ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2007Komplizierte Trauer: Therapien im Vergleich

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Komplizierte Trauer: Therapien im Vergleich

PP 6, Ausgabe Oktober 2007, Seite 477

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LNSLNS Auf die Frage, welche Therapie bei komplizierter Trauer hilft, haben jetzt niederländische Wissenschaftler eine Antwort gefunden. Sie boten 54 ambulanten Patienten, die länger als zwei Monate über das Normalmaß hinaus um einen Angehörigen trauerten, drei unterschiedliche Behandlungen an. Die erste Gruppe wurde in sechs Sitzungen mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelt. Dabei kam vor allem kognitive Restrukturierung zum Einsatz. Zusätzlich erhielt die Gruppe sechs Sitzungen Exposure-Therapie, bei der sich die Teilnehmer stufenweise mit ihrem Verlust auseinandersetzten. Die zweite Gruppe erhielt dieselben Behandlungen, nur in umgekehrter Reihenfolge. Die dritte Gruppe wurde in zwölf Sitzungen mit supportiven Methoden behandelt, das heißt, die Sitzungen waren inhaltlich und methodisch unstrukturiert, sodass die Patienten die Themen nach Belieben auswählen und mit den Therapeuten besprechen konnten. Kognitiv-behaviorale Methoden wurden dabei nicht eingesetzt. Eine vierte Gruppe diente als Kontrollgruppe. Nach den Behandlungen zeigte sich, dass sich die Symptome der ersten beiden Gruppen im Vergleich zur dritten Gruppe und zur Kontrollgruppe signifikant verbessert hatten. Die reine Exposure-Therapie führte dabei zu größeren Therapieerfolgen als die reine kognitive Restrukturierung. Noch effektiver war hingegen die Kombination der beiden Methoden, vor allem wenn eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wurde. „Die größten Effekte bei der Behandlung komplizierter Trauer konnten mit kognitiver Verhaltenstherapie und anschließender Exposure-Therapie erzielt werden“, berichten die Wissenschaftler. ms

Boelen P, Keijser J, van den Hout M, van den Bout J: Treatment of complicated grief: A comparison between cognitive-behavioral therapy and supportive counseling. Journal of Consulting and Clinical Psychology 2007; 75(2): 277–84.
Paul Boelen, Dep. of Clinical and Health Psychology, Utrecht University, PO Box 80140, 3508 TC, Utrecht (NL), E-Mail: p.a.boelen@fss.uu.nl.
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