ArchivDeutsches Ärzteblatt13/1997Passiert die Blut-Hirn-Schranke: AIDS-Therapie mit Nevirapin

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Passiert die Blut-Hirn-Schranke: AIDS-Therapie mit Nevirapin

Bischoff, Angelika

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mit Nevirapin wurde in den USA bereits im Juni 1996 der erste nicht-nukleosidische Hemmstoff der reversen Transkriptase für die Kombinationstherapie mit zwei Nukleosidanaloga zugelassen. Nevirapin blockiert die katalytische Domäne des Enzyms und ist nicht wie nukleosidische Hemmstoffe ein falscher Baustein der Virusvermehrung. Aufgrund einer schnellen Resistenzentwicklung ist Nevirapin nicht zur Monotherapie geeignet. Die Kombination mit Proteasehemmern ist noch nicht ausreichend untersucht.


Peripartale Prophylaxe
Nevirapin passiert auch die Blut-Hirn-Schranke und die Plazenta. Ein großer Vorzug ist seine schnelle Wirksamkeit; diese beruht darauf, daß die Substanz nicht wie andere phosphoryliert werden muß. Mögliche Indikationen, die sich daraus ergeben, sind die peripartale Prophylaxe der vertikalen Transmission und die Prophylaxe nach Nadelstichexposition. Nach oraler Gabe ist Nevirapin zu 90 Prozent bioverfügbar. Deshalb genügt eine Dosis von 2 x 200 mg pro Tag.
In der ACTG-241-Studie wurden 398 vorbehandelte AIDS-Patienten über 48 Wochen mit Zidovudin, ddI plus Nevirapin beziehungsweise Plazebo behandelt. Die CD4-Zellzahl stieg signifikant und anhaltend an. Die Viruslast ging unter der Nevirapin-Kombination um 1,2 log-Stufen zurück; bei Studienende war immer noch ein Unterschied von 0,25 log-Stufen zur Plazebogruppe vorhanden. Der Effekt von Nevirapin war bei CD4-Zellzahlen zwischen 50 und 200/µl am besten; als wenig wirksam erwies sich Nevirapin bei CD4-Zahlen unter 50/µl. Dies spräche dafür, die Substanz schon frühzeitig im Verlauf der Erkrankung einzusetzen, meinte Dr. Andrew Car (Sydney) auf einem Symposium des Unternehmens Dr. Karl Thomae in München.
In der BI-1046-Studie mit 151 nicht vorbehandelten AIDS-Patienten wurden drei Gruppen gebildet: die erste erhielt Nevirapin plus Zidovudin, die zweite Zidovudin plus ddI und die dritte Nevirapin, ddI und Zidovudin. Die Patienten wiesen zu Beginn der Studie, von der inzwischen die Zwölfmonatsdaten vorliegen, eine CD4Zellzahl zwischen 200 und 600/µl auf. Erstaunlicherweise wurde die Dreifachkombination am besten vertragen, erkennbar an einer Quote von 80 Prozent der Patienten, die die Medikation beendeten. Die Inzidenz von unerwünschten Effekten lag unter der Dreifachkombination nicht höher als unter der Zweifachkombination, betonte Car. Die häufigste Nebenwirkung von Nevirapin war ein Exanthem. In den beiden Nevirapin-Gruppen trat dieses mit einer Häufigkeit von rund 30 Prozent und in der Gruppe ohne Nevirapin nur in 13 Prozent auf. Nur sieben Patienten beendeten die Therapie mit Nevirapin vorzeitig.
Unter Nevirapin und Zidovudin ging die mittlere CD4-Zellzahl leicht zurück, unter ddI und Zidovudin nahm sie leicht und unter der Dreifachkombination deutlich zu - etwa in dem Ausmaß, wie es bei Dreifachkombinationen unter Einschluß von Proteinasehemmern der Fall ist. Die Viruslast ging unter der Dreifachkombination um 1,5 log-Stufen zurück, das heißt um 0,4 Stufen mehr als unter Zidovudin und ddI. Unter der Dreifachkombination fiel die Viruslast bei 60 bis 70 Prozent der Patienten unter die Nachweisgrenze (200 Kopien/ml) zurück. Dies war in der Zidovudin/Nevirapin-Gruppe bei keinem Patienten der Fall und in der Zidovudin/ddI-Gruppe nur bei 13 Prozent. Die Effekte der Dreifachkombination, die nach 24 Wochen berichtet wurden, waren auch nach 52 Wochen noch unvermindert erhalten. Dr. med. Angelika Bischoff

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote