ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Joachim Berthold: Das Wesen des Menschen

KULTUR

Joachim Berthold: Das Wesen des Menschen

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): A-2669 / B-2358 / C-2290

Krannich, Stephanie

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Fotos: Galerie Samuelis-Baumgarte
Fotos: Galerie Samuelis-Baumgarte
In Bielefeld werden zurzeit 45 Plastiken und Zeichnungen aus familiärem Besitz sowie Leihgaben aus privaten Sammlungen gezeigt.

Für mich ist der Mensch in erster Linie ein geistiges Wesen. Sein Leben ist auf die Spanne zwischen Geburt und Tod beschränkt, aber die dahinterliegende Dimension, aus der er kommt und in die er geht, birgt, wie ich meine, die eigentliche Realität. Diese sucht er durch Religion und Kunst zu erfassen.“ So der Bildhauer Joachim Berthold, der zu den bedeutenden Bildhauern des 20. Jahrhunderts zählte. Er wäre im Oktober dieses Jahres 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass werden in Bielefeld 45 Plastiken und Zeichnungen aus familiärem Besitz sowie Leihgaben aus privaten Sammlungen gezeigt.
Joachim Bertholds Skulpturen, wie „Adams Rippe“, sind auf das Wesentliche reduziert. Sie bleiben ohne Mimik, anonym und zeitlos.
Joachim Bertholds Skulpturen, wie „Adams Rippe“, sind auf das Wesentliche reduziert. Sie bleiben ohne Mimik, anonym und zeitlos.
Joachim Berthold, 1917 in Eisenach geboren, lebte und arbeitete bis zu seinem Tod 1990 in Oberaudorf am Inn. 1936 begann er seine Ausbildung an der renommierten Werkschule in Köln. Dort lernte er seine Künstlerkollegin und spätere Ehefrau Gisela Berthold-Sames kennen. Er setzte sein Studium bis 1941 an der Akademie der Bildenden Künste in München fort. Ab 1945 arbeitete er als freischaffender Bildhauer. Zunächst folgten harte Künstlerjahre, in denen ihm die Ausführungen jeglicher Auftragsarbeiten zur Existenzsicherung nur wenig Zeit für freie Arbeiten ließen. Allmählich verbesserte sich die Situation, bis er ab den 60er-Jahren durch immer zahlreichere und bedeutendere Ausstellungen im In- und Ausland, Großaufträge von Industrie und Städten sowie durch Museumsankäufe internationales Ansehen erlangte. Einladungen zur Teilnahme an der 7e Biennale voor Beeldhouwkunst im Middelheim Park in Antwerpen (1963) sowie vom Pariser Salon de la Jeune Sculpture (1964, 1968) und dem Salon des Grands et Jeunes d’Aujourd’ hui (1969, 1972) bestätigten ihm ebenso wie die Erwähnung in Herbert Reads „A Concise History of Modern Sculpture“ (1964) und Ulrich Gertzs Standardwerk „Plastik der Gegenwart“ (1964), im „Bildhauerolymp“ angekommen zu sein.
Bertholds Äußeres war markant. Dem entsprechen seine figürlichen, hauptsächlich in Bronze verwirklichten Klein- bis überlebensgroßen Plastiken. Thema seines Schaffens war der Mensch. Dabei ging es ihm nicht um die Darstellung individueller, äußerer Erscheinungsformen. Seine Skulpturen sind auf das Wesentliche reduziert, bleiben in ihren sparsamen Bewegungen, ohne Mimik, anonym und zeitlos. Das Wesen des Menschen und seine Entwicklung zwischen Werden und Vergehen waren sein Anliegen.
Durch die gedankliche Verarbeitung griechischer Metaphern konzentrierte er sich auf die Darstellung der in eine Materie oder in die eigene Körperform eingebundenen und sich daraus lösenden sowie auch ihren eigenen Schatten werfenden menschlichen Gestalten. Die für Berthold typische Formensprache lebt dabei vom Widerspiel konvexer und konkaver, perfekt geglätteter und rauer, manchmal aufgebrochener Oberflächen, die darunterliegende, innerste amorphe Schichten offenlegen. Als Promotor sich entwickelnder Bildnisse gelang es ihm mit seinen Werken, „dem Augenblick Dauer zu verleihen“. (Berthold)
Dr. med. Stephanie Krannich


Die Ausstellung „Joachim Berthold“ ist vom 7. Oktober (Eröffnung um 17 Uhr) bis zum 10. November im Galeriehaus Samuelis-Baumgarte in 33602 Bielefeld, Niederwall 10, zu sehen. Öffnungszeiten: montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 14 Uhr. Weitere Informationen: Telefon: 05 21/17 35 32, oder Internet: www.samuelis-baumgarte.de
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