GELDANLAGE

Vor 20 Jahren

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): A-2675 / B-2367 / C-2295

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Obwohl sich manche Ereignisse ob ihrer Einzigartigkeit in das Gedächtnis einbrennen – der Fall der Mauer, Tschernobyl oder Lady Dis tragisches Ende –, wundert sich der Betrachter gleichwohl gelegentlich, wie lang das alles doch schon her ist. Auch ich staune, vermutlich geht es Ihnen ebenso, dass der unheimliche Aktiencrash aus dem Jahr 1987 schon dermaßen in die Jahre gekommen ist, gar 20 Jahre auf dem Buckel hat.
Dabei ist es mir fast, als sei es gestern gewesen. Schreckensstarr verfolgten die Marktteilnehmer am schwarzen Montag, es war der 19. Oktober 1987, den turbulenten Börsenverlauf und registrierten fassungslos, wie die Kurse in den freien Fall übergingen. Als die Schlussglocke an der New York Stock Exchange (NYSE) läutete, notierte der Dow Jones 22,6 Prozent niedriger – ein so horribler Tagesverlust wie noch nie zuvor in der Geschichte.
Neu war vor allem die Geschwindigkeit, mit der es 1987 auf dem Börsenparkett abwärtsging, der Markt kollabierte regelrecht. Verantwortlich dafür sollen vor allem automatische Handelsprogramme gewesen sein, die beim Unterschreiten bestimmter Linien Verkaufsorders auslösten, die seinerseits wieder neue Markierungen einrissen und zu weiteren Abgabewellen führten.
Selbst Wetterphänomene wurden als Ursache des Crashs ins Spiel gebracht. Am Freitag zuvor war es vielen Händlern wegen eines schweren Unwetters über London nicht möglich gewesen, zur Arbeit zu kommen, mit der Folge, dass riskante Positionen zum Wochenende nicht geschlossen werden konnten. In einem ohnehin nervösen Markt reichte dieses Nervenflattern möglicherweise schon aus, eine Panik auszulösen, denn am darauffolgenden Montag stand unzähligen Verkaufsorders kaum eine Nachfrage gegenüber. Wenn alle durch eine Tür wollen, wird der Markt halt arg eng.
Aber kein Crash ohne fundamentalen Hintergrund. Die Aktien waren damals ohnehin relativ anspruchsvoll bewertet, das Handelsbilanzdefizit der USA erschreckend, der Dollar siechte vor sich hin. Die Notenbank drehte überdies wegen anhaltender Inflationssorgen an der Zinsschraube. Sollten Sie jetzt einwenden, diese Argumente würden heute auch noch gelten, kann ich Ihnen nur zustimmen. Wenn es denn eine Lehre aus 1987 gibt, dann die, dass sich die Geschichte jederzeit wiederholen kann.


Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats können Sie auch am 6. Oktober 2007 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wenn Sie also in Finanzdingen „der Schuh drückt“, wählen Sie bitte 02 21/98 54 80-17.
Die kostenlose Telefonberatung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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