätsklinik Tübingen mit Hans Bock zurückgekehrt – den Ruf auf den Lehrstuhl für Innere Medizin I der Universität zu Köln annehmen zu können. Dort hat er zweifellos den Kulminationspunkt seiner Hochschullaufbahn erlebt, indem er unter vorbildlichem Einsatz selbst eine Schule gründete, die auf allen Teilgebieten der Inneren Medizin Akzente gesetzt hat. Die Liste seiner wissenschaftlichen Arbeiten weist 700 Titel aus. Das ursprünglich von Jahn und später von Gross, Schölmerich und Gerok herausgegebene Lehrbuch „Die Innere Medizin“ ist zu einem Standardwerk geworden.
Den fachlichen Horizont der Inneren Medizin weit überschreitend hat Gross gemeinsam mit Prof. Dr. med. Markus Löffler die „Grundlagen und Methoden der modernen Medizin“ kritisch analysiert. Auch außerhalb der Inneren Medizin ist Gross mit weithin beachteten Publikationen hervorgetreten. Er war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und Präsident der Heilmeyer Gesellschaft. Zu seinen zahlreichen Ehrungen zählen: Wilhelm-Warner Preis, Dr. Salzer-Preis, Heilmeyer-Medaille in Gold, Ehrendoktorwürde der Universität Marburg, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, Ernst-von-Bergmann-Plakette und Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft.
Besonders hervorzuheben ist, dass Rudolf Gross nach der Emeritierung noch ein halbes Jahrzehnt die medizinisch-wissenschaftliche Redaktion des Deutschen Ärzteblattes geleitet und das wissenschaftliche Profil des Blattes weiter geschärft hat.
Prof. Dr. med.Werner Kaufmann
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