ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2007Deutscher Apothekertag: Rotes A gegen grünes Kreuz

POLITIK

Deutscher Apothekertag: Rotes A gegen grünes Kreuz

Dtsch Arztebl 2007; 104(40): A-2691 / B-2381 / C-2309

Hibbeler, Birgit

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LNSLNS Apothekenketten, Versandhandel, Rabattverträge: Die Apotheker sorgen sich um eine unabhängige, hochwertige Arzneimittelversorgung – und die eigene Zukunft.

Von einem Siegeszug zu sprechen, wäre übertrieben. Aber ingnorieren kann man sie auch nicht: 49 DocMorris-Apotheken gibt es mittlerweile in Deutschland. Gemessen an der Gesamtzahl von 21 500 Apotheken ist das verschwindend wenig, allerdings ausreichend, um im Apothekerlager Unruhe zu stiften. Dass Vertreter der eigenen Zunft das rote Apotheken-A abgeschraubt und durch das grüne DocMorris-Kreuz ersetzt haben, ist der ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ein Dorn im Auge. Doch es geht um mehr als Symbole. Obwohl die DocMorris-Apotheken in den Händen ihrer Besitzer geblieben sind, diese also die Marke nutzen, wirft das Geschäftsprinzip eine Frage auf: Liegt die Zukunft in der inhabergeführten Apotheke oder in der Kette?
Bislang darf in Deutschland nur ein Apotheker Eigentümer einer Apotheke sein, zudem darf er lediglich drei weitere Filialen in räumlicher Nähe betreiben. Dass an diesem Fremd- und Mehrbesitzverbot nicht gerüttelt werden darf, forderte der Deutsche Apothekertag in Düsseldorf. ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf warnte vor einer Industrialisierung der Arzneimittelversorgung: „Der unabhängige, freiberufliche Apotheker ist ein besserer Pharmazeut als ein von Befehlen abhängiger Kapitalmaximierer.“
Unterstützung erhielt Wolf von Vertretern der Bundestagsfraktionen – außer von Bündnis 90/Die Grünen. Diese hatten Ende 2006 einen Antrag auf Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzes in den Bundestag eingebracht und waren – vielleicht deshalb – gar nicht erst zum Apothekertag gekommen. Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, versicherte, die Große Koalition plane keine Gesetzesänderung. Vermutlich wird jedoch diese Entscheidung gar nicht in Berlin getroffen: Ein Verfahren zum Fremdbesitzverbot in Deutschland ist vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) anhängig.
Neben der Kette war der Versandhandel ein Reizthema des Apothekertages. Für Unmut sorgen dabei die Pläne der Drogeriemarktkette dm im Versandhandel als „Mittelsmann“ aufzutreten: Die Patienten können künftig über einige dm-Filialen Medikamente bestellen und dort abholen. Ein Vorteil ist zunächst nicht ersichtlich: Auf dem Weg zum Drogeriemarkt kommt man meist auch an einer Apotheke vorbei. Es spricht vieles dafür, dass dm auf das EuGH-Urteil wartet, um in den milliardenschweren Apothekenmarkt einzusteigen. Gleiches dürfte für DocMorris gelten, dessen Mehrheitseigner übrigens Europas größter Pharmahändler Celesio ist.
Die Apotheker sind unterdessen bemüht, auf die unentbehrlichen Leistungen der Präsenzapotheken hinzuweisen. ABDA-Präsident Wolf gab zu bedenken: „Bieten Versandhändler Nacht- und Notdienste an? Bereiten Drogeriemärkte Rezepturen? Fühlen sich Apothekenketten persönlich verantwortlich?“ Der ABDA zufolge ist die Präsenzapotheke ein Garant für sichere, hochwertige Arzneimittel. Nach dem aktuellen Skandal um Zytostatika muss man aber bezweifeln, ob das generell zutrifft (siehe Kasten). Die Apotheker betonen ebenfalls ihre unentbehrliche Rolle bei der unabhängigen, persönlichen Beratung. Die Beratung in manch einer Apotheke ist jedoch weit weniger intim als Verkaufsgespräche an Bahn- oder Postschaltern. Daran wollen die Apotheker nun arbeiten. „Aktuell forcieren wir die Umsetzung der diskreten Beratung“, sagte Wolf.
Fest steht aber: Ohne das persönliche Gespräch von Apotheker und Patient wären die Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern zum Scheitern verurteilt. Diese sind mit einem enormen Aufwand verbunden: Hat der Arzt auf dem Rezept kein Aut-idem-Kreuz gesetzt, dann ermittelt der Apotheker, ob und mit wem die Kasse des Patienten einen Vertrag für das gewünschte Präparat abgeschlossen hat. Dem Patienten muss der Pharmazeut erklären, warum er nun etwa keine blauen, sondern weiße Tabletten bekommt. Darüber hinaus kam es bei den rabbatierten Arzneimitteln zu Lieferschwierigkeiten. Wolf forderte daher, wo Engpässe bestünden, müssten die Apotheker die „maximale Flexibilität“ erhalten, andere Präparate auszugeben. „Wir fordern weiterhin, dass der entstandene Mehraufwand in den Apotheken vergütet wird“, betonte Wolf. Auch beim Thema Rabattverträge kochten aber die Emotionen beim Apothekertag nicht hoch. Die Apotheker sind wohl Kummer gewöhnt.
Dr. med. Birgit Hibbeler


Zytostatika-Skandal

Zwei Pharmahändler und rund 100 Apotheken sind ins Visier der Ermittler geraten. Sie sollen Zytostatika importiert und weiterverarbeitet haben, die in Deutschland nicht zugelassen sind. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt. Den gesetzlichen Krankenkassen soll dabei ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden sein, weil die im Ausland erworbenen Präparate zu den höheren deutschen Preisen abgerechnet wurden. Der Deutsche Apothekertag forderte scharfe Sanktionen gegen das Inverkehrbringen von nicht zugelassenen und gefälschten Arzneimitteln. „Sollte sich herausstellen, dass hier vorsätzlich betrogen wurde, ist ein Berufsverbot für die schwarzen Schafe die konsequente Folge“, forderte ABDA-Präsident Wolf.
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