ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2007Eltern-Kind-Bindung: Fragen bleiben offen

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Eltern-Kind-Bindung: Fragen bleiben offen

PP 6, Ausgabe September 2007, Seite 432

Eickhorst, Andreas

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LNSLNS Die von dem Psychoanalytiker John Bowlby 1960 erstmals präsentierte und seitdem stetig weiterentwickelte Bindungstheorie über die angeborene und überlebenswichtige Bindungsmotivation von Säuglingen gegenüber ihren primären Bezugspersonen erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit in psychologischen und medizinischen Kontexten. Die große Zahl von Publikationen zum Thema wird nun um die vorliegende erweitert, die sich speziell den Anfängen der Bindungsentwicklung in der prä-, peri- und frühen postnatalen Phase widmet.
Die Autoren der 17 Kapitel nähern sich diesem Thema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln. So berichtet Gerald Hüther über vorgeburtliche Einflüsse auf die Hirnentwicklung, Harald Wurmser über pränatale Stressbelastung, Kerstin Uvnäs-Moberg über die Bedeutung des „Bindungshormons“ Oxytozin und Wulf Schiefenhövel präsentiert evolutions- und kulturpsychologische Argumente für ein bindungsförderndes Co-Sleeping von Eltern und Säuglingen. In weiteren und eher anwendungsorientierten Kapiteln werden diverse Modelle therapeutischer Begleitung und Betreuung von Müttern mit Bindungsschwierigkeiten sowohl in stationären als auch in außerstationären Settings vorgestellt.
Das Buch ist aus vielen einzelnen Beiträgen einer gleichnamigen Tagung entstanden: Überzeugend sind deshalb die Themenvielfalt sowie die knappen, gut verständlichen Darstellungen. Es ist daher als Einführung für im Thema unerfahrene Leser gut geeignet. In der Kürze liegt aber auch ein Nachteil, denn bei vielen Themen geht die Darstellung nicht in die Tiefe und lässt einige Fragen offen.
Leider muss auch angemerkt werden, dass das Werk dem im Titel angekündigten Thema der „Eltern-Kind-Bindung“ nicht gerecht wird, da es de facto nur um die Mutter-Kind-Bindung geht, wenngleich in zwei Kapiteln immerhin die Väter als weitere Bindungsfigur namentlich erwähnt werden. Als Fazit würde ich somit ein „bedingt empfehlenswert“ vergeben.
Andreas Eickhorst

Karl Heinz Brisch, Theodor Hellbrügge (Hrsg.): Die Anfänge der Eltern-Kind-Bindung. Schwangerschaft, Geburt und Psychotherapie. Klett-Cotta, J.G. Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart, 2007, 304 Seiten, gebunden, 36 Euro
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