ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2007Berufsperspektiven: Viele Ärzte sind schon in jungen Jahren ausgebrannt

POLITIK

Berufsperspektiven: Viele Ärzte sind schon in jungen Jahren ausgebrannt

Dtsch Arztebl 2007; 104(40): A-2698 / B-2388 / C-2315

Stüwe, Heinz

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LNSLNS Eine Umfrage belegt: Die hohe Arbeitsbelastung in den ersten Berufsjahren hat Folgen. Gleichwohl ist jeder zweite jüngere Arzt mit seinem Beruf zufrieden.

Ausgebrannt, körperlich erschöpft, dem beruflichen Stress und den familiären Verpflichtungen nicht gewachsen – so fühlen sich viele junge Ärztinnen und Ärzte schon nach wenigen Berufsjahren. Bei jedem fünften Arzt sind die Symptome für Burn-out so eindeutig, dass Interventionsmaßnahmen geboten erscheinen. Das zumindest legt das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Freie Berufe, Nürnberg, nahe, die von der Ärztekammer Nordrhein Mitte September anlässlich des Rheinischen Ärztetages in Düsseldorf vorgestellt wurde. Angaben von 1 308 Ärztinnen und Ärzten aus sechs Kammerbezirken in West und Ost, deren Approbation nicht länger als sieben Jahre zurückliegt, wurden ausgewertet. Bei Krankenhausärzten ist Burn-out überdurchschnittlich häufig, unter nicht kurativ tätigen Ärzten eher seltener. Dabei spielt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben eine besondere Rolle. Diese „Work-Life-Balance“ beurteilt die Hälfte der Befragten für sich persönlich als „eher schlecht“ (33,7 Prozent) oder „schlecht“ (16,3 Prozent).
Vor diesem Hintergrund nimmt es nicht wunder, dass 29 Prozent der Befragten nicht nochmals Medizin studieren würden. „Wer das ärztliche Ethos und die hohe Leistungsbereitschaft der jungen Kollegen weiter ausnutzt, ruiniert die Zukunft der heute noch guten Patientenversorgung in Deutschland“, sagte Dr. med. Arnold Schüller, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, zu den Umfrageergebnissen, die jene des Marburger Bundes (DÄ, Heft 38/2007) und der Studie von Dr. Judith Rosta (DÄ, Heft 36/2007) ergänzen. Das Bild wäre aber verzerrt, würde man ausblenden, dass ein großer Teil der Ärztinnen und Ärzte nach den ersten Berufsjahren durchaus zufrieden im Beruf ist (siehe Grafik). Dabei ist die Berufszufriedenheit der ambulant angestellten Ärzte mit einem Anteil von 80 Prozent am größten, an zweiter Stelle folgen die Ärzte, die sich schon niedergelassen haben (68 Prozent). Besonders unzufrieden sind die Klinikärzte.
Ein Beruf mit Perspektive
„Es ist etwas nicht in Ordnung – trotz der großen Zahl von Stellenangeboten für Ärzte“, sagte Kammerpräsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe zur Eröffnung des Rheinischen Ärztetages, der den Berufsperspektiven junger Ärzte und Medizinstudierenden gewidmet war. „Ärzte wollen keine Handlanger anderer sein, sondern als echte Freiberufler im Sinne ihrer Patienten arbeiten.“ Hier sieht Hoppe, zugleich Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Gefahren angesichts eines Staates, der nicht nur die Mittelausstattung für das Gesundheitswesen festlege, sondern auch die Prozeduren der Medizin zu bestimmen versuche.
Dr. med. Hans Georg Faust (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsgesundheitsausschusses, war bestrebt, die Zukunft nicht zu dunkel zu zeichnen. „Die Politik hat erkannt, dass es ohne Ärzte nicht geht.“ Faust sieht Anlass zu der Hoffnung, dass ärztliches Handeln künftig besser honoriert werde. Auch Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Marburger Bundes und Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer, ist sicher, dass sich der Mangel an Ärzten auch im Portemonnaie auswirken werde: „Rare Güter kauft man teuer ein.“ Über Geld und Verdienstmöglichkeiten mochte Dr. rer. pol. Klaus Goedereis, Vorstand des katholischen Klinikträgers St. Franziskus-Stiftung in Münster, nicht reden. Er versicherte aber, Krankenhausarzt sei ein Beruf mit sehr guten Perspektiven, „auch in Deutschland“. Goedereis empfahl den jungen Ärzten, sich gründlich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren, gerade auch über die Weiterbildung: „Die Krankenhäuser haben unterschiedliche Konzepte für den ärztlichen Dienst.“
Dass der Bedarf an Informationen zu den Berufsperspektiven groß ist, zeigten die mehr als 400 Medizinstudenten und junge Ärzte, die an einem Samstag zum Ärztetag kamen. Viele nutzten die Gelegenheit, sich von Experten der Kammer beraten zu lassen.
Heinz Stüwe
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