ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2007Geschlossene Immobilienfonds: Nicht unter Druck setzen lassen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Geschlossene Immobilienfonds: Nicht unter Druck setzen lassen

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): [12]

Storch, Thomas

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LNSLNS Wie sich böse Überraschungen vermeiden lassen.

Viele Anleger haben sich in den 90er-Jahren an geschlossenen Immobilienfonds beteiligt – meist aus steuerlichen Gründen. Wie bei jeder anderen Geldanlage auch, stehen den Vorteilen beziehungsweise Chancen geschlossener Fonds auch Risiken und Nachteile gegenüber. Bestimmte Risiken sind eher abstrakter Natur, sie lassen sich bei sorgfältiger Auswahl minimieren oder zum Teil auch ganz eliminieren. Andere Risiken sollte der Anleger ernst nehmen und vor der Anlageentscheidung abwägen, ob er sie eingehen will oder nicht.
Wissen sollte jeder Anleger, dass seine Einlagen nicht – wie zum Beispiel bei Termingeldern über den Einlagensicherungsfonds – gesichert sind. Das Risiko eines Totalverlusts ist daher, wie bei jeder anderen unternehmerischen Beteiligung auch, immer latent vorhanden.
Zudem handelt es sich bei geschlossenen Immobilienfonds um sehr langfristige Anlagen, die oftmals die eingebrachten Gelder 20 oder 30 Jahre an den Fonds binden. Es gibt also in der Regel keine Möglichkeit, frühzeitig aus der Anlage auszusteigen und die Beteiligung etwa zu verkaufen.
Zu bedenken ist ebenfalls, dass auf die zugesagte Ausschüttung keine Garantie besteht und die prognostizierte Ausschüttung niedriger ausfallen oder ganz wegfallen kann. Dies birgt immer dann eine große Gefahr, wenn die Beteiligung auf Kredit finanziert wurde und der Anleger die Kreditraten nicht mehr aus den Fondsausschüttungen erwirtschaften kann. Je nach juristischer Konstruktion des Fonds kann es sogar so weit kommen, dass die Ausschüttungen nicht nur ganz ausbleiben, sondern der Anleger noch draufzahlen muss. Bestimmte Fonds sehen nämlich vor, dass die beteiligten Gesellschafter in schlechten Zeiten auch sogenannte Nachschüsse leisten müssen. Manchmal erreichen diese jährlichen Zuzahlungen die ursprüngliche Einlagesumme, sodass sich die einst gepriesene Anlage als Fass ohne Boden entpuppt.
Wie aber lassen sich solche bösen Überraschungen vermeiden?
Zunächst gilt es, auf die Seriosität des Fonds und des Vermittlers zu achten. Je höher die zugesagte Rendite, desto zurückhaltender sollte man sein. Suchen die Vermittler den Erstkontakt über das Telefon und schlagen dann einen Hausbesuch vor, sollte man sehr skeptisch sein und von der Anlage im Zweifel die Finger lassen. Oft werden die Anleger zudem künstlich mit dem Hinweis unter Zeitdruck gesetzt, dass nur noch wenige Beteiligungen erworben werden könnten, weil der Fonds bald geschlossen werde. Auch hier sollte man die Nerven bewahren, den Fondsprospekt in Ruhe durchlesen und bei Unklarheiten den Vermittler um Erklärung bitten. Auf jeden Fall ist es ratsam, die Anlagegespräche nicht allein zu führen, sondern immer eine Vertrauensperson mitzunehmen, die den Inhalt des Gesprächs bezeugen kann. Kommt es später zu einem Rechtsstreit, dann muss der Anleger beweisen, dass die Anlageberatung fehlerhaft gewesen ist. Hierbei macht es sich bezahlt, wenn ein unbeteiligter Dritter etwa bezeugen kann, dass in der Beratung nicht auf das Risiko eines Totalverlusts oder eines Ausschüttungsrückgangs hingewiesen wurde oder die Anlage als jederzeit verkäuflich angepriesen wurde. Liegt eine Falschberatung vor, hat der Betroffene das Recht, die Anlage zurückzugeben und das eingesetzte Geld zurückzuverlangen. Dr. Thomas Storch
E-Mail: anfrage@kanzlei-storch.de
Foto: Fotolia/Käsler
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