ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Karrierefaktor Zeitmanagement: Die richtigen Dinge tun

BERUF

Karrierefaktor Zeitmanagement: Die richtigen Dinge tun

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): [99]

Lange, Alfred

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Bereits kleine Rationalisierungen des Arbeitsalltags verschaffen dem Arzt neue Freiräume.

Zuweilen unterläuft jungen Klinikärzten der Fehler, bei der Karriereentwicklung dem Fachwissen einen zu hohen Stellenwert einzuräumen – bei Beförderungen spielen aber oft ganz andere Aspekte eine Hauptrolle. Das fachliche Know-how wird vorausgesetzt.
Ausschlaggebend für das berufliche Vorankommen sind oft das Methodenwissen, die Teamfähigkeit, die Kommunikationskompetenz sowie soziale und emotionale Fertigkeiten. Unterschätzt werden die sogenannten Sekundärtugenden, wie Benehmen, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Allerdings findet hier ein gesamtgesellschaftliches Umdenken statt. So werden in einigen Bundesländern an den Schulen die „Kopfnoten“ wieder eingeführt. Und die Anbieter von Benimm- und Etiketteseminaren für Manager und Führungskräfte berichten von starkem Zulauf.
Im Zusammenhang mit den Sekundärtugenden gewinnen Karrierefaktoren wie Arbeitsorganisation und Zeitmanagement an Bedeutung. Wer die grundlegenden Zeitmanagementtechniken beherrscht, das zur Verfügung stehende Zeitkontingent optimal ausnutzt, wer Prioritäten setzen kann und seine Tages-, Wochen- und Monatsgestaltung im Griff hat, schlägt „mehrere Fliegen mit einer Klappe“:
c Der Arzt kann seine Aufgaben erfolgreicher meistern und vermeidet durch eine wohldurchdachte Zeiteinteilung Stress und Hektik.
c Der Arzt kann sein Wissen in Gesprächen mit Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern, Schwestern und Pflegern sowie im Team weitergeben und andere dabei unterstützen, ihre Zeit besser auszufüllen.
c Ein ausgeklügeltes Zeitmanagement führt dazu, dass der Arzt von den Patienten und dem Umfeld als kompetenter Experte wahrgenommen wird, wenn es darum geht, Zeit für das Wesentliche zu gewinnen – für das Patientengespräch und die -betreuung.
Es ist allerdings eine Illusion zu glauben, allein durch Zeitmanagement die unausweichlichen Zeitengpässe im Krankenhausalltag auflösen zu können. Wenn der Patient ruft und Hilfe braucht, richtet er sich nicht nach dem sauber erarbeiteten Tagesplan des Arztes. Trotzdem ist zu prüfen, ob manche der Zeitnöte nicht selbst- oder hausgemacht sind, also in der mangelhaften Zeiteinteilung des Arztes, der Abteilung oder der Institution begründet sind.
Nun gibt es sehr viele Zeitmanagementtechniken und Arbeitshilfen. Der Arzt sollte sich mithilfe entsprechender Literatur zunächst einen Überblick verschaffen und sich dann die für ihn passenden Techniken aneignen. Damit er dies zielgerichtet leisten kann, analysiert er zunächst seine Schwachpunkte. Dazu listet er über mehrere Tage seine Tätigkeiten auf. Die schriftliche Fixierung zeigt ihm, worauf er viel Zeit verwendet. Wer weiß, welche die größten „Zeitfresser“ sind, kann sich darauf einstellen und auf „Zeitdieb-Fang“ zu gehen.
Sinnvoll ist die Unterscheidung zwischen Zeitdieben, die der Arzt selbst zu verantworten hat, und Zeitkiller, die durch andere verursacht werden. Der Arzt konzentriert seine Zeitmanagementaktivitäten auf die Zeitdiebe, die er selbst verschuldet.
Zu den berüchtigsten Zeitdieben gehören das Telefon, unerwartete Termine, Besprechungen und der Papierkram. Die Strategie lautet: die richtigen Dinge tun. Dies ist entscheidender, als die Dinge richtig zu tun; denn dies birgt die Gefahr, die Energie für Angelegenheiten zu verschwenden, die eher unwichtig sind.
Die richtigen Dinge tun – dazu bedarf es eines Zielmanagements. Es ist wie mit dem Kauf eines neuen Autos, das die Farbe Gelb hat – auf einmal erblickt man an jeder Ecke gelbe Autos „seiner“ Marke. Wer sich Ziele setzt, stellt fest, dass sich sein Leben wie automatisch an diesen Zielen orientiert. Nun kann sich der Arzt die Frage stellen: „Was muss ich tun, um die Ziele zu erreichen?“ Dabei fokussiert er auf die wesentlichen Aufgaben – nämlich die, die der Zielerreichung dienen – und nutzt die ALPEN-Methode:
- Aufgaben zusammenstellen,
- Länge der Tätigkeit schätzen,
- Pufferzeit für Unvorhergesehenes reservieren,
- Entscheidungen über Prioritäten treffen und
- Nachkontrolle und Überprüfung, ob die Ziele tatsächlich erreicht werden konnten.
Wichtig ist der Punkt „P“: Der Tag sollte nie mit Terminen und Aufgaben so überlastet sein, dass nicht Zeit bliebe, unvorhersehbare Aufgaben zu bearbeiten. Diesen Zeitpuffer kann sich der Arzt schaffen, indem er mehrere kleine Rationalisierungen seines Arbeitstags vornimmt: Gleichartige Tätigkeiten erledigt er im „Block“ – Telefonate, Korrespondenz, E-Mails checken und beantworten. Wichtige Gespräche bereitet er sorgfältig vor. Aufgaben mit hoher Priorität geht er sofort an und schiebt sie nicht auf. Wo immer möglich, schafft er sich störungsfreie Zonen, in denen er ausspannen und kreativ sein kann. Er lernt, auch einmal Nein zu sagen.
Der Arzt versucht stets, Routinetätigkeiten zu vereinfachen und zu standardisieren. Wenn er hierzu eine Systematik für die gesamte Abteilung entwickelt, sammelt er Karrierepluspunkte.
Alfred Lange
E-Mail: a.lange@medicen.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige