ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Raucherentwöhnung: Vareniclin erleichtert Verzicht auf Zigaretten

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Raucherentwöhnung: Vareniclin erleichtert Verzicht auf Zigaretten

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): A-2673

EB

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LNSLNS Nach der Nikotinersatztherapie und dem Antidepressivum Bupropion ist Vareniclin (Champix®, Pfizer Deutschland GmbH) das dritte Medikament zur Raucherentwöhnung und die erste Neueinführung seit zehn Jahren. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMEA hält die Wirkung von Vareniclin für bewiesen: In den beiden Zulassungsstudien waren 40 Wochen nach dem Ende der Behandlung noch 23 Prozent der mit Vareniclin behandelten Raucher abstinent gegenüber neun Prozent unter Placebo.
Da Vareniclin ein partieller Agonist am Nikotinrezeptor (a4b2-Acetylcholinrezeptor-1) ist, tritt die gleiche Wirkung auf wie beim Rauchen. Wichtiger noch: Auch die langsame Freisetzung von Dopamin, dem „Belohnungsneurotransmitter“, bleibt erhalten, was die Entzugssymptome senkt. Gleichzeitig verhindert Vareniclin eine Bindung von Nikotin am Rezeptor (antagonistische Komponente), weshalb bei einem Rückfall die befriedigende Wirkung der ersten Zigarette entfällt – jedenfalls solange das Medikament eingenommen wird.
Die Ergebnisse der Zulassungsstudien von Douglas E. Jorenby zeigen, dass nach zwölf Wochen unter Vareniclin 43,9 Prozent der Studienteilnehmer abstinent waren, in der Bupropion-Gruppe 29,8 Prozent und in der Placebo-Gruppe 17,6 Prozent. In einer anschließenden therapiefreien Nachbeobachtung ergaben sich nach 52 Wochen Abstinenzraten von 23 Prozent unter Vareniclin gegenüber 14,6 Prozent bei Bupropion und 10,6 Prozent bei Placebo in den Vergleichsgruppen.
Somit war die Chance, unter einer Vareniclin-Therapie nach einem Jahr rauchfrei zu sein, etwa 1,5-mal größer als unter Bupropion. Ein unabhängiger Cochrane-Review von Kate Cahill (Oxford-Universität) errechnet gegenüber Placebo sogar dreifach höhere Chancen für den Raucher, mithilfe von Champix dauerhaft vom Tabakkonsum loszukommen. Dies soll den Raucher um den Faktor 1,5 besser gelingen als unter einer Therapie mit Bupropion.
Die Abbruchrate aufgrund von unerwünschten Ereignissen betrug 11,4 Prozent für Vareniclin (versus 9,7 Prozent unter Placebo), wegen Übelkeit (2,7 versus 0,6 Prozent), Kopfschmerzen (0,6 versus ein Prozent), Schlaflosigkeit (1,3 versus 1,2 Prozent) sowie abnormer Träume (beide 0,2 Prozent).
Vareniclin-Tabletten werden nach initialer Dosistitration zweimal täglich eingenommen. Der bisher untersuchte Behandlungszeitraum beträgt zwölf beziehungsweise 24 Wochen. Bei Patienten mit einer starken Beeinträchtigung der Nierenfunktion kann eine Anpassung der Tagesdosis notwendig sein. Die Anwendung bei Schwangeren, Stillenden sowie bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren kann aufgrund mangelnder Daten nicht empfohlen werden. Keine Daten liegen vor zur Behandlung von Patienten mit Epilepsie.
Vareniclin ist ein verschreibungspflichtiges Produkt zur oralen Einnahme, das – wie alle Rauchentwöhnungsmedikamente – nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird. Die Behandlung mit Vareniclin kostet pro Tag etwa so viel wie eine Packung Zigaretten. EB
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