ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 3/2007Teleradiologie: Klar umgrenzte Einsatzszenarios

Supplement: PRAXiS

Teleradiologie: Klar umgrenzte Einsatzszenarios

Dtsch Arztebl 2007; 104(39): [27]

Krüger-Brand, Heike E.

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Foto: Fotolia/vario images[m]
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Die Röntgenverordnung beschränkt den Betrieb einer Röntgeneinrichtung zur Teleradiologie auf solche Fälle, in denen bestehende Versorgungslücken geschlossen werden müssen.

Telemedizinische Anwendungen halten verstärkt Einzug in die medizinische Routine. Welche Rahmenbedingungen speziell bei teleradiologischen Anwendungen zu berücksichtigen sind, war Gegenstand eines Workshops, den das ZTG – Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen in Krefeld veranstaltete.
Eingrenzung des Begriffs
In der Medizin versteht man unter Teleradiologie zunächst jeden Prozess, bei dem radiologische Bilder mittels Telekommunikation an einen entfernten Ort übertragen werden (Bildübertragung). Innerhalb der intersektoralen Kommunikation wird die Teleradiologie zunehmend wichtiger, denn radiologische Bilder und Befunde sind eine wesentliche Grundlage sowohl für die stationäre als auch für die ambulante Diagnostik und die Behandlung.
Teleradiologie nach der Röntgenverordnung (RöV) wird enger gefasst und definiert als die Untersuchung von Menschen mit Röntgenstrahlung unter der Verantwortung eines im Strahlenschutz umfassend fachkundigen Arztes, der sich nicht am Ort der technischen Durchführung befindet, sondern der mit elektronischer Datenübertragung und Telekommunikation vor allem zur rechtfertigenden Indikation und Befundung unmittelbar mit den Personen am Ort der technischen Durchführung in Verbindung steht. Nach Claudia Sonnek, Bundesumweltministerium, sind die Bestimmungen zur Teleradiologie durch die Röntgenverordnung (RöV) klar umgrenzt: „Die RöV geht davon aus, dass der Patient behandelt wird, wenn er geröntgt wird“, erklärte Sonnek. Nach der Verordnung erfordert die Anwendung einen Arzt mit Fachkunde im Strahlenschutz – wie zum Beispiel einen Radiologen, Internisten, Orthopäden, Zahnarzt – sowie zur technischen Durchführung eine Medizinsch-technische oder Medizinisch-technische Radiologieassistentin (MTA/MTRA) mit Fachkunde im Strahlenschutz oder eine 1 Person mit einer medizinischen Ausbildung und Kenntnissen im Strahlenschutz. „Entscheidend ist die rechtfertigende Indikation“, erläuterte Sonnek: Ein Arzt mit entsprechender Fachkunde müsse darüber befinden, dass und in welcher Weise radioaktive Stoffe oder ionisierende Strahlung/Röntgenstrahlung am Menschen angewendet werden – auch wenn die Anforderung eines überweisenden Arztes vorliege. „Der Arzt mit der erforderlichen Fachkunde im Strahlenschutz ist nicht der verlängerte Arm eines Haus- oder Facharztes ohne Fachkunde“, betonte Sonnek. Der die rechtfertigende Indikation stellende Arzt muss die Möglichkeit haben, den Patienten vor Ort persönlich zu untersuchen, es sei denn, es liegt ein Fall von Teleradiologie vor. Die Teleradiologie nach RöV ermöglicht auch kleineren Krankenhäusern, die Computertomografie (CT) für die Notfallversorgung anzubieten, ohne dass dafür ein Spezialist vor Ort erforderlich ist. Seit der Novelle der RöV im Sommer 2002 ist dieser Fall genauer spezifiziert: Teleradiologie ist stets genehmigungspflichtig und grundsätzlich nur für den Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst vorgesehen. In Ausnahmefällen kann auch eine Genehmigung darüber hinaus erteilt werden, wenn ein Bedarf – etwa in der Versorgung ländlicher Regionen – besteht. Eine Genehmigung wegen solcher Versorgungslücken ist allerdings auf drei Jahre befristet.
Restriktive Regelung
Diese restriktive Regelung habe man eingeführt, um zu verhindern, dass in den Krankenhäusern der strahlenfachkundige Arzt – insbesondere aus Kostengründen – abgeschafft wird. An diesem Konzept sei keine Änderung geplant, so Sonnek. Der Teleradiologe befindet sich nicht am Ort der Untersuchung und muss umfassend fachkundig sein. Er sollte in vertretbarer Zeit vor Ort sein können, wenn die teleradiologische Übertragung ausfällt oder ein Eingreifen am Patienten erforderlich ist. Er entscheidet über die rechtfertigende Indikation, leitet die Untersuchung und ist verantwortlich für diese. Vor Ort genügt hingegen ein Arzt mit „Kenntnissen im Strahlenschutz“ sowie eine MTA/MTRA mit entsprechender Fachkunde. Hinzu kommen technische Anforderungen, wie etwa schnelle, stabile Leitungen zur Übermittlung der Bilddaten. Darüber hinaus unterliegt die Datensicherung einer besonderen Qualitätssicherung, für die zurzeit neue Kriterien erarbeitet werden.
„Die scharfe Trennung zwischen dem teleradiologischen Betrieb im Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst und dem außerhalb der vorgenannten Zeiten (bei einer 24-Stunden-Teleradiologie) ist wirklichkeitsfern“, kritisierte dagegen Wolfgang Schweidt, Radiologie-Consulting, Köln. Die Genehmigungsbehörden machten zudem von den Ermessensspielräumen zu wenig Gebrauch. Die Vorstellung eines werktags stets gegenwärtigen Untersuchungsteams gehe an der ökonomischen, personellen und organisatorischen Versorgungsrealität vorbei. Werktags erkrankte Notfallpatienten würden bei der Versorgung unangemessen benachteiligt. Nach Meinung des Radiologen stürzt die im Abstand von drei Jahren erfolgende Überprüfung des Bedarfs einer 24-Stunden-Versorgung den Betreiber außerdem in ein wirtschaftliches Dilemma. Schweidt: „Eine hierzu erforderliche finanzielle Risikoabdeckung lässt sich unter den gegebenen Bedingungen nicht erwirtschaften. Optionen, die zur Patientenversorgung geboten erscheinen, werden nicht genutzt.“
„Der Investitionsstau betrifft gerade auch die Teleradiologie“, meinte Prof. Dr. med. Rainer Riedel, Rheinische Fachhochschule Köln. Teure Investitionen in Medizintechnik könne sich heute kein Einzelner mehr leisten. „Apparategemeinschaften wandeln sich durch neue berufsrechtliche Regelungen, wie etwa das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz und das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, zu GmbH-Gründungen, Medizinischen Versorgungszentren und Berufsausübungsgemeinschaften.“ Der Experte warb dafür, innovative telemedizinische Technologien zur Unterstützung einer besseren Gesundheitsversorgung auch dann zu nutzen, „wenn es bei einer ständig veränderten Gesetzeslage nicht so einfach ist“. Heike E. Krüger-Brand
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