ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2007Rabattverträge: Aus dem täglichen Leben
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Rezepte, Rabatte, „weisse Bescheid?“. In den guten alten Zeiten mühten wir uns mit Preisvergleichen per PC ab, um billige Generika zu verordnen. Heute können wir dank der tollen Ideen aus der Ge­sund­heits­mi­nis­terialbürokratie ganz neue Wege beschreiten, und Rezeptpapier kann der Hausarzt gleich mehrfach bearbeiten: Die Apothekerin ruft mich an, denn das rezeptierte und günstige, dem Patienten vertraute Präparat darf sie nicht rausgeben. Die Kasse A hat einen Rabattvertrag mit der Firma B geschlossen, wonach deren Präparate an die Kassenmitglieder verbilligt abgegeben werden. Nun kann leider die Firma bei dem Ansturm gar nicht liefern. Wer da wohl dumm aus der Wäsche guckt? „Wei-sse Bescheid?“ Der Patient kommt wieder und benötigt ein Aut-idem-Kreuz für das Nicht-aut-idem-Präparat. Heute bedeutet ja „aut idem“ genau das Gegenteil, nämlich nicht das wirkstoffgleiche, sondern genau das benannte Präparat soll ausgegeben werden. „Weisse Bescheid?“ Das ist dem Patienten jetzt zu doll, er muss noch in die Stadt und löst dort sein Rezept ein. Da aber ist das „aut idem“ angekreuzte Präparat nicht vorrätig. Der Patient kommt entnervt wieder und möchte sein altes Präparat aufs Rezept. „Weisse Bescheid?“ Wer jetzt Erklärungen abliefert? Es soll Patienten geben, die mehr als drei Präparate brauchen. Das ergibt ungeheure Möglichkeiten der Kombination von nicht erfüllbaren Präparatwünschen des Hausarztes (inzwischen sind mehr als 100 Kassen mit 12 000 Präparaten vertreten). Betäubungsmittelrezepte mit zwei Durchschlägen könnten die neuen Renner beim Papierverbrauch werden. Allerdings ist Vorsicht geboten: Verordnungen von Fentanylpflaster beispielsweise könnten ab Stärke 75 ym/h aufgrund der Höchstverordnungsmenge von mehr als 17 mg/Pflaster sogar strafrechtlich relevant werden. Sollte ich da nicht besser gleich jedes Mal in der Apotheke nachfragen, welches Präparat abgabefähig ist, bevor ich mir irgendeine Arbeit mache? Vereinfachen könnten wir Niedergelassene den Vorgang auch, indem wir uns in den Apothekencomputer einloggen, um uns nach deren Warenbestand zu richten. „Weisse Bescheid?“ . . . So kann der Doktor im Dunklen rumstochern, denn ob Preis rauf oder runter, mal mehr Rezepte für ein Präparat gedruckt oder noch mehr Telekommunikation mit der Apotheke – Geld spielt ja nur insofern eine Rolle, als dass der Doktor fürs Budget haftet . . .
Dr. med. Andreas Krueger, Gartenstraße 2,
25379 Herzhorn
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige