ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2007Endokarditis-Prophylaxe: Paradigmenwechsel

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Endokarditis-Prophylaxe: Paradigmenwechsel

Dtsch Arztebl 2007; 104(41): A-2760 / B-2440 / C-2368

Zylka-Menhorn, Vera

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Für Patienten mit künstlichen Herzklappen wird weiterhin eine Endokarditisprophylaxe bei operativen Eingriffen empfohlen. Foto: dpa
Für Patienten mit künstlichen Herzklappen wird weiterhin eine Endokarditisprophylaxe bei operativen Eingriffen empfohlen. Foto: dpa
Nachdem die American Heart Association (AHA) bereits im April ihre Leitlinien zur Endokarditis-Prophylaxe verändert hatte, wurde nun auch in Deutschland das Ruder radikal herumgeworfen: Nur noch Patienten mit hohem Risiko werden bei bestimmten medizinischen Eingriffen mit Antibiotika versorgt, um einer Entzündung der Herzinnenhaut vorzubeugen, wie der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) auf ihrem Jahreskongress in Köln bekanntgab.
Bisher gehörte es zum medizinischen Goldstandard, einer großen Zahl von Patienten vor allem bei zahnärztlichen, aber auch bei urologischen, gynäkologischen, internistischen, dermatologischen, orthopädischen oder herzchirurgischen Eingriffen 30 bis 60 Minuten zuvor Antibiotika zu verabreichen – eine Maßnahme, deren Erfolg bisher lediglich in Tierexperimenten belegt werden konnte. Das neue Positionspapier empfiehlt eine Prophylaxe nunmehr nur noch bei Patienten mit künstlichen Herzklappen oder mit einer Endokarditis in der Anamnese, bei Patienten mit bestimmten angeborenen Herzfehlern oder bei Patienten nach einer Herztransplantation, die Klappenfehler entwickeln.
Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Naber vom Westdeutschen Herzzentrum Essen, der federführend für das neue Positionspapier verantwortlich ist, spricht von einer „Revolution in der Endokarditis-Prophylaxe“. Es handele sich um eine sinnvolle Neubewertung der existierenden Daten.
Der Bedeutung der Mundhygiene zur Vorbeugung einer infektiösen Endokarditis kommt im neuen Positionspapier eine besondere Bedeutung zu. „Aus unseren Registern wissen wir, dass 80 Prozent der Endokarditis-Patienten keinen operativen Eingriff vor dem Auftreten der Erkrankung hatten. Die Bakterien müssen also auf andere Weise ins Blut gelangt sein“, erläuterte Naber. „Eine Möglichkeit ist, dass die Bakterien aufgrund eines schlechten Zahnstatus bereits bei alltäglichen Aktivitäten wie dem Kauen ins Blut gelangen. Davor können wir nicht mit Medikamenten schützen. Es macht daher Sinn, kranke Zähne rechtzeitig solide zu sanieren und Karies und Parodontose effektiv zu behandeln.“
Die Autoren des Positionspapiers bemängeln das Fehlen prospektiver randomisierter und placebokontrollierter Studien zur medikamentösen Endokarditis-Prophylaxe und fordern, ein entsprechendes Studienprojekt auf den Weg zu bringen. Das Positionspapier ist in Kürze unter www.dgk.org unter „Leitlinien“ abrufbar. zyl
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