ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2007Ärzte-Schach: Bamberger Friedfertigkeit

SCHLUSSPUNKT

Ärzte-Schach: Bamberger Friedfertigkeit

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): [100]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Voller Schrecken habe ich gerade bemerkt, dass ich schon neun Monate nichts mehr von Bamberg berichtet habe – in ferner Vergangenheit scheinen die Zeiten zu sein, als man mich fragte, ob ich denn nur Bamberg im Kopf habe. Sollte die Verzögerung vielleicht damit zusammenhängen, dass beim letzten Mal meine getarnten Lobeshymnen, vermischt mit maßlosen Übertreibungen, nicht von jedermann goutiert, ja von einem medicus bambergensis sogar als Schmähung verstanden wurden?
Diesmal also ironiefrei (möge es gelingen) und sine ira et studio soll mir die nüchterne Beobachtung allein die Feder führen. Jedermann, der einmal in Bamberg war und die Bamberger kennenlernte, wird mir zustimmen, dass einen freundlicheren Menschenschlag andernorts zu finden schwer fallen dürfte. Das heißt natürlich nicht, dass sie aufs Maul gefallen wären, siehe nicht zuletzt die berühmte, auf eine Bamberger Gärtnersfrau zurückgehende Götz-von-Berlichingen-Episode. Aufrecht und gradheraus, so sind sie schon, die Bamberger. Und doch schlägt darunter ein verstehendes und friedliches Herz! Auf wen träfe der Spruch „Harte Schale, weicher Kern“ mehr als auf sie zu? Quod est demonstrandum.
Ein furchtbarer Freibauer
Vor einiger Zeit war ich dort bei einem Fußballspiel der Kreisklasse: FV 1912 Bamberg gegen TSV Schammelsdorf. Das Geschehen wogte schon hin und her, als eine verspätet eintreffende Zuschauerin beim Näherkommen verblüfft feststellte: „Ja, wo gibd’s denn däs? Da sitzen die Bamberger und Schammelsdorfer ja zam (zusammen)!“ Worauf eine andere erwiderte: „Beißen dun’s uns ned. Und wir die aa (auch) ned.“ Bamberger Friedfertigkeit. Mir kommen nur zwei vergleichbare extrabambergensische Beispiele in den Sinn. Über den indischen König Sriharsha, der von 606 bis 648 regierte, heißt es: „Unter diesem Herrscher streiten nur die Bienen beim Sammeln des Taus, die einzigen abgeschnittenen Füße sind Versfüße, Heere kämpfen nur auf dem Schachbrett.“ Und das Ärzteschachturnier – obwohl es beim letzten leider eine Ausnahme gab.
Bei meinem Uhrensimultan hatte mich Dr. med. Herbert Körner aus Biberach als Schwarzer am Zug ziemlich am Wickel. Noch hoffte ich, den furchtbaren Freibauern e2 zu erobern und irgendwie zu überleben. Doch mit einem zwingenden zweizügigen Manöver legte mir Dr. Körner angesichts der Ruine meiner weißen Stellung die Aufgabe nahe. Worauf ich ihm bedeutete, er solle mir ja nicht mehr unter die Augen treten. Solch eine Äußerung muss dem jahrzehntelangen (schlechten) Münchner Einfluss auf ein ursprünglich Bamberger Gemüt geschuldet sein. Aber selbst das hat seine Meriten – immerhin behandelten mich meine übrigen Gegner, vielleicht in Erwartung ähnlicher Invektiven, wesentlich freundlicher. Doch zurück zur Aufgabe: Wie gewann Dr. Körner?



Lösung:

Mit 1. Kf2 oder 1. Lf3 hätte ich nur allzu gern den schrecklichen Freibauern ante portas e2 erobert. Doch das schöne geometrische Manöver 1. . . . Dd4+! 2. Kh1 Df2! zwang nicht nur meinen König ins Eck, sondern entwurzelte auch meinen Turm. Angesichts der Hoffnungslosigkeit von 3. Txe2 Dxe2 gab ich auf.
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