ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2007Hormontherapie erhöht Risiko für Ovarialkarzinom

MEDIZIN: Referiert

Hormontherapie erhöht Risiko für Ovarialkarzinom

Dtsch Arztebl 2007; 104(40): A-2740 / B-2422 / C-2349

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LNSLNS Die Hormonersatztherapie in den Wechseljahren wird seltener verschrieben, nicht zuletzt wegen eines erhöhten Risikos für Brustkrebs und kardiovaskuläre Ereignisse. 1999 wurden in Deutschland 1,156 Milliarden definierter Tagesdosen verordnet, wohingegen es im Jahr 2005 noch 483 Millionen Dosen waren. Bei der Gabe muss auch eine Nutzen-Risiko-Abwägung hinsichtlich eines erhöhten Risikos für Ovarialkarzinome berücksichtigt werden, auf das bereits in der WHI-Studie 2003 hingewiesen wurde. In einer großen Kohortenstudie wurden diese Ergebnisse jetzt in Großbritannien bestätigt. Zwischen 1996 und 2001 haben 1,3 Millionen Frauen im Rahmen eines Brustkrebs-Screenings Fragebögen zu sozialen und demografischen Faktoren, zum Lebensstil sowie zu einer postmenopausalen Hormontherapie erhalten. Dabei ging es um Fragen zur Dauer der Behandlung, dem Alter bei Beginn und Ende der Therapie sowie Art und Dosierung der Hormonmedikation. Ein zweiter Fragebogen wurde zur Aktualisierung der Angaben nach 3 Jahren versandt. Im zentralen nationalen Gesundheitsregister wurden die Studienteilnehmer erfasst und die Untersucher beim Auftreten von Tod, Krebserkrankung oder Wegzug informiert; die Krebsfälle wurden nach ICD 10 kodiert.
Die Autoren analysierten Daten von 948 576 postmenopausalen Frauen mit einem Durchschnittsalter von 57,2 Jahren, von denen zum Zeitpunkt der letzten Untersuchung 50 % Hormone eingenommen hatten. Die Auswertung von rund 5 Millionen Patientenjahren hinsichtlich Krebsinzidenz ergab bei den Hormonanwenderinnen ein um den Faktor 1,2 erhöhtes Risiko, ein Ovarialkarzinom zu entwickeln, gegenüber den Frauen, die nie Hormone eingenommen hatten (Inzidenz 2,6 gegenüber 2,2 pro 1 000 Frauen/5 Jahre). Eine Subgruppenanalyse gegenwärtiger Hormonanwenderinnen ergab ein um den Faktor 1,24 erhöhtes Risiko bei Einnahme über 5 bis 10 Jahre, von 1,31 bei Einnahme von mehr als 10 Jahren. Ein Alter über 60 war mit einem relativen Risiko von 1,33, die frühere Einnahme von Kontrazeptiva von 1,23, ein Body-Mass-Index von 25 bis 30 mit 1,28 und eine vorausgegangene Hysterektomie mit einem Faktor von 1,47 assoziiert.
Für Großbritannien errechneten die Autoren, dass seit 1991 insgesamt 1 300 Erkrankungen an einem Ovarialkarzinom und 1 000 zusätzliche Todesfälle auf die postmenopausale Hormontherapie zurückgeführt werden können. W

Beral V et al.: Ovarian cancer and hromone replacement therapy in the Million Women Study. Lancet 2007; 369: 1703–10. E-Mail: pa.valerie.beral @ceu.ox.ac.uk

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