ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2007Kriegskindheit: Psychische Belastung 60 Jahre später

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Kriegskindheit: Psychische Belastung 60 Jahre später

PP 6, Ausgabe Oktober 2007, Seite 459

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LNSLNS Mit psychischen Spätfolgen des Zweiten Weltkriegs beschäftigten sich jetzt Wissenschaftler der Universitäten Greifswald und München. Sie befragten im Rahmen des Projekts „Kriegskindheit“ an der Universität München 50 Frauen und 43 Männer, die zwischen 1933 und 1945 geboren waren. Aus den ehemaligen Ostgebieten oder „angeschlossenen“ Gebieten stammten 57 Teilnehmer. 13 Probanden wiesen im Lebenslauf eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) auf, während zehn Probanden unter akuten PTBS-Symptomen litten. Zwei Drittel der Teilnehmer berichteten von direktem Frontkontakt als traumatischstes Erlebnis während der Kriegszeit. 50 Prozent beschrieben Misshandlungen durch sowjetische Besatzungstruppen, und ebenfalls 50 Prozent nannten Flucht beziehungsweise Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten als schlimmstes Erlebnis. Etwa ein Drittel berichtete über den kriegsbedingten Tod von direkten Angehörigen. Traumata durch Besatzungssoldaten, Heimatverlust und direkter Frontkontakt trugen am stärksten zur aktuellen posttraumatischen Symptomatik bei. „Der Beleg psychischer Belastungen 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs ist ein zwingendes Argument für den Schutz von Kindern in aktuellen Kriegsgebieten, wie zum Beispiel im Irak, in Tschetschenien oder in anderen Konfliktregionen dieser Welt“, so die Autoren. ms

Kuwert P, Spitzer C, Träder A, Freyberger H, Ermann M: Posttraumatische Belastungssymptome als Spätfolge von Kindheiten im Zweiten Weltkrieg. Psychotherapeut 2007; 52(3): 212–7.
Dr. med. Philipp Kuwert, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald im HANSE-Klinikum GmbH, Rostocker Chaussee 70, 18437 Stralsund, E-Mail: kuwert@uni-greifswald.de
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