ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2007Geänderte Indikationen zur Harnableitung: Anspruch an die Lebensqualität

MEDIZIN: Diskussion

Geänderte Indikationen zur Harnableitung: Anspruch an die Lebensqualität

Dtsch Arztebl 2007; 104(40): A-2741 / B-2423 / C-2350

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dem Autor, der auf dem Gebiet der kontinenten Harnableitungen Weltruf genießt, gebührt besonderer Dank. Er hat „vergessene“ Harnableitungen wie die Harnleiterhautfistel, perkutane Nephrostomie oder Doppel-J-Katheteranlage unter palliativer Zielsetzung ausführlich beschrieben. Die Auswertung des eigenen Patientengutes von 120 Harnableitungen im Zeitraum von 2005 bis 2006 bestätigt die Empfehlungen. Kann dem Patienten eine Zystektomie angeboten werden, so bietet die Entfernung der tumortragenden Harnblase trotz fortgeschrittenem Tumorwachstum die Möglichkeit der lokalen Tumorkontrolle in 93 %. Harnableitungen mit Verzicht auf einen Darmeingriff haben die perioperative Mortalität im eigenen Krankengut auf unter 1 % gesenkt. Ausschlaggebend für die Wahl einer kontinenten Harnableitung ist der Anspruch an die zu erwartende Lebensqualität. Der operative Mehraufwand einer kontinenten Harnableitung (Neoblase oder Pouch oder Harnleiterdarmimplantation) mit der verlängerten postoperativen Verweildauer (14,4 Tage) wird von den Patienten nicht negativ bewertet. Ein anderes Kollektiv stellen Patienten dar, bei denen aufgrund erheblicher Komorbiditäten eine Zystektomie nicht sinnvoll erscheint. Bei der Harnableitung unter funktioneller Aufgabe der Harnblase können perkutane Nephrostomien subkutan verlagert in einen gemeinsamen Beutel ausgeleitet werden.
Bei funktionell intakter Harnblase erfolgt die Beseitigung der tumorbedingten Harnabflussstörung durch antegrade oder retrograde Schieneneinlage. Auch hier bestätigen die eigenen Ergebnisse mit einer stationären Verweildauer von weniger als 4 Tagen und guter Akzeptanz durch den Patienten das wenig invasive Vorgehen.
Mehr denn je ist der operativ tätige Urologe auf ein breites Spektrum an Harnableitungen angewiesen, um dem Patienten individuell gerecht zu werden.

Prof. Dr. med. Thomas Otto
Urologische Klinik
Städtische Kliniken Neuss
Lukaskrankenhaus GmbH
Preussenstraße 84
41464 Neuss

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige