ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 3/2007Pilotprojekt CIMECS: Digitale Patientenakte in Hessen

SUPPLEMENT: PRAXiS

Pilotprojekt CIMECS: Digitale Patientenakte in Hessen

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): [21]

Friedl, Thomas; Schneider, Henning

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Test-Arztausweis der Landesärztekammer Hessen
Test-Arztausweis der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen
Um die Kommunikation im Gesundheitswesen zu verbessern, erproben rund 90 niedergelassene und Krankenhausärzte in der Region Mittelhessen seit Anfang 2007 ein internetbasiertes Portal für den Austausch von Patientendaten.

Ende Januar 2007 fiel in der Neurologischen Klinik Braunfels der Startschuss für die erste digitale Patientenakte in Hessen, genannt CIMECS (Central Interdisciplinary Medicare System; www.cimecs.de). Gleichzeitig übergab der hessische Wirtschaftsminister Dr. Alois Riehl dort erste elektronische Test-Arztausweise an die Benutzer. Im Projekt CIMECS soll ein webbasiertes Portal entwickelt werden, über das verschiedene berechtigte Teilnehmer aus dem Gesundheitsbereich Patientendaten sicher austauschen können.
Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass Hessen nicht zu den sieben Modellregionen zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte gehört. Dennoch will man auch dort die Vernetzung zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern vorantreiben. Bisher sind zwar Patientendaten auch schon von Punkt A nach B gelangt. Betrachtet man jedoch die dabei verwendeten Kommunikationswege, wird klar, dass dringend Alternativen erforderlich sind. Denn Patientendaten per Fax oder per E-Mail zu verschicken, ist nicht erlaubt. Der langsame Postweg hingegen ist nicht zukunftsfähig.
Einbeziehung der Nutzer
Auf Initiative der Abteilung für klinische und administrative Datenverarbeitung der Universität Gießen und mit Fördermitteln des Landes Hessen und der Europäischen Union hat man in Hessen 2006 damit begonnen, eine webbasierte Patientenakte zu konzipieren. Im Gegensatz zu anderen Telematikprojekten waren die künftigen Nutzer von vornherein an der Entwicklung beteiligt. So wurde im Vorfeld gemeinsam festgelegt, wie CIMECS aussehen soll, das heißt, am Konzept haben sowohl niedergelassene Ärzte und Patienten als auch Vertreter von öffentlichen Institutionen und Kliniken sowie EDV-Experten mitgearbeitet. Den niedergelassenen Ärzten waren dabei vor allem die vollständige Integration in ihre Arbeitsabläufe sowie niedrige Anschaffungs- und Betriebskosten wichtig (Kasten). Während der Entwicklung wurde das Konzept permanent mit Praktikern abgestimmt. 1
Primäre Adressatengruppe sind die Haus- und Fachärzte, denen bisher eine sichere und schnelle elektronische Übermittlung von Patientendaten nicht möglich war (Grafik). Während Krankenhäuser schon in der Vergangenheit Insellösungen im eigenen Haus oder im Klinikverbund zur elektronischen Kommunikation entwickelt haben, gestaltete sich die Anbindung niedergelassener Ärzte schwierig. Dies lag unter anderem an den heterogenen Hard- und Softwaresystemen, die im niedergelassenen Bereich eingesetzt werden, und an der mangelnden Investitionsbereitschaft in teure spezialisierte Kommunikationsnetze, die nur eine geografisch begrenzte Ausdehnung haben und zu inflexibel sind. Mit CIMECS kann der Arzt dagegen Patientendaten schnell und sicher einem anderen Arzt zur Verfügung stellen.
Grundlage der sicheren Vernetzung ist das sogenannte Branchennetzwerk Gesundheit (BNG) von
T-Systems. Das BNG ist ein geschlossenes, nach außen abgeschottetes privates Netzwerk (Virtual Private Network, VPN) auf Basis des Internetprotokolls. Dieses Netz bildet einen Tunnel im öffentlichen Netz, den nur registrierte Anwender mit einer vom Trustcenter TeleSec der Deutschen Telekom ausgestellten Chipkarte sowie einer persönlichen Identifikationsnummer (PIN) nutzen können. Im Fall von CIMECS ist dies ein vorläufiger Test-Arztausweis der Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) Hessen mit entsprechenden Zertifikaten von T-Systems. Durch das BNG wird sichergestellt, dass Patientendaten zum und vom CIMECS-Server keinem Unbefugten zugänglich sind und dass sämtliche datenschutzrechtlichen Anforderungen erfüllt sind. Der Arzt benötigt zur Teilnahme einen DSL-Internetanschluss, spezielle Kartenleser und einen für dieses Projekt ausgestellten Test-Arztausweis. Dieser enthält eine qualifizierte Signatur, mit der sich beliebige Dokumente rechtsgültig signieren lassen, und das entsprechende Arztzertifikat.
Weil für die Arbeit mit CIMECS nur eine Treibersoftware und ein Browser notwendig sind, können fast alle vorhandenen PCs in einer Praxis genutzt werden. Die Anbindung an das Krankenhausinformationssystem oder die Praxissoftware ist über die Standardschnittstellen HL7 oder DICOM möglich beziehungsweise mit einem speziellen Druckertreiber, über den beliebige Daten eines Systems zum zentralen CIMECS-Server in der Universität Gießen übertragen werden können.
Gesicherter Zugang
Das CIMECS-Netzwerk
Das CIMECS-Netzwerk
Über das Portal CIMECS sollen künftig alle relevanten Patientendaten, wie Arztbriefe, Röntgenbilder und -befunde, CT- und MRT-Bilder sowie Labordaten, ausgetauscht werden. Dabei darf nur derjenige Arzt die Patientendaten einsehen, der den Patienten im aktuellen Fall behandelt und über den Test-Arztausweis verfügt. Der hessische Datenschutzbeauftragte begleitet das Projekt. Der Patient wird im Vorfeld über die Einstellung seiner Daten in das Portal informiert. Er hat jederzeit die Möglichkeit, seine Daten löschen zu lassen oder dem Arzt die Erlaubnis zur Einstellung seiner Daten zu entziehen. Für den Patienten besteht keinerlei Verpflichtung, seine Daten im Portal zur Verfügung zu stellen. Die Vorteile für ihn: Wichtige Daten, wie OP-Berichte oder Röntgenbilder, die bisher auf dem Postweg an den behandelnden Arzt versandt wurden, stehen jetzt jederzeit sofort zur Verfügung und erleichtern so die diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen des Arztes. Nicht auffindbare Akten gehören der Vergangenheit an. Dies verbessert die Behandlungsqualität erheblich, zumal Befunde, die in die Patientenakte eingestellt wurden, direkt mit Vorbefunden verglichen werden können. Somit lassen sich auch doppelte Untersuchungen verringern.
Weiterhin können gerade erhobene Befunde über das Portal live mit Experten an anderen Orten diskutiert werden. Dies wurde bereits im Januar anhand eines Herzultraschalls in der Neurologischen Klinik Braunfels, die als einer der Pilotanwender künftig den elektronischen Datenaustausch über die Plattform erprobt, erfolgreich demonstriert. In der Pilotphase bis 2008, an der mehr als 90 Ärzte aus dem ambulanten und stationären Sektor in der mittelhessischen Region teilnehmen, wird überprüft, wie sich CIMECS im ärztlichen Alltag einsetzen lässt.
Ziel: Bessere Behandlung
Die Motivation der niedergelassenen Ärzte zur Teilnahme an diesem Projekt ist unterschiedlich. Einige versprechen sich eine Kostenersparnis durch die Öko­nomi­sierung ihrer Abläufe, andere möchten schneller ihre Patientenbefunde haben oder wollen einfach am technischen Fortschritt teilhaben. Allen gemeinsam ist aber, dass sie sich durch eine zentrale Patientenakte eine bessere Behandlungsgrundlage versprechen.
Die LÄK Hessen soll nach der Projektphase eine abschließende Beurteilung zur Praktikabilität und zum Nutzen von CIMECS abgeben und das Projekt evaluieren. Dazu werden anonyme Nutzungsdaten ausgewertet und die Teilnehmer engmaschig zum Einsatz der Lösung befragt. Das Projekt sieht sich nicht als Konkurrenz zur Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte durch die gematik oder zu anderen Telematikprojekten, sondern als Ergänzung zu diesen Systemen. Ob CIMECS eine Alternative für den niedergelassenen Bereich ist, muss jeder Arzt letztendlich für sich selbst entscheiden. Die Ergebnisse der LÄK Hessen und das Urteil der Teilnehmer nach der Pilotphase werden sicherlich die Beantwortung dieser Frage erleichtern. Thomas Friedl, Henning Schneider

Anschrift für die Verfasser: Dr. med. Henning Schneider, Leiter Qualitätsmanagement, Ärztlicher Projektleiter CIMECS, Neurologische Klinik Braunfels, Hubertusstraße 3–7, 35619 Braunfels, E-Mail: snh@nkbrf.de


Übersicht über die Anforderungen der Ärzte an CIMECS
- Volle Integration in ärztliche Arbeitsabläufe
- Niedrige Anschaffungs- und Betriebskosten
- Einfache Bedienung
- Jederzeitige Verfügbarkeit der Daten
- Optimierung der administrativen Abläufe am Arbeitsplatz
- Anbindung an beliebige Praxis- oder Krankenhaussoftware
- Einfache, aber sichere Zugangs- und Kommunikationswege
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