ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2007Migration: Interdisziplinäre Vernetzung fördern

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Migration: Interdisziplinäre Vernetzung fördern

PP 6, Ausgabe Oktober 2007, Seite 479

Gerlach, Alf

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Der Zusammenhang zwischen Migration und seelischer Gesundheit findet in den letzten zehn Jahren zunehmend unter Gesundheitsforschern, aber auch unter praktizierenden Psychotherapeuten Beachtung. Dies schlägt sich nicht nur in Veröffentlichungen, sondern auch in spezifischen Symposien zu diesem Thema nieder. Dabei lässt sich eine Tendenz beobachten, einseitig die mit jeder Migration verbundenen Belastungen auf körperlicher wie psychosozialer Ebene in den Vordergrund zu stellen. Der Untertitel des Buchs weist dagegen auch auf die Potenziale hin, welche die erforderliche, wenn auch oft schwierige Neuorientierung nach einer Migration bieten kann.
Folgerichtig sind in diesem Buch nicht nur Beiträge vertreten, in denen Migrationseinflüssen bei psychischen Störungen nachgegangen wird, sondern auch Ansätze, die besonderen Wert auf Fragen der kulturellen Kompetenz oder der Ressourcenorientierung legen. Erfreulicherweise halten sich die meisten Autoren an die Warnung der Herausgeber im Vorwort, in ihren Analysen Auswirkungen eines niedrigen Sozialstatus oder geringerer Bildungschancen nicht mit ethnischen oder Migrationseinflüssen zu vermischen. Dabei haben die Herausgeber bewusst nicht nur die Beiträge eines Symposiums zum Thema „Migration und seelische Gesundheit“ an der Charité-Frauenklinik veröffentlicht, sondern weitere Beiträge anderer Autoren in den Band integriert. Neben den Ergebnissen von Forschungsstudien werden theoretische Überlegungen zur Thematik, aber auch Modelle psychiatrischer Versorgung von Migranten in der Praxis vorgestellt.
Das Buch scheint gut geeignet zu sein, die interdisziplinäre Vernetzung in der Arbeit mit Migranten zu fördern, sowohl zwischen Soziologie, Sozialer Arbeit und Medizin als auch zwischen den verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen. Im Anhang findet man die Empfehlungen des Ministerrats der Europäischen Union zur Ausrichtung der Gesundheitsdienste in einer multikulturellen Gesellschaft, die hilfreich zum Verständnis der politischen Rahmenbedingungen und Zielsetzungen beim Umgang mit Migranten im Gesundheitswesen sind. Alf Gerlach

Theda Borde, Matthias David (Hrsg.): Migration und psychische Gesundheit. Belastungen und Potentiale. Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main, 2007, 234 Seiten, kartoniert, 25,90 Euro
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